Gespräch hat den Filter entzaubert

07. November 2012  Gemeinderat, Presse, Redaktion, Sebastian Fritz

Der Gmünder Tunnel braucht keinen Abluftfilter. Und die Ortsumgehung Mögglingen muss gebaut werden. Das sind zwei Konsequenzen, die Beteiligte des Tunneldialogs aus diesem Informationsprozess ziehen. Am Mittwoch übergaben die Organisatoren das Abschlussdokument des Dialogs, der auch überregional Aufmerksamkeit erregt hat.  Schwäbisch Gmünd. „Der Dialog hat mich als absoluten Befürworter des Filters überzeugt“, sagte Martin Scheuermann, Leiter des Christlichen Erholungsheims Schönblick, am Mittwoch im Rathaus. Überzeugt wurde er davon, dass ein Tunnelfilter so gut wie keine zusätzliche Verbesserung der Luftqualität bringen würde. Dieses Ergebnis erläuterten Prof. Görge Deerberg vom Fraunhofer-Institut Umsicht und Arne Spieker von der IFOK GmbH, die im Rathaus den Abschlussbericht vorlegten. Spieker nannte Gründe dafür, dass der Dialog gelungen sei: Die Gutachter seien gemeinsam ausgewählt worden, der Meinungsaustausch habe sehr gut geklappt. Zentrales Ergebnis des Dialogs: Der Tunnel senke das Gesundheitsrisiko im Stadtgebiet um 35,516 Prozent. Ein Filter würde diese Absenkung auf 35,518 Prozent erhöhen, dafür aber rund vier Millionen Euro sowie im jährlichen Betrieb rund 300 000 Euro kosten. Görge Deerberg: „Der Bau des Tunnelfilters ist mit gesundheitlichen Argumenten nicht zu begründen.“ Wesentlich effektiver für die Luftreinhaltung sei zum Beispiel die Umweltzone.

Oberbürgermeister Richard Arnold kündigte an, dass die Stadt demnächst den Entwurf eines Klimaschutzkonzeptes vorlegen wird. Das Ergebnis des Dialogs unterstreiche die Notwendigkeit für die Mögglinger Ortsumfahrung. Da aber konnte Günter Mezger vom baden-württembergischen Verkehrsministerium wenig Hoffnung machen: Andere Straßenbauvorhaben seien vordringlicher. Mezger bestätigte aber, dass das Verkehrsministerium die Luftmessungen in Gmünd nach Eröffnung des Gmünder Tunnels ein Jahr lang fortsetzen werde, um so die im Dialog gemachten Prognosen zu überprüfen. Außerdem baue die Landesregierung die Gmünder Erfahrungen in ein Konzept für mehr Bürgerbeteiligung ein.

Und wenn, so fragte Linke-Stadtrat Sebastian Fritz, die Prognosen nicht eintreffen? „Dann besteht neuer Handlungsbedarf“, meinte der OB. Auch Celestino Piazza (CDU) riet, die Messergebnisse nach der Tunneleröffnung abzuwarten. Nachdem die Fachleute den Nutzen der Umweltzone bestätigt hätten, sollte die Stadt die Einhaltung der dazugehörigen Plakettenpflicht stärker kontrollieren, forderte die Vorsitzende der Grünen-Fraktion, Brigitte Abele. „Weiterhin beunruhigend“ fand Ute Nuding (FW/FDP) die Grundbelastung mit Schadstoffen der Gmünder Luft. Karin Rauscher (FWF) setzt große Erwartungen in der Klimaschutzkonzept.

Michael Straub, Leiter des Weleda-Heilpflanzengartens, sagte, die Ergebnisse des Dialogs hätten auch das Unternehmen beruhigt. Zudem habe die Weleda in ihrem Garten eine eigene Messstation installiert, die auch in Betrieb bleiben wird. Die bisherigen Messwerte bestätigten die im Tunneldialog vorgelegten Werte. OB Richard Arnold sah bereits ein neues kontroverses Thema, in dem ein solcher Dialogprozess notwendig wäre: die geplante Verlegung der 380-kV-Leitung im Norden Gmünds.