Für mehr Frauen in den Gemeinderäten

Schwäbisch Gmünd. Am 26. Mai 2019 sind in Baden-Württemberg Kommunalwahlen. Auf den Tag 100 Jahre und einen Tag nach den Kommunalwahlen vom 25. Mai 1919. Damals durften erstmals Frauen kandidieren. Anna Ramsayer war danach die erste Frau im Gmünder Gemeinderat. 100 Jahre Frauenwahlrecht, dazu hat Gmünds Stadtarchivar Dr. David Schnur eine Präsentation erarbeitet, die bis Mitte März in einer Endlosschleife im Foyer des Rathauses zu sehen ist. 100 Jahre Frauenwahlrecht, für Oberbürgermeister Richard Arnold ein Anlass, „innezuhalten“.

Schnur erzählte den Stadträten bei der letzten Ratssitzung vor Weihnachten, wie das damals war. Dass vom 9. November 1918 an die Waffen verstummten, nach der Kapitulation Deutschlands. Dass der Kaiser abdankte, dass die Monarchie zur Republik wurde, und dass das neue Wahlrecht, das Frauen erlaubte, zu kandidieren, eine der Innovationen damals war. Am 12. Januar 1919 war die Württemberg-Wahl. Damals mit einer Wahlbeteiligung von 90,9 Prozent in Württemberg und von 96,6 Prozent in Gmünd. Eine Woche später die Wahl der Nationalversammlung. Anna Blos aus Degerloch war die erste Frau, die aus Württemberg in die Weimarer Nationalversammlung einzog. Wenige Monate später Gemeinderatswahl, bei der neben 90 Männern zwölf Frauen kandidierten. Die Wahlbeteiligung sank auf 62 Prozent.

Vielleicht ein Stück weit bezeichnend: Außer Elmar Hägele (B 90 / Die Grünen) äußerten sich nur Frauen zu Schnurs Präsentation. Es sei heute noch ein Problem, Frauen zu gewinnen, sich aufstellen zu lassen, sagte Elena Risel (CDU) und fragte Schnur nach einem Weg, dies zu ändern. Sicherlich sei die Vereinbarkeit von Beruf und Familie da noch immer ein Thema, nannte er einen Ansatzpunkt. 100 Jahre hörten sich nach viel an, dabei seien dies gerade mal vier Generationen, sagte Brigitte Schoder (SPD). Heute sei das Frauenwahlrecht so selbstverständlich, dass viele gar nicht mehr zum Wählen gehen, kritisierte Schoder, die begrüßte, dass die Verwaltung das Thema auf die Tagesordnung genommen habe.

Auf die paritätische Besetzung bei den Grünen verwies Gertraude von Streit (B 90 / Die Grünen), wenngleich die Gmünder Ratsfraktion dies momentan nicht repräsentiere. Was auch am Wechsel der Stadträtinnen Brigitte Abele und Susanne Lutz zur Bürgerliste liegt. Es sei schön zu sehen, wie Frauen das damals durchgesetzt haben, sagte Heidi Preibisch (Bürgerliste). Sie riet ihren Kollegen, Frauen aufzufordern, sich aufstellen zu lassen, denn „manches würde mit mehr Frauen anders aussehen“. Eine Aussage, die dazu führte, dass OB Arnold Preibisch daran erinnerte, dass die Kanzlerin eine Frau sei.

Die Beteiligung von Frauen im Gremium ist „ausbaufähig“ sagte auch Karin Rauscher (FWF). Sie wünschte sich zudem, dass Frauen nicht immer nur als Ansprechpartner für soziale Themen gesehen werden. Cynthia Schneider (Die Linke) wünschte sich heute „so mutige Frauen wie damals“. Denn die Gleichberechtigung sei noch nicht voll und ganz angekommen.

Elmar Hägele schließlich riet dem Gremium, sich um die Wahlbeteiligung zu kümmern. Schwäbisch Gmünd habe, trotz des großen ehrenamtlichen Engagements, die niedrigste in den 42 Kommunen in Baden-Württemberg.

© Gmünder Tagespost 19.12.2018 20:59