Ein Noteingang für sofortige Hilfe

15. September 2018  Presse, Redaktion, Sebastian Fritz

Der Begriff Notausgang ist geläufig – aber Noteingang? Wer das schon an den Schaufenstern verschiedener Geschäfte oder Gaststätten in der Gmünder Innenstadt gelesen hat, hat sich mit Sicherheit gefragt, was es zu bedeuten hat.

SCHWÄBISCH GMÜND. In einem Satz: Wer Hilfe braucht, darf hier einfach eintreten, und sich helfen lassen. Die Aktion „Noteingang“ ist eine Idee des Stadtjugendring und der Jugendkulturinitiative. Inzwischen haben sich der Handels- und Gewerbeverein, die AOK und die Stadt, konkret die Aktion „Sicheres Schwäbisch Gmünd“, damit befasst und unterstützen sie.

Der Vorsitzende des Stadtjugendrings Sebastian Fritz erklärte im rahmen eines Pressegesprächs am Freitag die Hintergründe: „Es geht nicht darum, den Anschein zu erwecken, dass Gmünd eine un- sichere Stadt ist. Vielmehr wollen der Stadtjugendring und die Jugendkulturinitiative die Menschen für das Thema sensibilisieren.“ Gemeint ist, sowohl, dafür zu sensibilisieren, dass es selbstverständlich ist zu helfen, als auch geholfen zu bekommen. Nicht in jedem Notfall gehe es um eine Bedrohung, erklärt Fritz. Es handle sich um ein niederschwelliges Angebot, das auch dann greife, wenn es jemanden schlecht geht, er ein Glas Wasser oder auch nur eine Sitzgelegenheit braucht.“ Der Aufkleber „Noteingang“ signalisiere, dass hier die Möglichkeit besteht Hilfe zu bekommen. Die Aktion solle auch alle Bürgerinnen und Bürger dafür sensibilisieren Zivilcourage zu zeigen, wenn ein Mensch in eine Notsituation gerät.

Natürlich soll Menschen, die sich bedroht fühlen – sei es ein sexistischer Übergriff, ein rassistischer Hintergrund, oder Fälle von Diskriminierung in jedweder Form – mit dem „Noteingang“ auch signalisiert werden, dass er hier aus der Gefahr entkommen kann.

Lara Schubert von der Jugendkulturinitiative stellt fest, dass das Projekt inhaltlich von der Juki gestaltet wurde. „Es ist uns eine Herzensangelegenheit. Wir legen auch im Esperanza großen Wert auf soziales Verhalten, auf Selbstbestimmung und Teilhabe und darauf, Verantwortung für andere zu übernehmen.“ In Gesprächen mit vielen Jugendlichen sei klar geworden, dass die Aktion „Noteingang“ eine sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Angeboten in der Stadt sei.

Auch Bürgermeister Dr. Joachim Bläse,stimmte in Namen der Aktion „Sicheres Gmünd“ zu. Er sei der Aktion zunächst skeptisch gegenüber gestanden, da er der Meinung ist, Gmünd sei sicher. Aber als zusätzliches Angebot, und um den Bürgern ein noch größeres Gefühl der Sicherheit zu vermitteln, sei es eine gute Sache. Überzeugt habe ihn die Tatsache, dass hier viele Menschen ihre Bereitschaft zu helfen zeigen. „Es geht darum, dass einer für den anderen da ist.“

Dr. Christof Morawitz, Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins sieht die Teilnahme vieler HGV-Betriebe als zusätzlichen Punkt einer Servicekultur. Aber die bisherigen Teilnehmerliste könne nur der Anfang sein. Er ist sich sicher: „Die Aktion wird gut sein für die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt. Und je mehr Geschäfte und Gaststätten mitma- chen, um so besser.“

Michael Svoboda, stellvertretender Geschäftsführer der AOK in Schwäbisch Gmünd, betonte: „Wir waren von Anfang an überzeugt. Deshalb ist die AOK auch dabei.“ So solle das Signal nach außen gesetzt werden „Hier findet man Unterstützung.“ Wie Christof Morawitz erklärte er, dass es schon jetzt eher Menschen sind, die ein Glas Wasser brauchen, oder sich schwach fühlen, die die Geschäftsräume betreten und um Hilfe bitten, als Menschen, die einer Bedrohung entkommen wollen. Aber er sehe es auch als Signal in einer politischen Richtung, angesichts der jüngsten Ereignisse.

Sybille Bruckner-Schmidt von der ebenfalls beteiligten Stadtbibliothek kennt Situationen, in denen Menschen – auch Kinder – mit Verletzungen hereinkommen und um Hilfe bitten. „Wir haben zum Beispiel immer ein Coldpack für solche Fälle parat.“ Aber der Spitalinnenhof sei auch stellenweise ein Brennpunkt. Deshalb sei das Angebot „Noteingang“ hier wichtig.

Birgit Schmid, Geschäftsführerin des Stadtjugendrings ergänzt zur Aktion „Noteingang“: „Wir organisieren für die, die teilnehmen, auch freiwillige Schulungen, in denen sie lernen, mit den unterschiedlichen Situationen umzugehen. Das Handwerkszeug kann, wer das möchte, von uns bekommen.“

Dass die Hilfe für Menschen, die aus welchem Grund auch immer, in Not sind, eine Selbstverständlichkeit ist, betonen alle Beteiligten. Die Aktion „Noteingang“ soll das nochmals deutlich machen. Es geht um das Miteinander aller Menschen in der Stadt. So sagt Christof Morawitz: „Wegschauen geht nicht.“.

Unternehmen, die während ihrer Öff- nungszeiten einen Noteingang zur Verfügung stellen möchten, können sich an den Stadtjugendring wenden.

© Rems Zeitung, 15.09.2018