Erste Wahl ist die Sanierung

Macht den Wald nicht kalt“, setzte sich die Bürgerinitiative (BI) Taubental am Samstagvormittag mit einer Kundgebung auf dem Johannisplatz für den Erhalt des Taubentalwaldes ein. Konkret geht es um das Bauvorhaben des Schönblicks, der auf dem Areal seines Waldkindergartens ein neues Pflegeheim bauen möchte. Rund 200 Bäume eines Mischwaldes müssten dafür weichen. Wie sehr der Umgang mit der Natur die Gemüter derzeit erhitzt, zeigte die große Resonanz: Rund 150 Menschen ließen sich mobilisieren und folgten den Ausführungen der Redner, die immer wieder Zwischenapplaus ernteten. Für die passende Begleitmusik „Mein Freund, der Baum, ist tot“ sorgten Wolfgang Mathias, Günther Reger und Harald Schmadlack.

Moderator Jo Frühwirth betonte, dass nicht der Bau eines Pflegeheimes verhindert werden soll, vielmehr sei die BI an einer guten Lösung für den Wald und das Pflegeheim interessiert. Sehr gelobt wurde das christliche Gästezentrum, dass mit Dachbegrünung, Photovoltaik und schönen Anlagen sehr umweltbewusst agiere. Nicht nur dies: „Dass eine Einrichtung ihr Gemüse selber produziert, wo gibt es dies“, zollte Gärtnermeister Jakob Hokema Respekt. Dies seien absolut gute Ansätze. Realisierte der Schönblick das Bauvorhaben, würde er diese gute Linie verlassen.

Einer der fünf Redner der Kundgebung war Gerhard Frey, Sprecher der BI. Er erklärte, man beobachte schon länger, dass immer mehr vom Taubentalwald abgezwackt werden soll. Weil man in Zukunft vermehrt mit extremen Wetterverhältnissen wie Starkregen mit Überschwemmungen und Hitze rechnen muss, dürfe man die Situation durch weitere Versiegelung von Waldflächen nicht verschlimmern. Auch er wies auf die Parkplätze des Schönblicks hin. Hokema meinte, man brauche sie bei den derzeitigen Mobilitätskonzepten mit platzfressendem Individualverkehr, doch die Zeichen der Zeit weisen in eine andere Richtung: „Was in zehn Jahren ist, wird nicht mitgedacht.“

Wir haben schon so viel zerstört.

Prof. Dr. Andreas Benk,
Linke-Stadtrat

Frühwirth zitierte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner: „Wenn wir Teile unseres Waldes verlieren, dann werden wir diesen Verlust nur schwer mit anderen Klimaschutzmaßnahmen kompensieren können.“ Das eine tun, das andere nicht lassen – der Moderator nannte es schizophren, dass OB Richard Arnold demnächst in Weiler in den Bergen zusammen mit Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch 6000 Eichen, Hainbuchen und Wildobstpflanzen setzen will. Wichtiger sei der Erhalt und Schutz des Bestehenden.

Es gehe um mehr als die Bäume im Taubental, forderte Hokema eine Umkehr. Er beobachte seit 20 Jahren die Auswirkungen des Klimawandels. Im Kampf gegen diese Bedrohung sei der Wald der wichtigste Verbündete, weil er für Frischluft sorge, Kohlendioxid langfristig binde und auch Fein- und Schadstoffe aufnehme. Außerdem wirke er temperatursenkend, weil Bäume Luftfeuchtigkeit abgeben, und er sei für den Wasserhaushalt wichtig. Dass er darüber hinaus Kraftquelle ist und der Seele gut tut, verdeutlichte Franz Sickert. Er stellte fest, dass das Taubental vor zehn Jahren noch vitaler gewesen sei. „Er soll nicht noch mehr reduziert werden.“ Auch SPD-Stadtrat Tim-Luka Schwab, der sich bei „Fridays for future“ engagiert, unterstützte die Kundgebung und warnte davor, das Soziale gegen das Ökologische auszuspielen.

„Wir haben schon so viel zerstört.“ Heute sei „retten, was zu retten ist“, angesagt, sprach sich Linke-Stadtrat Prof. Dr. Andreas Benk für eine Alternative aus. Die erste Wahl sei die Sanierung des derzeitigen Pflegeheims. Er deutete an, dass die Einzelzimmervorgabe der Landesheimbauverordnung eventuell umgangen werden kann. Sie führt dazu, dass der Schönblick das erst 1999 gebaute Pflegeheim in der Art nicht mehr betreiben kann. „Wie brauchen gute Pflegeheime“, hofft Benk auf eine nachhaltige Lösung, zumal die Altpietisten für ihre Einrichtung beste Bewertungen bekommen.

© Gmünder Tagespost 21.09.2019 17:43