Endgültig: Der Glockekreisel wird nicht zum Turbo

Der Glockekreisel wird nicht zum Turbokreisverkehr ausgebaut. Das hat der Gemeinderat am Mittwoch mit 26 zu 20 Stimmen beschlossen. Die Mehrheit der Stadträte bemängelte vor allem, dass ein solcher Ausbau einseitig den motorisierten Individualverkehr fördern würde.

Der Leiter des Tiefbauamts, Jupp Jünger, hatte nochmals den Ist-Zustand geschildert. Vor allem in Spitzenzeiten komme es zu Rückstaus in die Königsturmstraße und die Oberbettringer Straße. Ein Turbokreisel würde diese Rückstaus reduzieren. Trotzdem schlage die Verwaltung diesen Schritt nicht vor, da Radler dann den Kreisel nicht mehr benutzen dürften. Auch ein Vorschlag des Arbeitskreises Mobilität und Verkehr, die Ausfahrt aus dem Kreisel in die Baldungstraße, also in Richtung Norden, auf zwei Spuren zu erweitern, sei nach Meinung des dazu befragten Verkehrsbüros Kölz nicht zielführend.

Der mögliche Ausbau des Kreisels hängt zusammen mit dem Ausbau der westlichen Buchstraße. In diesem Zusammenhang wiederum plant die Verwaltung die Anlage einer Querung der Oberbettringer Straße für Radfahrer auf Höhe der Wilhelmstraße. Und um diese Teilmaßnahme in den Förderantrag aufnehmen zu können, müsse Klarheit über die Zukunft des Glockekreisels her, mahnte OB Richard Arnold.

Die CDU-Fraktion unterstützt den Ausbau des Kreisels zum Turbo. Das verbessere die Situation für alle Verkehrsteilnehmer, meinte CDU-Stadtrat Thomas kaiser. Für Radfahrer sei eine eigene Radfahrstraße von der West- bis in die Oststadt möglich. Abgesehen davon seien bei Regen ohnehin kaum Radler in der Stadt unterwegs. Kaisers Fraktionskollege Christoph Preiß sah „die gleichen Bedenkenträger wie bei Pfitzer- und Baldungkreisel“ am Werk.

Grüne-Stadtrat Karl Miller sah andere Kreisel im Stadtgebiet, zum Beispiel im Zuge der Rektor-Klaus-Straße, als vordringlich an. Zudem wäre es falsch, „Radfahrer an den Rand zu drängen“. Auch die Unterführung unter dem Glockekreisel, durch viele Radler bislang dort rollen, sei nicht mehr ausreichend. Seiner Ansicht nach sollten Radfahrer und Fußgänger in diesem Bereich oberirdisch geführt werden. Für Radfahrer müsse endlich ein ganzes Wegenetz eingerichtet werden.

Massiv schlechter

Stadtrat Tim-Luka Schwab
über den Turbokreisel für Radfahrer

Auch die SPD stimmte gegen den Turbokreisel. Der würde Autofahrern zwar helfen, wäre aber „massiv schlechter“ für Radfahrer, so SPD-Stadtrat Tim-Luka Schwab.

Ganz ähnlich war die Meinung der Linken: Der Ausbau zum Turbokreisel würden den Innenstadt-Verkehr wieder nur für ein paar Jahre entlasten – allerdings nur den motorisierten Verkehr, sagte Fraktionsvorsitzender Sebastian Fritz. Seiner Ansicht nach müsse das Thema Verkehrsführung insgesamt diskutiert werden. Auch Karin rauscher (FWF) sieht in einem Turbo-Glockekreisel eine einseitige Verbesserung für den Autoverkehr, zudem würde mehr Verkehr in die Buchstraße gelenkt. BL-Sprecher Ullrich Dombrowski lehnte den Ausbauplan ebenso ab. Wie Karin Rauscher sprach er sich allerdings dafür aus, den Vorschlag einer zweispurigen Ausfahrt in die Baldungstraße nochmals zu untersuchen.

Für Buchstraße-West

Einstimmig unterstützte der Gemeinderat dagegen den Vorschlag der Verwaltung, die Planungen für den Ausbau der westlichen Buchstraße weiterzutreiben, und in diesem Zusammenhang die Anlage einer Querung für Radler auf Höhe der Wilhelmstraße. Wenn die Fördergelder wie erwartet fließen, könnte diese Baumaßnahme im Frühjahr 2021 beginnen.

© Gmünder Tagespost 02.10.2019 20:02