„Firma“ für Flüchtlinge

Landrat Klaus Pavel bedauert in einem Schreiben an Bahnchef Grube, dass das „sehr gute Projekt“ des Gepäcktransports am Gmünder Bahnhof durch Flüchtlinge gestoppt wurde. Zu Wort gemeldet haben sich auch Stadträte aus Aalen und Schwäbisch Gmünd mit einem konkreten Beschäftigungsvorschlag für Asylbewerber.

Schwäbisch Gmünd. Die Deutsche Bahn AG hatte am vergangenen Mittwoch den mit Flüchtlingen aus der Gemeinschaftsunterkunft in Schwäbisch Gmünd organisierten Gepäckservice am Gmünder Bahnhof überraschend gestoppt (SchwäPo berichete). Daraufhin war das Projekt bundesweit in die Schlagzeilen geraten und äußerst kontrovers diskutiert worden.
Landrat Klaus Pavel hat sich nun in einem persönliche Schreiben an Dr. Rüdiger Grube, den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG, gewandt. Darin beschreibt Pavel nochmals die Hintergründe, die zum Entstehen dieser Projektidee geführt haben.
Alle beteiligten Asylbewerber hätten sich freiwillig gemeldet, um als „helfende Hand mit Herz“ die Bahnkunden zu unterstützen. „Entstanden ist auf diese Weise eine Sympathieaktion für die Bahn, die Stadt und den Ostalbkreis“, betont der Landrat in seinem Brief.
Dann hätten allerdings „oberflächliche Initiativen in überörtlichen Medien das sehr gute Projekt zerstört“, so Pavel weiter. Er bedauere, dass die Bahn zu Unrecht in die Kritik geraten sei. Es könne schließlich nicht sein, dass Ein-Euro-Jobs legal seien, diese auch menschlich für die Flüchtlinge so wichtige Gmünder Aktion jedoch auf Ablehnung stoße. Pavel hofft jetzt auf kreative und unbürokratische Lösungen, um den Flüchtlingen unkompliziert helfen zu können.
Unterdessen haben beide Gmünder Stadträte Peter Yay-Müller und Sebastian Fritz und der Linken-Stadtrat aus Aalen, Roland Hamm, einen Vorschlag zur Verbesserung der Situation der Asylbewerber gemacht. „Den Menschen, die hier nach Deutschland flüchten, sollten wir neben einer sicheren Bleibe auch die Möglichkeit der beruflichen Qualifikation bieten und deshalb möchten wir anregen, über die Möglichkeit der Einrichtung einer gemeinnützigen Firma zur Aus- und Weiterbildung für diese Menschen nachzudenken“, so Roland Hamm, im Hauptberuf Erster Bevollmächtigter der IG Metall Aalen und Schwäbisch Gmünd.
Den drei Stadträten schwebe vor, dass dies nicht nur ein Modell für Schwäbisch Gmünd werde, sondern sich vielleicht über den gesamten Ostalbkreis in Form eines Pilotprojektes mit Unterstützung des Integrationsministeriums erstreckt. „Diese „Firma“ könnte neben Sprachangeboten, Ausbildungsplätze in den kommunalen Einrichtungen anbieten und würde damit den Flüchtlingen wichtige Qualifikationen mit auf den Weg geben“, so Stadtrat Sebastian Fritz.
„Außerdem müsse das Rad nicht komplett neu erfunden werden, da es bereits Einrichtungen wie beispielsweise die Arbeitslosenselbsthilfeorganisation in Schwäbisch Gmünd gibt, die hier bereits seit Jahrzehnten eine sehr gute Arbeit leiste“, so Fritz weiter.
Die Diskussion, die durch die Initiative von OB Arnold angestoßen wurde, habe doch ganz deutlich gezeigt, „dass alle eine Verbesserung wollen, doch da wären die beiden Bundestagsabgeordneten Lange und Barthle gefordert gewesen, durch entsprechende Gesetzesinitiativen aktiv zu werden“, so der Stadtrat Sebastian Fritz.
© Schwäbische Post 31.07.2013