Finanzspritze für den Tafelladen

Sebastian FritzWeniger gespendete Lebensmittel und mehr bedürftige Käufer. Diese Kombination führte im vergangenen Jahr zu einem Minus beim Gmünder Tafelladen. Die Stadtspitze und der Sozialausschuss meinen, dass die Stadt mit einer Finanzspritze aushelfen muss. Doch das, so fürchten manche der Stadträte, könnte auf Dauer nicht reichen.

JULIA TRINKLE

Schwäbisch Gmünd. Rund 20 000 Euro Miese hat der Tafelladen im vergangenen Jahr gemacht, sagte Bürgermeister Dr. Joachim Bläse im Sozialausschuss. Es kamen weniger Lebensmittelspenden, weil die Geschäfte mittlerweile Waren kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums mit Rabattaktionen verkauften, erklärte Tafelladenleiter Steffen Witzke: „Das ist nachvollziehbar, unsere Spender müssen selbst sparen.“ So kalkulierten Discounter und andere Läden genauer als noch vor ein paar Jahren. Den geringeren Spenden stehe eine größer werdende Kundschaft gegenüber. Auch durch Flüchtlinge, die aus der Erstaufnahme raus sind und nun in Gmünd leben, sagte Witzke. Wenige von ihnen verständen Englisch, kaum einer Deutsch. So komme es immer wieder zu Verständigungsproblemen, Regeln seien ausgehebelt. Regeln, an die sich die Stammkunden stets hatten halten müssen. Die Folge seien „heftige Situationen“, bei denen „wir auch mal dazwischen gehen müssen“, erzählte der Tafelladenleiter. Ältere Menschen trauten sich zum Teil nicht mehr in den Laden.
Doch die Tafel sei ein wichtiger Anker, der für alle Bedürftigen da sein müsse, meinte Sozialbürgermeister Bläse. 3300 Menschen besitzen derzeit Karten, die für den vergünstigten Einkauf in der Gmünder Tafel berechtigen. Mit Angehörigen profitieren rund 10 000 Menschen vom Tafelladen. Bläse appellierte dafür, den Laden als „wichtige Unterstützung für Bedürftige“ nun mit seinen Problemen nicht allein zu lassen. Und ihn konkret in drei Punkten zu unterstützen:

 Dem Tafelladen finanziell mit 12 000 Euro für die Miese von 2015 auszuhelfen.

 Mit dem Ziel, dass der Tafelladen wieder für alle nutzbar ist, helfen Bärbel Blaue und ihr Team von der Aktion Familie beim Amt für Familie und Soziales, eine Neukonzeption aufzustellen. Neue Öffnungszeiten, eine neue Form der Warenausgabe, vieles sei denkbar, sagt Witzke. Ein von der Aktion Familie für Ende Februar organisierter Besuch bei Tafelläden in Waiblingen und in Ludwigsburg bringe vielleicht weitere Ideen.

 Die Stadtverwaltung will dem Tafelladen zudem helfen, neue Spender und Helfer zu gewinnen. Er denke da unter anderem an Schulen, die Sozialpraktika anbieten, sagte Bürgermeister Bläse. Grünen-Stadträtin Gertraude von Streit signalisierte die Bereitschaft, selbst im Tafelladen auszuhelfen. Spenden könnten auch aus Schrebergärten oder von Vereinen kommen, meinte Stadträtin Dr. Dorothea Kosin (Freie Wähler Frauen) und nannte frisches Obst wie Äpfel als Beispiel.
Aus allen Fraktionen bekam der Tafelladen Lob für seine mitunter schwierige Arbeit. „Die Probleme werden nicht kleiner“, sagte CDU-Stadtrat Rolf Krummenauer. SPD-Stadträtin Brigitte Schoder bezweifelte, dass der Tafelladen künftig ohne Unterstützung klar kommt. Konkret, wenn es um eine stabile Personaldecke und um die Finanzierung von Miete und Nebenkosten für den Laden geht, werde die Stadt aushelfen müssen.
Linken-Stadtrat Sebastian Fritz warb für einen regelmäßigen Zuschuss – „für mehr Planungssicherheit“ im Tafelladen. Bläse meinte dazu, wenn der Gemeinderat beschließe, den Tafelladen nun mit 12 000 Euro zu unterstützen, werde er ihn in Zukunft bestimmt nicht hängen lassen. Ihm sei aber wichtig, dass der enge Kontakt zwischen der Stadtverwaltung und den Verantwortlichen im Tafelladen bestehen bleibe. Und der Laden nicht nur ein wiederkehrender Finanzposten im Haushalt werde.