Drei Ortschaftsräte der Gmünder „Nordschiene“ diskutierten Verkehrsfragen

Sebastian FritzNach der Tunneleröffnung sei das Verkehrsaufkommen auf der Nordschiene zwischen Lindach, Rehnenhof-​Wetzgau und Großdeinbach für kurze Zeit signifikant zurückgegangen – um dann noch weit vor Gartenschau-​Beginn wieder auf das vorherige Maß anzusteigen. Diese Beobachtung schilderten mehrere Mitglieder der betroffenen drei Ortschaftsräte, die sich gestern Abend zur gemeinsamen Sitzung in Großdeinbach trafen.

SCHWÄBISCH GMÜND (ml). Genau da kämen die Stadtteil-​Vertreter gerne wieder hin, und sie haben manche Idee, wie das gehen könnte. Allerdings musste Erster Bürgermeister Joachim Bläse als Verkehrsdezernent den einen oder anderen Zahn aus juristischen Gründen auch gleich wieder ziehen. Einig war man sich, dass nicht „einer dem anderen den Verkehr zuschieben könne“, wie der Initiator der gemeinsamen Sitzung, Ortsvorsteher Johannes Weiß, betonte. Dass der zunächst so angenehm zurückgegangene Durchgangsverkehr wieder zugenommen hat, führte Annemarie Thamm (Lindach) darauf zurück, dass an Anfang alle begierig gewesen seien, den Tunnel auszuprobieren, dann aber wieder in die alten Gewohnheiten zurückgefallen seien. Und das ist absoluter Unsinn, wie Johannes Weiß erklärte. Mit zwei Fahrzeugen seiner Umzugsfirma habe man die Sache auf dem Weg nach Stuttgart zehnmal getestet: Man sei beim REWE–Markt in die beiden Richtungen losgefahren: Durch den Ort und Großdeinbach zur B 29 der eine und über die B 298 und den Tunnel der andere: Neun Mal sei das Fahrzeug schneller gewesen, das die Bundesstraße benutzt hatte. Bürgermeister Bläse machte deutlich, dass man es im Moment noch nicht wieder mit Normalbetrieb zu tun habe. Durch die Sperrung der Baldung-​Kreuzung umgingen viele Autofahrer die Stadt auf der Nordroute. Sei der Kreisel fertig, müsse man die Situation neu beurteilen. Das sah auch die Versammlung so: „Eine Verkehrszählung wäre hilfreich“, betonte Wolfgang Grau (Lindach). Joachim Bläse zählte auf, was in den vergangenen Jahren in den Nord-​Stadtteilen getan worden war: Verschwenkungen an den Ortseingängen, Kreisverkehre, 40-​km/​h-​ Bereiche. Allerdings seien verkehrsrechtliche Maßnahmen leider kein Wunschkonzert. Bevor er Beschränkungen anordnen könne, müsse er dem Regierungspräsidium beweisen, dass es darum geht, Unfallschwerpunkte zu bekämpfen. Schwellen zur Temporeduzierung zum Beispiel seien „ganz toll – vorausgesetzt, man hat sie nicht vor der eigenen Tür.“ Wenn man es schon versäumt habe, die B 298 direkt an den Tunnel anzuschließen, müsse man zumindest die Verkehrsführung in den Tunnel verbessern, forderte Johannes Weiß. Und aus der Versammlung wurde beklagt, dass der Mini-​Kreisel in Wetzgau an der Kolomanstraße den Verkehr nicht ausreichend abbremse. Sebastian Fritz regte einen Kreisverkehr für die Einmündung der Graf-​von-​Soden– in die Herlikofer Straße an, der den Verkehrsfluss in den Tunnel verbessern könne. Der Linken-​Stadtrat sprach auch das Thema Wustenriet an, das nach Ansicht von Joachim Bläse jedoch nichts mit der Nordachse sondern vielmehr mit Binnenverkehr zu tun habe. Der Lindacher CDU–Stadtrat Dieter Maas erklärte, dass der zunehmende Verkehr in Wetzgau-​Rehnenhof auch mit dem Wachstum des Stadtteils zu tun habe. Als ein weiteres Problem machte der Großdeinbacher CDU–Stadtrat Thomas Eble die Navigationssysteme aus, die so manchen Autofahrer von der B 298 über Wetzgau und Großdeinbach zur B 29 in Richtung Westen leiteten. Womöglich sei in deren Daten diese Strecke als die schnellste hinterlegt. Dagegen möchten die Ortschaftsräte unter anderem vorgehen, indem dort zwischen den Stadtteilen durchgehend eine 70– ​km/​h-​Beschränkung angeordnet wird. Joachim Bläse versprach, diese Einrichtung wohlwollend mit nach Gmünd zu nehmen – ebenso wie die Idee einer Verkehrszählung.

Rems Zeitung, 17.10.2014