Eltern klagen über hohe Kitagebühren

Beherrschendes Thema in der gestrigen Sitzung des Verwaltungsausschusses des Gemeinderats war die zunehmende Klage von Eltern über vergleichsweise hohe Kindergartengebühren in Gmünd. Elternsprecherin Dr. Elena Hoffman hinterfragte dies nicht nur, sondern trug konstruktiv Ideen vor, um Stadtverwaltung und Gemeinderat aus dem Dilemma zu helfen.

SCHWÄBISCH GMÜND (hs). Zahlreiche Mütter und Väter füllten die Zuhörerrei- he. Bürgermeister Dr. Joachim Bläse und Sprecher aller Fraktionen dankten und begrüßten die Elterninitiative. Diese bil- det den Impuls, dass nun ein Gesamtelternbeirat aus der Taufe gehoben wird, der zukünftig bei Beratungen und Entscheidungen in Sachen Gmünder Kita- Politik einbezogen werden soll. Stadträtin Sigrid Heusel (SPD) schlug sogar einen Runden Tisch vor, denn das Thema sei wichtig. „Kinder sind unserer Zu- kunft“.

Dr. Joachim Bläse und der zuständige Amtsleiter Klaus Arnholdt gaben zunächst ausführlich Einblick in Entwicklung und Finanzierung des Kinderbetreuungssektors. 2500 Jungen und Mädchen besuchen derzeit die 56 Krippen (U3) und Kindergärten in Gmünd. Die Stadt betreibt 13 Einrichtungen, die anderen be- finden sich in Trägerschaft der Kirchen und von anderen Institutionen. Rund 20 Millionen Euro pro Jahr betrage der Ge- samtetat, der in den letzten Jahren enorm gewachsen sei – durch den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz, besonders aber aufgrund des allgemeinen gesellschaftlichen Wandels. Noch vor 20 Jahren, so verdeutlichte Bürgermeister Dr. Bläse, habe es in Gmünd ganze zehn U3-Betreuungsplätze gegeben. Es sei zwar viel erreicht worden, doch der Bedarf werde noch weiter wachsen. Bläse: „Wir als Kommune könne diesen Wandel alleine nicht mehr tragen.“ Derzeit trage die Stadt den Löwenanteil an den Betriebskosten. 30 Prozent steuere das Land bei. Auch die freien Träger engagierten sich. 14 Prozent betrage derzeit der Anteil, die mit den Elternbeiträgen finanziert werden, obwohl die Empfehlung des Landes der Stadt einen Korridor bei der Gebührenbemessung bis zu einer Finanzierung eines 25-prozentigen Anteils lassen würde. Bürgermeister Dr. Joachim Bläse äußerte Verständnis für Kritik und Enttäuschung vieler Eltern angesichts kompletter Gebührenfreiheit in anderen Bundesländern und Kommunen. Der Blick richte sich deswegen auch auf die bevorstehende Landtagswahl und Frage, inwieweit sich auch Baden-Württemberg für eine Gebührenfreiheit entscheide oder zumindest die Kommunen stärker als bislang in der Kinderbetreuung unterstütze. Im Augenblick, so brachte Bläse zum Ausdruck, könne sich die Stadt Gmünd Gebührenfreiheit oder -senkungen nicht leisten. Das Ganze werde zentrales Thema bei der anstehenden Haushaltsberatung. Er warnte vor finanziellen Einschnitten, denn letztendlich gehe es ja auch um die Qualität der Kinderbetreuung. Elternsprecherin Dr. Elena Hoffmann hielt den Stadträtinnen und Stadt- räten vor Augen, dass es für Familien mit mittleren und geringen Einkommen alles andere als einfach sei, pro Monat rund 650 Euro für einen Krippenplatz aufzubringen, um damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gewährleisten. Kritisch werde verglichen und hinterfragt sowie die Frage nach der Gerechtigkeit gestellt, wenn ein solcher Platz beispielsweise in Mutlangen lediglich 450 Euro oder in Stuttgart gar nur 240 Euro im Mo- nat koste. Die Elternsprecherin brachte Ideen für eventuelle Kostensenkungen ein. So größere Flexibilität und Individualität für die Wahrnehmung von Betreuungsstunden oder -tagen. Auch regte sie ein Aufbrechen der Grenzen zwischen U3- und Ü3-Gruppen an. Ihre eindringliche Bitte: Keine so massiven Gebührensteigerungen mehr wie in den letzten Jahren. Dr. Elena Hoffmann appellierte auch an die Politik, die Familien stärker zu för- dern, sie von solchen Gebühren zu befreien und damit die gesamtgesellschaftliche Leistungen der Eltern zu würdigen. Denn die Kinder seien doch die Steuerzahler und Rentensicherer von morgen. „Volle Übereinstimmung“ gab es zu diesen Worten von Bürgermeister Dr. Bläse, der wiederholt auf die finanzielle Verantwortung von Bund und Land deutete.

„Es darf nicht passieren, dass ein Kind aus Kostengründen erst mit Eintritt in die Grundschule mit Bildung in Berührung kommt“, betonte Stadtrat Sebastian Fritz (Die Linke). Gleichlautend auch die Position der anderen Fraktionssprecher, die sich auf den Fortsetzung des konstruktiven Dialogs mit den Eltern freuen.