Fahrrad als Verkehrsmittel begreifen

Bildschirmfoto 2016-04-27 um 22.09.56Jubiläum Der Arbeitskreis Mobilität und Verkehr startet ins Festjahr „200 Jahre Fahrrad“ mit konkreten Forderungen für Schwäbisch Gmünd auf dem Weg zur Fahrradstadt.

Die Stadt sollte die Radwege in Gmünd räumen, wenn Schnee liegt. Das fordern die Mitglieder des Arbeitskreises Mobilität und Verkehr. Unter anderem. Im Jubiläumsjahr 2017, in dem das Fahrrad seinen 200. Geburtstag feiert, haben die Mitglieder konkrete Vorstellungen, wie sich Gmünd zur Fahrradstadt weiterentwickeln sollte.

1.Wenn es schneit, sollten die benutzungspflichtigen Radwege und die Übergänge für Radfahrer geräumt sein. Benutzungspflichtig sind die Radwege, an denen ein rundes blaues Schild mit weißem Fahrrad steht. Wenn der Radfahrer runter von der Straße soll, dann müsse der Radweg geräumt sein, sagt Thomas Kaiser als Sprecher des Arbeitskreises. Alles andere sei unlogisch. Das Räumen sei eine Riesenherausforderung, entgegnet Stadtsprecher Markus Herrmann. Es gebe eine Prioritätenliste. Zuerst seien die Hauptverkehrsstraßen und gefährliche Steigungen dran. Erst dann kämen Straßen in Wohngebieten oder auch Radwege. Wie schnell wo geräumt werden könne, hänge von der Schneemenge ab, aber auch von der Verkehrsfrequenz. „Das sind Hunderte von Kilometern, über die wir sprechen“, sagt Herrmann.
2.Neben der Bundesstraße B 29 von Gmünd nach Aalen sollte ein Schnellradweg entstehen, wenn die Bundesstraße auf vier Spuren ausgebaut wird. Der Radweg dürfe nicht dem Straßenausbau geopfert werden, sagen die Arbeitskreis-Mitglieder. Kaiser: „Wir wollen ja eine Alternative zum Auto bieten.“
3.Langfristig spricht sich der Arbeitskreis für die Abschaffung separater Radwege aus. Stattdessen sollten Radfahrer sicher auf die Straße geführt werden – mit einem Fahrradschutzstreifen am Fahrbahnrand. Gefährlicher sei es für Radfahrer und Autofahrer, erklärt Arbeitskreis-Mitglied Volker Nick, wenn es einen Radweg gibt, dann der Radweg aufhört und der Radler sich wieder in den Straßenverkehr einordnen muss, bevor der nächste Radweg kurze Zeit später wieder beginnt.
4.Elektromobilität sei mit den E-Bikes weit vorangekommen. Es fehlten aber sichere Abstellmöglichkeiten – zum Beispiel abschließbare Boxen – am Bahnhof, vor Geschäften in Gmünd oder an öffentlichen Einrichtungen wie dem Rathaus.
5.Das Jubiläumsjahr soll laut Thomas Kaiser ein Ansporn sein, das Fahrrad als Verkehrsmittel zu begreifen. „Es wird noch immer nach Möglichkeiten gesucht, den Fahrradfahrer weg von den Autos zu bringen.“ Das sei falsch. Ein Gesamtkonzept müsse die Wünsche aller berücksichtigen. Dazu gehöre auch die Parkplatzproblematik und der öffentliche Personennahverkehr. Unlogische Regelungen müssten überdacht werden. Kaiser nennt als Beispiel die durchgezogene Linie auf der Königsturmstraße. Autofahrer dürften hier rein rechtlich keinen Fahrradfahrer überholen. Oder das Fahrverbot für Fahrradfahrer von Mutlangen nach Gmünd auf der Becherlehenstraße. Radler müssten hier die B 298 nutzen. „Als Familie mit Kindern würde ich das nicht unbedingt wollen“, sagt Kaiser.
6.Als ein positives Signal wertet Arbeitskreis-Mitglied Sebastian Fritz die Überlegung, im Rahmen einer Generalsanierung einen Radweg entlang der B 298 zwischen Mutlangen und Gmünd zu bauen. Dafür würde die dritte Fahrspur wegfallen. Es gab Gespräche mit Vertretern des Regierungspräsidiums Stuttgart. Der Vorschlag werde geprüft.
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© Gmünder Tagespost 02.01.2017 18:40
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