Gibt es in Gmünd bald eine Gesamtschule?

02. Januar 2010  Gemeinderat, Sebastian Fritz

Vor diese Frage wurde der Schwäbisch Gmünder Gemeinderat schon im abgelaufenen Jahr durch einen Antrag der im Aufbau befindlichen Fraktion DIE LINKE gestellt. Die SPD-Fraktion und die Grünen haben auch gleich ihre Zustimmung erklärt. Der erste Bürgermeister Dr. Joachim Bläse, der unter anderem auch dem Schul- und Sportamt vorsteht, wird dieses Thema im neuen Jahr 2010 in den Sozialausschuss und dann später in den Gemeinderat einbringen.

Ausgangspunkt für den Antrag war die Geißelung seitens der Landesregierung bis zum 15.12.2009 spätestens die Anträge auf Einführung von Werkrealschulen machen zu müssen. Mit diesem Termin wurde den Kommunen im Land die Pistole auf die Brust gesetzt, indem sie gezwungen wurden umgehend die Einführung zu beschließen bzw. unter Zeitdruck Kooperationsverträge unter den Schulen auszuhandeln.

Anders als die restlichen Fraktionen im Gemeinderat, hat die im Aufbau befindlichen Fraktion DIE LINKE einen Alternativantrag – nämlich den der Gesamtschule eingebracht, denn es kann nicht sein, dass ich die Werkrealschule kritisiere und auf der anderen Seite keine Alternative vorschlage. Außerdem ist das Konzept der Gesamtschule eines, das viele Chancen in sich birgt und Deutschland eines der letzten Länder im internationalen Vergleich ist, das weiterhin am gegliederten Schulsystem festhält. Welche Ergebnisse diese Bildungspolitik mit sich bringt wissen wir dank PISA und anderen Vergleichsstudien.

Hier die Kritikpunkte an der Werkrealschule und der Antrag:

- Die Wertigkeit des Hauptschulabschlusses wird noch weiter abgesenkt und damit ist eine noch höhere Chancenlosigkeit bei den Jugendlichen mit Hauptschulabschluss vorprogrammiert.

- Arbeitsbelastung der Schülerinnen und Schüler nimmt drastisch zu – so sind an der:

- WRS 3 Tage mit 21 Stunden

und an der

- Berufsschule 2 Tage mit 15 Stunden vorgesehen

Das bedeutet insgesamt 36 Wochenstunden

+ Fördermaßnahmen

+ Hausaufgaben

+ Lernzeiten

+ lange Fahrtzeiten zu den Berufsschulen

- Ein weiteres Problem liegt darin, dass die Schülerinnen und Schüler gewohnt sind von pädagogisch ausgebildeten Lehrkräften unterrichtet zu werden. An der Berufsschule gibt es – paradoxer Weise aufgrund Lehrermangels – auch viele Lehrkräfte die direkt aus der Wirtschaft kommen. Dies ist für die Ausbildung von jungen Menschen ja auch in Ordnung, aber nicht für die Schülerinnen und Schüler.

- Hinzu kommt, dass es noch keinen Bildungsplan für die Profilfächer gibt, geschweige denn eine Erprobungsphase!

Wir möchten uns erstmals bedanken, dass es gelungen ist ein Gesamtkonzept zu erstellen und sich nicht einzelne Schulen untereinander bekämpfen.

Wir befinden uns in einem Dilemma! Das Land lässt uns trotz starker Bedenken über den Erfolg der Werkrealschulen wenig Alternativen zum Errichten der Werkrealschulen und daher wollen wir diesen Anträgen auch schweren Herzens erstmals zustimmen, um den Schulen der weiteren Erhalt zu ermöglichen.

Wir von der im Aufbau befindlichen Fraktion DIE LINKE fordern die Verwaltung aber auf, einen Antrag auf Einrichtung eines Schulversuchs zur Entwicklung und Erprobung einer 10-jährigen gemeinsamen Schule in Schwäbisch Gmünd beim Ministerium für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg zu stellen.

Unser Antrag folgt den Verheißungen des Oberbürgermeisters: Nicht immer zu meckern, sondern sich konstruktiv einzubringen.

In diesem Antrag steckt nicht nur die Chance auf eine Vorreiterrolle im Ländle, sondern es steckt die Möglichkeit dem Schulstandort Schwäbisch Gmünd einen ganz besonderen Ruf zu verleihen. Wir haben die Pädagogische Hochschule und darum sollten wir das Know How vor Ort nutzen um mit den Menschen dort gemeinsam ein solches Konzept zu entwerfen und in die Tat umzusetzen.

Im übrigen fordert nicht nur DIE LINKE die Einführung von Gesamtschulen, sondern neben vielen anderen Parteien auch der Landeshandwerkspräsident Joachim Möhrle und viele weitere Vertreter aus Wirtschaft und Politik!