Eugen Hopfenzitz belegt: S 21 ist ein Immobilienprojekt Ehem. Stuttgarter Bahnhofsleiter ruft zum JA für das Ausstiegsgesetz auf

20. November 2011  Presse, Redaktion

Am Samstagabend erlebten die Besucher im überfüllten Saal der Sonne in Lorch ein denkwürdiges Feuerwerk an Informationen zum Thema S 21. Sachlich, kenntnisreich und immer mit einer Prise Humor gewürzt zeigte Eugen Hopfenzitz, der 14 Jahre Leiter des Stuttgarter Hbf‘s war, auf, was er als Eisenbahner vom geplanten S 21-Projekt hält: Gar nichts.

Zentraler Kritikpunkt ist für Eugen Hopfenzitz der mit S 21 geplante Rückbau von Bahnhofskapazitäten von bisher 17 auf 8 Gleise mit der Folge, dass Verspätungen an der Tagesordnung sein werden. In Spitzenzeiten könnten im neuen Bahnhof weniger, statt mehr Züge abgefertigt werden. Mit S 21 würde sich die schwäbische Landeshauptstadt einen Hauptbahnhof mit den Kapazitäten eines Vorortbahnhofs leisten. Z.B. habe heute schon der Vorstadtbahnhof Bad Cannstatt einen Bahnsteig mehr, als für den neuen teuren S 21-Bahnhof geplant.Zunächst ging Hopfenzitz jedoch auf die Geschichte des Projektes ein. Heinz Dürr habe als Vorstandvorsitzender der Bahn Anfang der 90er Jahre die Idee gehabt, in 23 deutschen Städten die Bahnhöfe unter die Erde zu legen, um am oberirdischen Grundstücksverkauf für die Bahn Geld zu verdienen. Diese Idee sei überall sonst im Laufe der Jahre verworfen worden, weil sie verkehrstechnisch keinen Sinn machte. Nur in Stuttgart waren die Interessenverflechtungen von Politik und beteiligten Wirtschaftsunternehmen stark genug, das Freiräumen der Gleisflächen und deren Nutzung für den Immobilienmarkt durchzusetzen. Hopfenzitz machte dies am Beispiel der Hamburger Immobilienfirma ECE deutlich, die einen großen Teil des freiwerdenden Geländes bebauen wird. In der Phase der Entscheidungsfindung waren im Firmenbeirat von ECE OB Schuster, die damalige Verkehrsministerin Gönner und Friederike Beyer, Lebensgefährtin von Günter Oettinger, vertreten.

Eugen Hopfenzitz erläuterte was dem Bahnkunden mit dem Tiefbahnhof zugemutet werden wird, um die Grundstücke des bisherigen Gleisvorfeldes für die Immobilienvermarktung frei zu räumen. Morgens im Berufsverkehr, in der Stunde von 7.00 bis 8.00 Uhr, wird es mindestens zu 13 Doppelbelegungen der Gleise mit jeweils zwei Zügen kommen. Doppelbelegung heißt, dass zwei Züge hintereinander auf dem gleichen Gleis stehen. Für die Remsbahn bedeutet dies, dass auch im Berufsverkehr höchstens 5 Wagons einen Zug bilden und damit die Platzzahl eingeschränkt werden wird. Zeitweise werde es dazu kommen, dass sich gleichzeitig 2000 Reisende auf engsten Bahnsteigen bewegen müssen. Bei einfahrenden Zügen sei die geplante 124 cm verbleibende Bahnsteigbreite unzumutbar. Eine Einmaligkeit des neuen Stuttgarter Bahnhofs erläuterte Hopfenzitz ausführlich: Er wird das Gefälle einer Gebirgsbahn haben. Gleise und Bahnsteige werden von einem Bahnsteigende zum anderen 6 m Höhenunterschied aufweisen. Die Reisenden werden also auf einer schiefen Ebene ankommen, was zu gefährlichen Situationen wie sich selbständig machenden Koffern oder Kinderwagen führen kann. Das im Tiefbahnhof geplante Gefälle sei sechs Mal größer als erlaubt. Die hierfür notwendige Sondergenehmigung habe Verkehrsminister Ramsauer erteilt, nachdem die fachlich zuständige Behörde sie zuvor verweigert habe.

Zum Schluss machte Eugen Hopfenzitz an zahlreichen Beispielen deutlich, dass der neue Bahnhof ein Bahnhof der verpassten Anschlüsse und der langen Wartezeiten sein wird. Denn anders als im jetzigen werde im neuen Bahnhof keine Zeit sein, ein oder zwei Minuten auf einen Anschlusszug zu warten, weil die Gleiskapazitäten sofort wieder für den nächsten Zug gebraucht würden und die Abfertigungszeiten nur minimal bemessen sind. Für ankommende Züge der Remsbahn seien etliche Umsteigezeiten mit nur 1 Min. vorgesehen oder die Züge werden so getaktet sein, dass weiterführende Anschlüsse 2 oder 3 Minuten zuvor bereits abgefahren sind und dadurch große Wartezeiten für die Reisenden entstehen.

Als Fazit konnte Eugen Hopfenzitz die Bürger nur aufrufen, das Immobilienprojekt S 21 in letzter Minute zu stoppen und am kommenden Sonntag mit JA zum Ausstiegsgesetz zu stimmen.