Die Zahl der Wohnungslosen in Schwäbisch Gmünd steigt

28. November 2019  Gemeinderat, Presse, Redaktion

Die Zahl der wohnungslosen Menschen in Schwäbisch Gmünd nimmt zu. Hatten im Jahr 2017 noch 175 Menschen die Wohnungslosenhilfe der Caritas aufgesucht, waren es im Jahr 2018 bereits 185 Menschen. Dies berichtete der Leiter der Caritas-Wohnungslosenhilfe, Wolfgang Lohner, am Mittwoch den Stadträten des Sozialausschusses. Lohner nennt dafür mehrere Gründe: Die Zahl der Zwangsräumungen steige, und der Wohnungsmarkt sei schlecht.

Die Wohnungslosenhilfe der Caritas hat für die Menschen, die sich an sie wenden, mehrere Angebote: Sie bietet Beratung in Bezug auf Wohnungssuche, Lebensunterhalt oder auch Arbeitslosigkeit. Den meisten Hilfesuchenden geht es jedoch darum, ein Dach über den Kopf zu bekommen. Ein solches Angebot macht die Caritas im Haus St. Elisabeth in der Klösterlestraße. Platz ist dort für fünf Menschen. Die durchschnittliche Auslastung 2018 lag bei 6,36. Die Menschen, die dort aufgenommen werden, erhalten Hilfe, die ihnen die Wiedereingliederung in den Alltag ermöglichen soll. Sind sie hier auf einem guten Weg, wird ihnen betreutes Wohnen angeboten. Dieses können sie bis zu 18 Monaten nutzen. St. Elisabeth ist auch Wärmestube und Tagesstätte, in der man für 2,50 Euro ein Mittagessen bekommen kann. Die Zahl der Mittagessen ist von 1785 auf 2241 gestiegen.

Lohner sieht bei den Wohnungslosen mehrere Trends:

  • Die Wohnungslosen sind inzwischen weniger bundesweit Reisende, mehr Menschen aus Gmünd und Umgebung, die in Not geraten sind, ihren Job verloren haben, Schulden haben, die Wohnung verloren haben.
  • Die Zahl der Menschen mit psychischen Problemen unter den Wohnungslosen nimmt zu.
  • Für die Menschen aus St. Elisabeth eine Wohnung zu finden, wird immer schwieriger, weil der Wohnungsmarkt sehr eng ist.

Wohnungslose werden immer jünger.

Wolfgang Lohner, Caritas
  • Wohnungslose werden immer jünger. 24,4 Prozent sind zwischen 18 und 24 Jahre alt.

Neben St. Elisabeth hat die Caritas noch das Haus St. Martin. Dort leben vier Männer und fünf Frauen jeweils in einer Wohngemeinschaft. Lohner lobte die „herausragende Zusammenarbeit“ mit der Stadt Gmünd und den Kirchen. Unterstützung erfährt die Wohnungshilfe aber auch vom Förderverein St. Elisabeth. Der Verein sammelt Spenden und unterstützt damit die Arbeit in St. Elisabeth, zum Beispiel den Mittagstisch, berichtete der Vorsitzende Clemens Beil. Er kündigte an, dass der Verein ein „weiteres Projekt wagen“ will, weil St. Martin nicht ausreiche. Der Verein suche dafür zurzeit eine Immobilie oder ein Grundstück, zentral gelegen. „Das ist das große Ziel für die kommenden Jahre“ sagte Beil.

Neben der Wohnungslosenhilfe der Caritas gibt es beim städtischen Amt für Familie und Soziales die Fachstelle Wohnungsnotfallhilfe. Sie dient der Vorsorge, dass Wohnungslosigkeit erst gar nicht entsteht. Dies bedeutet: Bürger, die fürchten, ihre Wohnung zu verlieren, können sich an die Fachstelle wenden. Diese versucht, Mietern mit Zahlungsschwierigkeiten oder anderen Problemen zu helfen. Denn sind die Menschen einmal obdachlos, ist die Stadt gesetzlich verpflichtet, sie unterzubringen, sagte Hans-Peter Reuter, stellvertretender Amtsleiter. An die Wohnungsnotfallhilfe haben sich 2018 etwa so viele Menschen gewandt wie an die Wohnungslosenhilfe der Caritas.

Gleichzeitig hat die Stadt 2018 eine Wohnraumoffensive gestartet. Oberbürgermeister Richard Arnold hatte damals Bürger gebeten, sich zu melden, wenn sie eine freie Wohnung haben. Auf diesem Weg konnte die Stadt bislang 233 Menschen vermitteln, sagte Birgit Schneider von der Fachstelle. Auch Schneider stellt eine Zunahme der Wohnungsnotfälle fest: Deren Zahl sei von 350 in 2017 auf etwa 400 in 2018 gestiegen. Dennoch seien Gmünds Zahlen im Vergleich zu den Nachbarstädten niedrig.

Bürgermeister Dr. Joachim Bläse führt dies zum einen auf den präventiven Ansatz der Stadt zurück, zum anderen auf die „Stabilisierung, die die Stadt mit Caritas und dem Förderverein“ habe. Der Druck auf dem Wohnungsmarkt sei „enorm“. Von den Stadträten gab’s Lob für die Caritas, den Förderverein und für die Stadt. Mehrere Redner begrüßten insbesondere den „präventiven Ansatz“.

© Gmünder Tagespost 27.11.2019 19:58