Essen zum Mitnehmen in Geschirr zum Wiederbringen?

Die Maultaschen in der Brühe oder den Cappuccino zum Mitnehmen – aber in Geschirr, wie es der Kunde selbst mitgebracht hat? Das könnte bald in Gmünd, Mutlangen und Waldstetten möglich sein und damit Verpackungsmüll einsparen. Die Stadtverwaltung informierte den Verwaltungsausschuss über den Stand des Vorhabens, ein System mit Mehrwegbehältern für Essen zum Mitnehmen (englisch: to go) einzuführen.

Laura Ehinger von der städtischen Wirtschaftsförderung zeigte den Stadträten die Umweltverschmutzung durch Verpackungsmüll auf und schilderte das Mehrwegsystem, mit dem die Stadt Gmünd sowie die Gemeinden Mutlangen und Waldstetten dies eindämmen wollen: Die Touristik und Marketing GmbH (T+M) würde wiederverwendbare Mehrwegbehältnisse aus Plastik eines Stuttgarter Herstellers bestellen. Und den teilnehmenden Gastronomen für eine einjährige Testphase kostenfrei zur Verfügung stellen. Entscheidet sich der Kunde für ein Gericht oder Getränk im Mehrweggeschirr, bezahlt er dafür Pfand. Dafür kann er dieses Geschirr bei jedem teilnehmenden Gastronomen oder Einzelhändler wieder zurückgeben. Der Gastronom spült und setzt es wieder ein. Die Gastronomen hätten den Vorteil, Einwegverpackungen und Müll zu sparen und zudem einen Werbeeffekt.

Plastik einsetzen, um Plastik zu vermeiden? Der Mehrweg macht’s, sagte Markus Herrmann, Geschäftsführer der T+M. Auch eine Plastiktüte könne ökologisch sinnvoll sein, wenn sie mehrfach benutzt wird. Im Raum Stuttgart funktioniere das System, bei dessen Auswahl die Inhaberin des Geschäfts „unverpackt GD“, Stephanie Adler, maßgeblich dabei war, bereits. Die Teilnahme stehe allen Gemeinden offen. Nach Heubach und Lorch gebe es bereits Kontakte, Waldstetten und Mutlangen haben ihre Teilnahme zugesagt. Das bestätigte die Mutlanger Bürgermeisterin Stephanie Eßwein, auch für ihren Waldstetter Kollegen Michael Rembold. Mutlangen habe viel Gastronomie und viele Schüler, die mittags mit To-Go-Portionen unterwegs seien.

„Die Einführung macht Sinn“, meinte CDU-Stadtrat Hannes Barth, selbst Gastronom. Allerdings könnten Kollegen Probleme mit dem Platz bekommen. Wolfgang Greil signalisierte die Zustimmung der SPD. Gut wäre es allerdings, Fast-Food-Konzerne wie McDonalds ins Boot zu bekommen – darauf machte Markus Herrmann wenig Hoffnung.

Der Mehrweg macht’s.

Markus Herrmann,
T+M-Geschäftsführer

„Tolles Projekt“, lobte Grünen-Sprecher Gabriel Baum. Auf seine Nachfrage sagte Herrmann, dass man mit Kosten von rund 5000 Euro rechnen könne, wenn das Projekt mit zwölf Gastronomen, Bäckern oder Metzgern starte. Sehr konkret seien Gespräche bereits mit der Bäckerei Bührs und dem Maultäschle. Auch Asia-Imbisse hätten Interesse angemeldet.

Angesichts der Mengen an Verpackungsmüll sei es sinnvoll für den städtischen Kämmerer, über eine kommunale Verpackungssteuer nachzudenken, regte Brigitte Abele (BL) an. Auf Frage von Karin Rauscher (FWF) sprach Herrmann von einem Pfand in der Größenordnung von fünf Euro. Sebastian Fritz (Linke) sah ebenfalls eine „ganz tolle Sache“.

Mahnende Worte kamen von Christian Baron (CDU): Die Energiebilanz solle kritischer hinterfragt werden. Die sei zum Beispiel bei Stofftaschen „verheerend“. Außerdem müssten die hohen Standards der Lebensmittelhygiene eingehalten werden.: „Ein Virus in den Verpackungen, dann haben wir ein großes Problem.“

© Gmünder Tagespost 08.05.2019 20:39