„Gemeinschaftsschule soll keine umettiketierte Hauptschule werden“

23. Oktober 2013  Gemeinderat, Redaktion, Sebastian Fritz

Sebastian-FritzDer Bildungssektor sieht sich derzeit mit großen Veränderungen konfrontiert. Die Gründe dafür wurden teils schon benannt, aber ein zentraler ist, dass das dreigliedrige Schulsystem den aktuellen Anforderungen nicht mehr gerecht wird. Daher begrüßen wir die begonnenen Reformansätze vom Grundsatz her. Allerdings bedauern wir, dass die Landespolitik vom Konzept der Gemeinschaftsschule insoweit abgerückt ist, als dass sie die Gymnasien aussen vor lässt und eine Vielzahl von Sonderregelungen eingeführt hat. Dies führt leider dazu, dass das Problem der Chancengleichheit und Bildungsteilhabe wieder nicht ganzheitlich angegangen wird und sich damit nur geringfügig etwas zum besseren wendet und dass das Bildungssystem als solches oft auch für Verwirrung und Unverständnis bei den Betroffenen sorgt.

 

Aber lassen sie mich auf die Situation in Schwäbisch Gmünd eingehen:

 

1.   Die weitere Bestandssicherheit der Grundschulstandorte findet unsere uneingeschränkte Unterstützung und wie in der Vorlage beschrieben, sehen wir trotz abnehmender Schülerzahlen räumliche Potenziale für neue konzeptionelle Ansätze also z.B. Bildungs- und Familienzentren, Kinderhäuser, usw.

 

2.   Das Auslaufen der Hauptschulstandorte an der Stauferschule und der Scheuelbergschule ist ja bereits beschlossene Sache und daher würde uns nur interessieren, ob es da neue Diskussionen hinsichtlich Gemeinschaftsschulen gibt oder ob das Auslaufen von den Eltern so akzeptiert wird?

 

3.   Die Entwicklung der Werkrealschulen ist derzeit, was die Schülerzahlen anbelangt, unser größtes Sorgenkind. Der vorgeschlagene Weg im Jahr 2014 eine Entscheidung zu treffen, wo noch ein weiterer Gemeinschaftsschulstandort angemeldet werden soll, wird von uns unterstützt, aber wir möchten dies mit zwei Anregungen machen:

 

1.   Aus unserer Sicht soll es alles unternommen werden, dass der neue Gemeinschaftsschulstandort nicht eine umettiketierte Hauptschule bzw. Werkrealschule wird. Oder deutlicher ausgedrückt Restschule! Dies führt erneut zu einer noch geringeren Akzeptanz und die oft bemühte Chancengleichheit ist wieder nicht gegeben. Damit ist das gut gemeinte Konzept der Gemeinschaftsschule in Gefahr! Die Gemeinschaftsschule kann nur mit heterogenen Schülerzusammensetzungen funktionieren.

2.   In die Entscheidung müssen aus unserer Sicht auch viele weitere Aspekte einbezogen werden wie beispielsweise die Erreichbarkeit, Raumkapazitäten, usw. Dabei sollte aus unserer Sicht eine langfristige Perspektive eine große Rolle spielen, denn irgendwann fehlt uns auch der finanzielle Spielraum.

 

4.   Sehr erfreulich ist die positive Entwicklung der Friedensschule! Aller Skepsis zum Trotz konnten die zwei Klassen gebildet werden und wir drücken weiterhin ganz fest die Daumen, dass dies noch ausgebaut werden kann!

 

5.   Zuletzt möchte ich noch auf die Realschulen zu sprechen kommen. Positiv anzurechnen ist aus unserer Sicht, dass die beiden Schulen zaghaft beginnen Ganztagesangebote, mit dem Ziel zur Ganztagesschule zu werden, einrichten. Aus unserer Sicht könnte dies allerdings etwas schneller umgesetzt werden, denn von der Schülerschaft her wären die beiden Realschulen ideal geeignet Anträge auf eine Gemeinschaftsschule zu stellen. Bedauerlicher Weise geschieht, von der Landesregierung unterstützt genau das Gegenteil mit der Einführung des Hauptschulabschlusses nach Klasse 9. Damit wird eher der Status quo gefestigt und man drückt sich um notwendige Reformen herum. Vielleicht sollten die Realschulen darüber nachdenken, ob nicht die aktive Hinwendung zur Gemeinschaftsschule zumindest auf längere Sicht für sie eine Chance zur notwendigen pädagogischen Weiterentwicklung bietet. Mit den noch vorhandenen Hauptschulen bieten sich jedenfalls kompetente Partner an.