Die umstrittene Verkehrsinsel

Sami Cebi hat endgültig genug. „Es reicht“, sagt der Anwohner der Königsturmstraße. Die Verkehrsinsel für Radfahrer auf Höhe der Ausfahrt Gemeindehausstraße müsse weg – „und zwar sofort“. Drei bis vier Unfälle pro Monat habe er bisher registriert. Immer wieder blieben Autos an den Bordsteinen oder an den Schildern hängen. „Da kleppert’s ständig“, sagt Cebi, der die Querungshilfe von seinem Küchenfenster aus beobachten kann.

Erst am Montag ereignete sich dort ein Unfall, bei dem ein Autofahrer die Verkehrsinsel komplett abräumte. Für Cebi ein weiteres Indiz dafür, dass die Königsturmstraße durch die Verkehrsinsel „deutlich enger“, „unübersichtlicher“ und somit „gefährlicher“ geworden ist. Daher fordert er die Stadt nun zum Handeln auf: „Der Schwachsinn muss weg“, so der Hausbesitzer, der zudem beobachtet hat, dass nur „sehr wenige Radfahrer“ die Verkehrsinsel nutzen.

Kein Unfallschwerpunkt

Für Polizeisprecher Holger Bienert stellt sich die Situation anders dar: Bei der Querungshilfe in der Königsturmstraße könne aktuell nicht von einem Unfallschwerpunkt gesprochen werden. „Ja, es ist eng dort“, sagt er, doch „fahren täglich tausende Autos an der Insel vorbei, ohne sie zu streifen“.

Natürlich, so Rathaussprecher Markus Herrmann, sei es bedauerlich, dass es am Montag zu diesem Unfall kam. Dennoch werde die Stadt deswegen keine voreiligen Veränderungen vornehmen. „Wir werden die Situation weiter beobachten, sie bewerten und dann entsprechend handeln.“

Soll heißen: Die Querungshilfe bleibt. Zumal die Stadt „viele positive Rückmeldungen“ für die Insel erhalten habe, sagt Herrmann. Kritik gebe es allerdings auch – komme aber überwiegend von Autofahrern. Allerdings, so der Rathaussprecher weiter, müsse die Verwaltung in einer so eng bebauten Stadt wie Schwäbisch Gmünd einen Mittelweg finden, um allen Verkehrsteilnehmern gerecht zu werden – und das beschränke sich nicht nur auf Autofahrer, sondern beziehe auch Fußgänger und Radfahrer mit ein. Auch ein Tempolimit im Bereich der Verkehrsinsel, die Teil des städtischen Radkonzepts ist, schließe die Stadt aus. „Das würde auch nichts bringen“, meint auch Sami Cebi. „Die Autofahrer fahren dort eh nur mit 30 oder 40 km/h.“

Stadtrat Sebastian Fritz (Die Linke) fordert mit Blick auf die Verkehrsinsel derweil, dass der Verkehrsunfall am Montag nicht zum Anlass genommen werden dürfe, die Querungshilfe grundsätzlich in Frage zu stellen. Vielmehr müsse sich die Verwaltung verstärkt Gedanken darüber machen, wie der begrenzt zur Verfügung stehende Verkehrsraum in Gmünd sinnvoll aufgeteilt werden könne – überall in der Stadt und im Sinne aller Verkehrsteilnehmer.

© Gmünder Tagespost 17.07.2019 15:39