Flotter politischer Aufgalopp

15. Juli 2019  Ortsvorstand, Presse, Redaktion

Viel hängt von der Stimmung ab.“ Das weiß Klaus Pavel aus langjähriger Erfahrung nur zu gut. Ergo: „Das Glas ist auf der Ostalb immer halb voll, niemals halb leer.“

Diese Botschaft hatte der Landrat am Dienstag für die 73 Kreisräte. Vor allem auch deshalb, weil sich laut Expertenmeinung die Wirtschaft abschwächt und die Aufträge zurückgehen. Aber: Der Lebens- und Wirtschaftsraum der Ostalb sei immer noch gut aufgestellt, betonte Pavel. Damit das so bleibt, braucht es ihm zufolge einen stabilen Arbeitsmarkt als Fundament und eine aktive Wirtschaftsförderung mit vielen Verbündeten sowie starke berufliche Schulen und Hochschulen.

Es war klar, dass der Landrat die Gunst der Stunde nutzen und bei der konstituierenden Sitzung des Kreistags die kommenden Herausforderungen skizzieren würde. Etwa die Digitalisierung. Sie werde die Lebens- und Arbeitswelt verändern, sagte er. Oder das „Riesenthema“ Gesundheit und Pflege. Er nannte ferner eine „perfekte“ Breitbandversorgung, Straßenbau, ÖPNV und Kliniken sowie eine zukunftsfähige Mobilität. Darauf müsse die Kreispolitik Antworten finden. Und: „Eins dürfen wir nie vergessen“, betonte Pavel, „wir sind ein Produktionsstandort. Das hat die Ostalb stark gemacht. Und es wäre schön, wenn es so bleiben würde.“

Aber Pavel mahnte auch: „Alles geht nur gut in unserer Gesellschaft, wenn wir soziale Verantwortung an den Tag legen.“ Dazu gehört für ihn weiterhin die Flüchtlingsaufnahme und -betreuung. Als der Landrat die Zustände im Mittelmeer als schlimm bezeichnete, erhielt er Applaus von allen Fraktionen – mit Ausnahme der AfD.

Eins dürfen wir nie vergessen: Wir sind ein Produktionsstandort.

Klaus Pavel
Landrat

Stellvertretend nahm Pavel Alexander Relea-Linder (Die Linke) den Amtseid ab. Der 26-jährige Gewerkschaftssekretär ist das jüngste Kreistagsmitglied. Alle anderen Kreisräte verpflichtete er per Handschlag, darunter 30 neue – „ein gewaltiger Wechsel“, meinte Pavel.

Ein Drittel entfällt alleine auf die CDU-Fraktion. Bei den Grünen sind acht Kreisrätinnen und Kreisräte neu. Sie bilden nun keine reine Männerfraktion mehr. Die Freien Wähler haben drei neue Fraktionsmitglieder. Die Linke erreicht mit zwei neuen Kreisräten Fraktionsstärke. Je einen Neuzugang verzeichnen SPD und FDP. Hinzu kommt eine ganz neue Fraktion – die AfD mit fünf Mitgliedern.

Flott ging es bei der Besetzung der 18 Ausschüsse, Aufsichtsräte und anderen Gremien. Im Vorfeld hatten die Fraktionen Einvernehmen erzielt. Das gilt auch für die Zusammensetzung des Verwaltungsrats der Kliniken, in dem zwei Sitze für die Personalräte geschaffen werden – als feste Vertretung der Beschäftigten. Per Hauptsatzung neu geregelt wurden die Zuständigkeiten der Ausschüsse und die Entschädigungen der Kreisräte. So werden Reisekosten künftig nur noch ab Wohnort oder Arbeitsplatz im Ostalbkreis erstattet. Außerdem wurden die Kreisräte mit iPads ausgestattet, um den Papierverbrauch zu reduzieren. Nach gut 75 Minuten war die erste Sitzung des Kreistags zu Ende. Sie hatte mit einer Schweigeminute für den am Freitag verstorbenen Heidenheimer Landrat Thomas Reinhardt begonnen.

© Gmünder Tagespost 15.07.2019 19:37