Diskussion zum Thema Flächenverbrauch

SCHWÄBISCH GMÜND (mia). Zu Beginn der Sitzung der vereinbarten Verwaltungsgemeischaft mit Waldstetten gab es rote Mund-Nasen-Schutz mit dem Gmünder Logo auf jedem Platz. „Mit viel Größe und Mut können Sie das auch in Waldstetten tragen“, begrüßte OB Richard Arnold die Delegation scherzhaft. Gerhard Hackner vom Amt für Stadtentwicklung stellte den aktuellen Stand der Planungen für den Flächennutzungsplan zwischen Gmünd und Waldstetten vor. Hauptsächlich wurden zwei Flächen besprochen: Eine für eine Gewerbeansiedlung in Bargau, wo das Haus Linden-hof eine Behindertenwerkstätte errichten will. Vorgesehen seien hier auch eine Begrünung des Ortsrandes, Streuobstbäume und Regenrückhalteräume. Zum zweiten Punkt äußerte sich Michael Weber, CDU-Gemeinderat aus Waldstetten schon vorab. Für die Weleda-Erweiterung soll eine Fläche von rund 16 Hektar Boden bereit gestellt werden. Er als Landwirt wolle einem so hohen Flächenverbrauch nicht zustimmen. Er könne verstehen, dass die Schaffung von Arbeitsplätzen wichtig sei, aber für ihn stehe die Ökologie immer noch über der Ökonomie. Auch das Landwirtschaftsamt sehe die Maßnahme kritisch. Zwar seien Ausgleichsflächen geplant. „Das ist begrüßenswert.“ Aber: „Unser Boden ist unsere wertvollste Ressource.“Bei der Umsetzung solle man so flächenschonend wie möglich umgegangen werden. Man könnte beispielsweise ein Parkhaus mit Shuttleservice anbieten, statt Parkplätze zu bauen. Der OB entgegnete, dass bei der Weleda etwa 700 Menschen angestellt seien. Rechne man die Familien dazu, seien das bis zu 2500 Schicksale, die an der Firma hingen. Das Unternehmen habe schon angedeutet, Richtung Elsass abzuwandern, wenn es keine Alternative vor Ort gäbe. „Wir haben gesagt, es kann nicht sein, dass Weleda im hundertsten Jahr seines Bestehens überlegt, wegzuziehen.“ Zudem bringe Weleda einen Einsatz in Sachen Nachhaltigkeit auf, wie man sich das von anderen Firmen wünschen würde. Es gehe um eine Perspektive für Weleda. „Ich bin der Meinung, dass wir diese Fläche Weleda guten Gewissens anvertrauen können. “Zwar umfasse die Fläche fast 16 Hektar. Allerdings werde sie von einer Firma bewirtschaftet, die von sich aus den Anspruch habe, ökologisch zu arbeiten. „Da sind wir bestrebt, Ideen und Impulse zu geben, wie man Ökonomie und Ökologie vereinen kann.“ Zudem sei in der Landwirtschaft auch nicht immer alles nachhaltig. Schwäbisch Gmünd habe bei-spielsweise so viele Feldwege, die reichten aneinandergereiht bis zum Bodensee. „Wenn Landwirte ihren Mais einfahren und mit ihrem schweren Gerät auf den Feldwegen unterwegs sind, gehen die kaputt. “Stadtrat Prof. Dr. Andreas Benk (Linke) unterstrich noch einmal, dass in den bisherigen Diskussionen in den vergangenen anderthalb Jahren die landwirtschaftlichen Argumente nur am Rand miteinbezogen worden seien. Er fände es einfacher, einer Fläche wie der für Weleda zuzustimmen, wenn an anderer Stelle tat-sächlich eine Fläche eingespart werde. Man müsse dem Flächenverbrauch mehr Gewicht einräumen, stimmte der OB zu. Allerdings dürfe man andere Punkte auch nicht außer Acht lassen. Die Fläche für die Behindertenwerkstatt wurde in der Abstimmung bei drei Enthaltungen gebilligt, die für den Weleda-Ausbau mit einer Enthaltung.

Copyright Rems Zeitung, 17.12.2020