Gmünd will europäische Bande stärken

Bildschirmfoto 2016-04-27 um 22.09.56Schwäbisch Gmünd. Gerade in Zeiten, in denen in vielen europäischen Ländern nationalistische Trends auftauchen, werden die Städtepartnerschaften immer wichtiger. Darüber waren sich die Mitglieder des Sozial- und des Verwaltungsausschusses am Mittwoch einig. Deshalb sollen die städtischen Richtlinien für diese Verbindungen überarbeitet werden.Anlass für diese Diskussion waren drei Berichte. Katharina Aubele, in der Stadtverwaltung für die Städtepartnerschaften zuständig, berichtete über geplante Aktivitäten. So soll der Sport wieder stärker in die Städtepartnerschaften einbezogen werden, zum Beispiel mit einem Fußballturnier.

Dragana Damjanovic-Schachner stellte ihre Arbeit über die Entwicklung der Gmünder Städtepartnerschaften vor, die auf sehr großes Lob stieß (die Gmünder Tagespost berichtete). Sie hatte auch Verbesserungsvorschläge:

  • Im Schüleraustausch soll die Bedeutung der Städtepartnerschaft verstärkt bewusst gemacht werden;
  • das Thema soll auf der städtischen Webseite besser dargestellt werden;
  • ein Rundgang zu Symbolen der Partnerschaften soll angeboten werden;
  • Künstler aus Faenza sollen in Gmünd gemeinsam jit Jugendlichen eine Keramik-Skulptur schaffen.

Die neue Vorsitzende des Gmünder Vereins Staädtepartnerschaft, Brigitte Nagel, stellte die neue Struktur des Vereins dar, der sich mehr der Bevölkerung öffnen wolle. „Wir wollen nicht nur ein Reiseunternehmen sein“, sagte sie. Angesichts der neuen politischen Entwicklungen sei die Intensivierung der Verbindungen wichtiger denn je.

Das fand auch CDU-Stadtrat Christian Baron. Er forderte, die städtischen Richtlinien für die Förderung der Städtepartnerschaften zu überarbeiten. Auch Einzelprojekte, auch von Antragstellern über 21, sollten gefördert werden, und zwar mit mehr Geld als bisher. Zudem sollten Schulen keine „Parallel-Partnerschaften“ zu anderen Städten in den jeweiligen Ländern aufbauen. Und bevor man die eingeschlafene Verbindung zum „Sorgenkind Bethlehem“ endgültig abbreche, solle der Oberbürgermeister mit einer Delegation dorthin reisen und nochmal einen versuch der Belebung unternehmen.

Hans-Jürgen Westhauser (SPD) lobte Barons Vorschläge. Es sei wichtig, über diese Partnerschaften auf die Nachbarn zuzugehen, auch alte Kontakte wieder zu aktivieren. Das Erstarken des Nationalismus in Europa sei eigentlich nicht zu verstehen.

Durch Städtepartnerschaften könne man sicher keine Staaten verändern, schränkte Grünen-Sprecher Gabriel Baum ein. Dennoch seien diese verbindungen ganz wichtig und der Verein Städtepartnerschaft müsse unterstützt werden. Auch Brigitte Abele (BL) plädierte für eine Intensivierung der Partnerschaften. Auf dieser Ebene könne man über politische Veränderungen diskutieren.

Karin Rauscher (FWF) empfahl in den Gesprächen eine tolerante Einstellung statt eines erhobenen Zeigefingers. Es gelte, die Verbindung zu Barnsley trotz des angekündigten britischen EU-Austritts zu halten. Linke-Sprecher Sebastian Fritz forderte, zumindest die städtischen Möglichkeiten zu nutzen, um dem politischen Rechtsruck in vielen Ländern Einhalt zu gebieten.

Der Markt der Partnerstädte findet in diesem Jahr von Freitag, 8., bis Sonntag, 10. September, statt – erstmals auf dem Johannisplatz.

© Gmünder Tagespost 26.04.2017 21:15