Gmünd sucht Partnerstadt in der Ukraine

Ukraine-Hilfe: Ob – und vor allem wann und wie – sich eine passende Partnerstadt für Gmünd in der Ukraine indes, ist völlig offen. Fakt ist hingegen, dass der Gemeinderat einstimmig seinen Willen erklärt hat, im Rahmen einer Städtepartnerschaft dort nach Kriegsende zu helfen.

SCHWÄBISCH GMÜND. Ohne jegliche öffentliche Vorberatung in einem anderen Gremium, ohne ausführlichen Sachvortrag und ohne umfangreiche Tischvorlage kam der Antrag der LINKEN-Fraktion an diesem Mittwoch in den Gemeinderat. Erster Bürgermeister Christian Baron wollte den als zusätzlichen Tagesordnungspunkt sehr kurzfristig an den Beginn der Sitzung platzierten Antrag schon ohne Diskussion zur Abstimmung aufrufen, als es dazu doch einige Wortmeldungen gab. Wobei sich die Diskussion nicht darum drehte, ob Gmünd eine Partnerschaft mit einer Stadt in der Ukraine anstreben soll oder nicht, sondern nur um das Prozedere. Die Bürgerliste und die Fraktion „Freie Wähler Frauen“ zeigten sich irritiert, dass sie keine Zeit zu einer internen Meinungsbildung hatten.


Dem Argument von Ullrich Dombrowski, es bestehe doch keine Eile, widersprach Oberbürgermeister Richard Arnold
unmissverständlich. Obwohl sich eine solche kommunale Partnerschaft in der Tat nicht von heute auf morgen realisieren lasse, sei es absolut richtig, schon jetzt und genau jetzt mit der Absichtserklärung ein deutliches Signal zu setzen. Der OB unterstrich, dass eine auf nachhaltige Aufbauhilfe ausgerichtete Partnerschaft mit einer Stadt im Kriegsgebiet eben mehr sei als ein rein verbales politisches Statement. „Das wird auch keine klassische Städtepartnerschaft, wie wir sie bisher kennen“, räumte Christian Baron ein. „Zumindest nicht am Anfang!“ Um den Mitgliedern des Gemeinderats die finanzielle Tragweite ihres Beschlusses bewusst zu machen, ergänzte OB Arnold, dass man dafür eine oder zwei Personalstellen zusätzlich brauche, die dann im Doppelhaushalt 2024/25 zu Buche schlagen werden.
Bei dieser Gelegenheit wurde von der Stadtverwaltung ein großer Dank an all jene adressiert, die derzeit dazu beitragen, Geflüchteten aus der Ukraine in Gmünd eine Zuflucht zu bieten. Für die aktuell registrierten 481 Personen seien 170 Wohnungen zur Verfügung gestellt worden.
Stadtrat Sebastian Fritz, auf dessen Initiative die gewünschte Suche nach einer Gmünder Partnerstadt in der Ukraine ins
Rollen kam, hatte „hinter den Kulissen innerhalb weniger Tage Überzeugungsarbeit geleistet und die Bereitschaft der
anderen Fraktionen zu diesem Schritt sondiert. In der Sitzung begründete er sein Ansinnen mit den verheerenden Folgen dieses völkerrechtswidrigen Angriffskriegs für die Zivilbevölkerung in der Ukraine.
Im Vorfeld der Sitzung hatte die Rems Zeitung bereits ein Gespräch mit Sebastian Fritz geführt. Dabei erzählte er, wie er als Lehrer auch sonst tagtäglich erlebe, wie Menschen darunter leiden, dass ihre Familien durch den Krieg auseinander gerissen werden und die Geflüchteten ständig Angst um ihre Angehörigen haben müssen, die nicht mitkommen konnten und sich in einer lebensbedrohlichen Lage befinden.
„Manche Stadt wird dem Erdboden gleich gemacht, die Infrastruktur zerstört!“

Daraus ergebe sich, dass nach dem hoffentlich baldigen Ende dieses Krieges eine Kraftanstrengung nötig sei, um den Wiederaufbau zu schaffen. „Die Welt, Europa und nicht zuletzt Deutschland werden hier sicherlich als Helfer gefordert sein!“, sagte Fritz und plädierte dafür, dass sich Gmünd im Rahmen einer offiziellen Städtepartnerschaft am Wiederaufbau beteilige. Der Antrag der LINKEN-Fraktion war bewusst sehr offen formuliert und lässt Spielraum, um auf die konkrete Situation zu reagieren. Es gehe darum, die Möglichkeit einer Partnerschaft mit einer Stadt in der Ukraine zu eruieren und eine solche Partnerschaft für die Zeit nach den Kriegshandlungen in die Wege zu leiten. Dies wurde von den anderen Fraktionen befürwortet und einstimmig so beschlossen.

Copyright Rems Zeitung, 31.03.2022 Gerold Bauer