Einstimmiges Votum in Rehnenhof/​Wetzgau für den Landschaftspark. Verkehrszählung: Im Schnitt 7512 Fahrzeuge pro Tag

Sebastian FritzEinstimmig war der Ortschaftsrat Rehnenhof/​Wetzgau am Freitag Abend bereit, die Planungen für den Landschaftspark „vom Grundsatz her mitzutragen“ – unter der Voraussetzung, dass er zu Abweichungen gehört wird.

GMÜND-​REHNEHOF/​WETZGAU (bt). Der Tagesordnungspunkt wurde fast versöhnlich abgeschlossen. Mit dem Wunsch des Ortsvorstehers, die Bürgeriniative möge irgendwann den Landschaftspark akzeptieren, vielleicht sogar in irgend einer Form mitmachen – als ganz junge Entwicklung nannte Johannes Weiß hier, dass der Forstpavillon unter der Leitung der EULE dauerhaft als „Klassenzimmer im Grünen“ genutzt werden könne, mit Lehrkräften wie den Imkern, den Gartenbauern, den Streuobst-​Leuten. Zuvor hatten einige Ortschaftsräte deutlich gemacht, dass die Bürgerinitiative wichtig war, um alle Aspekte der künftigen Nutzung zu berücksichtigen. Zur geforderten Vertagung hieß es, die Landesgartenschau könne nur noch beschränkte Zeit in Gmünd Arbeiten bewältigen und finanzieren. LGS und Stadtverwaltung brauchten Planungssicherheit, und vor allem wolle man den Landschaftspark für 2015 – möglichst Ende April, Anfang Mai — vorzeigbar herrichten, und dazu müsse man „in die Gänge kommen“. Seit Oktober treffe sich eine zehn– bis 15-​köpfige Steuerungsgruppe wöchentlich, um die Nachnutzung weiter zu entwickeln, zu überlegen, was finanzierbar ist, dem Ortsteil zuzumuten, welche Parkmöglichkeiten gebraucht werden oder wie Verkehrssicherheit herzustellen ist. Der Ortschaftsrat sei mehrfach umfassend informiert worden und es habe eine Bürgerversammlung gegeben: „Das ist heute sehr wohl der richtige Zeitpunkt.“ Die Belange der Bürgerinitiative seien „von Anfang an in die Waagschale“ geworfen worden – etwa beim Vorschlag, die Tore auszuhängen, oder die Zäune mit Feldheckenpflanzungen unsichtbar zu machen und obendrein ökologisch Wertvolles zu schaffen.
„Unseriöses Gebaren“ der
Bürgerinitiative beklagt
Zunächst aber richtete Ortsvorsteher Weiß durchaus kritische Worte an die Bürgerinitiative. „Bleiben Sie bei der Wahrheit.“ So sei immer wieder die Zahl von 15 000 Fahrzeugen genannt worden, die täglich durch Wetzgau fahren. Selbst im schlimmsten Jahr des Tunnelbaus seien es nicht mehr als 12 500 gewesen. Die Zwischenbilanz nach der ersten Hälfte der Verkehrszählung – gestern Mittag beendet – zeige nun nach genau einer Woche ein Verkehrsaufkommen von durchschnittlich 7512 pro Tag, davon weniger als hundert Lkw. Damit könne Rehnenhof/​Wetzgau sogar rausfallen aus dem Lärmaktionsplan; für die Aufnahme sei ein Minimum von 8000 Fahrzeugen notwendig: „Wir müssen aufpassen, dass damit nicht Maßnahmen wie die Lärmschutzwand Wetzgau-​West gestrichen werden.“ Unter „unseriös“ fällt für ihn auch, dass er von einer älteren Dame angesprochen worden sei, die ihre Unterschrift zurücknehmen wollte – man habe ihr erzählt, von Frühjahr bis in den Herbst hinein werde es jedes Wochenende Radau geben. Burkhard Wenzel erinnerte an zehn öffentliche Sitzungen, in denen der Ortschaftsrat unter anderem darum gekämpft habe, die Infrastruktur für die Bühne fest zu installieren. Er sei dafür, die Tore nachts zu schließen – die Vandalismusgefahr sei einfach zu groß. Auch Stadträtin Susanne Lutz fürchtete Gelage am Wasserspielplatz und anderes mehr, sollten die Tore immer geöffnet sein. Im Folgenden sprachen sich mit der Ausnahme von Stadtrat Sebastian Fritz alle Rederinnen und Redner dafür aus, die Tore nicht auszuhängen – sollte es nachts Schwierigkeiten geben, könne man dann schnell reagieren. Fritz meinte, der Weg vom Rehnenhof zum Friedhof dürfe nicht der Angst vor Vandalismus zum Opfer fallen, aber ihm wurde bedeutet, dass nachts niemand zum Friedhof gehe. Susanne Lutz zeigte sich überrascht vom Ergebnis der Verkehrszählung und vermutete viel Quell– und Zielverkehr. Wichtig war für sie die ÖPNV–Nutzung, die sich auch für Besucher anbiete, die ja wüssten, wie mit Zug und Bus auf’s ehemalige Gartenschaugelände zu kommen sei. Der „kleine Umweg“ ums Weleda Gelände sei zumutbar, ebenso die Veranstaltungen, wie sie jetzt geplant sind: „Da werden bewusst Ängste geschürt.“ Dass etwa der Skypark bleibe, sei von Anfang an geplant gewesen.
Zum Thema Weleda, die sich mit dem „Park der ökologischen Vielfalt“ zu Gmünd bekenne, ergänzte Johannes Weiß, wenn von einer solchen Firma, die mittlerweile wieder eine der besten Gewerbesteuerzahlerinnen sei, ein solches Anliegen komme, „dann machen wir das mit allen Konsequenzen“. Vor allem wenn die Alternative hochwertiger gestaltet sei. Es sei wichtig, dass Gmünd an Attraktivität gewinne – die Stadt habe heute einen ganz anderen Stellenwert, sie sei aber auch hochverschuldet: „Die Attraktivität für Familien, Gewerbe, Besucher muss gehalten werden“; man möge bitte über den Kirchturm hinausschauen.
Stefan Preiß freute sich über das Ergebnis der Verkehrszählung und zeigte sich „begeistert“ darüber, dass der Park auf Dauer attraktives Naherholungsgebiet sei: „Das bleibt für Generationen.“ Gmünd sei bislang nicht präsent gewesen im Großraum Stuttgart. Nicht ganz so enthusiastisch meinte Otto Steeb zum Beschlussvorschlag: „Damit kann ich leben.“ Er legte Wert darauf, dass die Verkehr– und Parkprobleme zufriedenstellend gelöst werden. Gerhard Schwemmle meinte, nicht der Landschaftspark sorge für Verkehrsprobleme. Die Feldhecken an den Zäunen konnte er nur empfehlen: Am Schönblick habe sich das wunderbar bewährt. Sebastian Fritz, nicht stimmberechtigt im Ortschaftsrat, verwahrte sich gegen die Kritik an der BI. Viele hätten sich in den Nachnutzungsplänen nicht wiedergefunden, und diese Pläne hätten zunächst ganz anders ausgesehen: „Die Bürgerinitiative war wichtig.“

Rems Zeitung, 14.02.2015