Fahrradfahrer blockieren die Straßen

Foto: Jan-Philipp Strobel

Fahrradfreundlicher soll die Gmünder Innenstadt werden – dafür protestierten Fahrradfahrer zum zweiten Mal auf der „Critical Mass“. Rund 120 Fahrradfahrer schlossen sich der Protestfahrt am Freitagnachmittag an. Laut klingelnd fuhren die Teilnehmer vom Bahnhofvorplatz über die Remsstraße zum Glocke-Kreisel, über die Königsturmstraße und die Rektor-Klaus-Straße zurück zum Ausgangspunkt nehmen die Fahrradfahrer die Straßen für sich ein. Auf dem Weg schließen sich weitere Radfahrer an.

Zu dieser Aktion haben SPD, Grüne, Linke, BUND und der Lieferservice „Gmünder Radler“ aufgerufen.

Ziel der Aktion ist ein Gesamtkonzept für Radfahrer in der Gmünder Innenstadt. „Das Fahrradnetz ist in Schwäbisch Gmünd unzureichend und nicht mehr zeitgemäß“, sagt der Stadtrat der Linken, Sebastian Fritz. „Ich fahre selbst jeden Tag Rad und kämpfe mich durch die Stadt“, erzählt er.

Bei der zweiten „Critical Mass“ soll nicht nur auf die Fahrradfahrer, sondern auch auf Gefahrenstellen im Straßenverkehr aufmerksam gemacht werden. „Gefährliche Stellen für Fahrradfahrer gibt es überall in der Gmünder Innenstadt. Vor allem Kreuzungen und fehlende Querungshilfen macht es den Fahrradfahrern schwer“, sagt Fritz. Er wünscht sich, dass über die vorhandenen Verkehrsflächen diskutiert wird. Dabei sollten auch die Radfahrer berücksichtigt werden.

Das Fahrradnetz ist unzureichend und nicht mehr zeitgemäß.

Sebastian Fritz,
Stadtrat

Die leidenschaftliche Radfahrerin Katja Buryak nimmt zum ersten Mal an der Demo teil. „Ich hab mein Fahrrad bei jedem Wetter dabei und wünsche mir mehr Radwege“, sagt Buryak. Auch Jochen Hashagen schließt sich mit seinem E-Bike der Demonstration an. In Regencape und wasserdichter Hose erzählt er: „Hier in Schwäbisch Gmünd herrscht ein katastrophaler Zustand für Fahrradfahrer.“ Ebenfalls erhofft er sich durch solche Aktionen, dass nach und nach die Autos aus der Stadt kommen und mehr Fahrradwege in der Innenstadt entstehen.

Zur Feier der Entscheidung des Gemeinderates, den Turbo-Kreisel hier nicht zu realisieren, drehten die Radfahrer eine extra Runde um den Glocke-Kreisel. Der darf nun weiterhin von Fahrradfahrern genutzt werden.

Laut des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg haben zu Beginn des Jahres 2018 80 Prozent also rund 4,1 Millionen aller Haushalte in Baden-Württemberg ein oder mehrere Fahrräder zur Verfügung. Stadtrat Fritz ist daher überzeugt, dass, wenn es mehrere Radwege gäbe, auch viele auf das günstige und umweltfreundliche Verkehrsmittel umsteigen würden.

Rund 320 Teilnehmer protestierten bei der letzten „Critical Mass“ im September und machten auf sich aufmerksam. Getan hat sich bisher aber noch nichts. Ganz nach dem Motto „Wir stören nicht den Verkehr, wir sind Teil des Verkehrs“ soll alle vier Wochen eine weitere „Critical Mass“ stattfinden.

© Gmünder Tagespost 18.10.2019 18:32