Gibt es doch noch einen Ausweg im Busstreit?

Die Tür für die Busunternehmer ist nicht zu. Das hat Landrat Klaus Pavel stets betont. Völlig überraschend könnte es doch noch zur gewünschten einvernehmlichen Lösung kommen. Denn die Verkehrsunternehmer haben bei einem wohl letzten Krisengespräch am 9. September verbindlich zugesagt, den angestrebten Vollverbund umzusetzen. Das hat Pavel am Dienstag im Kreistagsausschuss für Umweltschutz und Kreisentwicklung in Aalen bekannt gegeben.

Der kreisweite Vollverbund soll Rechtsnachfolger des Tarifverbunds „OstalbMobil“ und des Verkehrsverbunds „FahrBus“ sein. Die Gesellschaft soll schon zum 1. Januar gegründet werden. Der Ostalbkreis übernimmt 50 Prozent der Gesellschaftsanteile.

Mit dem Vollverbund will Pavel den ÖPNV ganz neu denken, wie er sagte. Er wünscht sich ein Jahresticket für 365 Euro und bringt ein Seniorenticket für 250 Euro ins Spiel. Der ÖPNV müsse komplett neu organisiert werden – in 20- und 30-Minutentakte in den Städten sowie in Stundentakte auf dem flachen Land.

Vor allem will Pavel die derzeit 280 unterschiedlichen Tarifzonen reduzieren. In der Region Stuttgart seien es nur fünf, sagte er. Schließlich soll der Verbund als ein Unternehmen auftreten, was an den Bussen zu erkennen sein soll. Das sei alles ganz offen besprochen worden, meinte Pavel.

Freilich gibt es ein Problem. Das Jahresticket für 365 Euro wäre günstiger als das Schülerabo, womit der Landkreis Zuschüsse des Landes verlieren würde. Pavel will deshalb die Eigenanteile der Schüler reduzieren und eine Vereinbarung mit dem Land schließen. Mit Verkehrsminister Winfried Hermann will er schon über ein „Ostalb-Modell“ gesprochen haben.

Wir waren noch nie so eng beieinander wie in den letzten Tagen.

Klaus Pavel
Landrat

Der Zeitplan sieht vor, dass die im Linienverkehr eingesetzten Busse sofort als „OstalbMobil“-Busse präsent sind. Zum 1. August 2020 soll dann eine „kleine Tarifreform“ umgesetzt werden, mit dem Ziel ein Seniorenticket zu schaffen. Bis dahin soll geprüft werden, ob durch eine Senkung des Eigenanteils für Schülermonatskarten ein erweitertes Jahresabo für alle Bürger möglich ist. Das könne dann vielleicht auch 400 oder 420 Euro kosten, sagte Pavel

Zum 1. August 2021 soll eine große Tarifreform in Kraft treten und die Zahl der Zonen auf das „absolute Minimum“ reduziert werden. Dann soll zum 1. August 2022 eine kreisweite Vertaktung umgesetzt werden. Die neue Verbundgesellschaft soll das Konzept dazu erarbeiten.

Pavel erhofft sich von all dem, dass nicht nur über Klimaziele diskutiert wird, sondern dass am Ende tatsächlich mehr Menschen umsteigen und mehr Fahrscheine verkauft werden. Er wisse, dass das zunächst Geld koste, sagte er. Deshalb sei ja im Kreishaushalt ein siebenstelliger Betrag eingestellt.

Der Verbund soll nun in den kommenden fünf Jahren unter Beweis stellen, „dass ein noch kooperatives Handeln aller Beteiligten möglich ist“. Und wenn nicht? Dann kommt die bereits vom Kreistag beschlossene europaweite Ausschreibung des gesamten Busverkehrs auf der Ostalb in mehreren Linienbündeln. Der Grund dafür ist bekannt – das Jahr für Jahr größer werdende Millionendefizit im ÖPNV.

Deshalb warb Pavel auch um Zustimmung dafür, die Beraterleistung für ein sogenanntes Teilraumkonzept für das Aalener Linienbündel zu vergeben. Der Aalener Stadtbusverkehr soll, Stand heute, nämlich zuerst ausgeschrieben werden. Der Ausschuss folgte dem Landrat. Den Auftrag für rund 29 000 Euro erhält die Nahverkehrsberatung Südwest PG.

© Gmünder Tagespost 17.09.2019 22:23