Für Alltagsradler in der Südstadt

SCHWÄBISCH GMÜND (hs). Bei der jüngsten Protestfahrt („Critical Mass“) von
Fahrrad- und Klimaaktivisten durch die Gmünder Innenstadt (wir berichteten am
Samstag) stand die Forderung im Blickpunkt, im Bereich der Gmünder Südstadt eine sichere und schnelle Radwegverbindung einzurichten. Problematisch und gefährlich sei die Situation, so kam zum Ausdruck, vor allem auf der Weißensteiner Straße. Denn nach neuer Rechtssprechung und von der Stadtverwaltung verfügten Regelung, müssen Fahrradfahrer nicht mehr die Radstreifen auf den Gehsteigen benutzen, sondern sie dürfen sich als gleichberechtigte Partner unter die Autos auf der Fahrbahn mischen. Von vielen motorisierten Verkehrsteilnehmern wird das jedoch offenbar nicht akzeptiert. Es kommt zu Hupkonzert, Geschimpfe und offenbar sogar zu wüsten Drängeleien „Auto gegen Fahrrad“. Gestern stellte die Stadtverwaltung nun Varianten vor, um zumindest stadteinwärts durch Umgestaltungmaßnahmen im Geh- und Parkplatzbereich einen echten Radweg anzulegen. Die Nachteile:
Für Fußgänger bliebe nur noch eine Breite von 1,50 Meter. Im südlichen Sektor wurde sogar die Möglichkeit angedacht, mehr Platz zu schaffen, indem ein Teil der dortigen Bäume gefällt werden. Dies wurde jedoch von allen Fraktionssprechern kategorisch abgelehnt, ebenso findet auch ein möglicher Wegfall von Parkplätzen wohl keine Mehrheit.
Bürgermeister Dr. Joachim Bläse bat dringend darum, den Worten und der Forderung nach einer Verkehrswende vor allem zugunsten der Alltagsradler mit Einrichtung eines sicheren Radstreifens in der Weißensteiner Straße Taten folgen zu lassen. Dies sei nicht nur eine bauliche, sondern eine politische Fragestellung.
Doch echte Begeisterung bei den Stadträten sieht anders aus. Klar und deutlich äußerte sich Stadtrat Karl Miller (Grüne):
Eine Lösung für sicheres Fahrradfahren auf der Weißensteiner Straße sei ganz dringend erforderlich. CDU-Sprecher Thomas Kaiser bedauerte den Ärger und Verdruss, der auf der Weißensteiner Straße sowohl bei Fahrrad- als auch bei Autofahrern ausgelöst worden sei. Die beste Lösung wäre in der Südstadt doch die Einrichtung einer Radstraße in der Klarenbergstraße. Auch Stadtrat Johannes Zengerle (SPD) deutete auf die Klarenbergstraße. Alles andere wirke doch wie ein Provisorium.
Die Stadträte Ullrich Dombrowski (BL) und Dr. Peter Vatheuer (FDP) befürchteten übereinstimmend, dass in der Weißensteiner Straße viel Geld für eine Lösung ausgegeben werde, die keine echte Verbesserung erhoffen lasse. Dr. Vatheuer forderte dringend die Einbeziehung der Bürger in der Südstadt in eine Entscheidungsfindung. Stadtrat Dr. Andreas Benk (Die Linke) drängte auf Verkehrswende, mithin deutliche Verbesserungen für die Radfahrbedingungen in Schwäbisch Gmünd. Aber er warnte vor gutgemeinten Lösungen, die sich dann als unpraktisch herausstellen. Als Beispiel
nannte er die komplizierten Regelungen mit unterschiedlich und aufwändig ausgeschilderten Furten für Fußgänger und Radler am Pfitzerkreisel, die bei Fahrradund Autofahrer mehr Verunsicherung als klare Orientierung gebracht haben.

Copyright Rems Zeitung, 23.01.2020