Funktionieren gemeinsame Geh- und Radwege?

Schwäbisch Gmünd. Die Lise-Meitner-Straße auf dem Gügling soll voll ausgebaut werden. Damit will die Gmünder Stadtverwaltung den vierten Bauabschnitt des Gewerbegebiets Gügling Nord III erschließen. Der Auftrag dafür soll an das Bauunternehmen Georg Eichele gehen. Inklusive der Planung sind die Kosten für die Maßnahme auf 391 000 Euro veranschlagt.

Dringender Wunsch

Der Ortschaftsrat Bettringen hat sich einstimmig dafür ausgesprochen, den kompletten Ausbau der Straße jetzt anzugehen. Angesichts dessen, wie der Neubau der Leicht Küchen AG voranschreite, sei dies sinnvoll, meint Konrad Sorg, SPD-Stadtrat aus Bettringen, als es im Bau- und Umweltausschuss des Gmünder Gemeinderats darum geht. „Das ist der erste Schritt für die Anbindung an die Ortsumgehung Bargau“, sagt Brigitte Weiß, CDU-Stadträtin und Bettringer Ortsvorsteherin: „Und das ist ein dringender Wunsch der Bettringer.“

Linke-Fraktionschef Sebastian Fritz hakt wegen des Geh- und Radweges nach, der entlang der Lise-Meitner-Straße geplant ist. „Wäre es nicht sinnvoller, die Radfahrer auf die Straße zu führen?“, fragt er. Gemeinsame Geh- und Radwege seien an den Einfahrten sehr unübersichtlich für Autofahrer. Die Unfallgefahr sei entsprechend hoch. Und „wir wünschen uns doch, dass Berufspendler aufs Fahrrad zurückgreifen“, betont er.

„Wir haben die Probleme überall, weil die Wege zu schmal sind“, sagt Bettina Winter-Schulligen vom Agenda-Arbeitskreis Mobilität und Verkehr. Und konkret zum geplanten Geh- und Radweg entlang der Lise-Meitner-Straße: Die zweieinhalb Meter Wegbreite sei zu schmal für Begegnungsverkehr. Sie schlägt daher vor, den Weg auf Kosten des Grünstreifens nebenan breiter zu machen.

Weiter südlich gebe es einen Radweg, versucht Tiefbauamtsleiter Jupp Jünger die Bedenken zu entkräften. Das Rad- und Fußgängeraufkommen sei in dem Gewerbegebiet „sehr untergeordnet“: „Ich sehe die Problematik nicht“, erklärt er und schlägt vor: Sollte es dort wider Erwarten doch Probleme geben, könne nachträglich immer noch ein Fahrradschutzstreifen eingerichtet werden.

„Es wäre eine Überlegung wert, generell davon wegzukommen“, sagt Sebastian Fritz über die gemeinsamen Geh- und Radwege. „Sie denken immer an den jungen dynamischen Radfahrer“, entgegnet ihm CDU-Stadtrat Rolf Crummenauer. Doch manche ältere Leute nutzten Radschutzstreifen nicht, weil sie sich dort nicht sicher fühlen. „Wir müssen einen Mittelweg finden“, meint er daher. Immer mehr ältere Menschen seien mit E-Bikes unterwegs, antwortet Sebastian Fritz.

Der Gemeinderat könne nicht nur das Interesse von einer Gruppe verfolgen, mahnt Oberbürgermeister Richard Arnold, nicht allein an Radfahrer zu denken. Er schlägt vor, die generelle Diskussion darüber mit der interfraktionellen Arbeitsgruppe Rad des Gmünder Gemeinderats und mit dem Arbeitskreis Mobilität und Verkehr zu führen. Und konkret an der Lise-Meitner-Straße nicht auf den Grünstreifen zu verzichten.

Der Gemeinderat soll in seiner Sitzung am diesem Mittwoch, 17. Juli, über den Ausbau der Lise-Meitner-Straße mit Geh- und Radweg entscheiden. Beginn der öffentlichen Sitzung ist um 16.10 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses.

© Gmünder Tagespost 16.07.2019 22:05