Die Symbolkraft der Kronleuchter

Bildschirmfoto 2016-04-27 um 22.09.56Kein großes Ding, es gibt Wichtigeres als Kronleuchter. Sagen die einen. Die Stadt setzt die Prioritäten falsch. Sagen die anderen. Wenn der Gemeinderat an diesem Mittwoch über die Sanierung des Kulturzentrums Prediger entscheidet, werden die Kronleuchter gesondert betrachtet. Nicht im Paket beschlossen. Oder abgelehnt.

Schwäbisch Gmünd. Insgesamt geht es um etwa eine Million Euro. Aufgeteilt in verschiedene Positionen (lesen Sie dazu „Was aktuell im Prediger ansteht“). Über diese wird der Gemeinderat an diesem Mittwoch einzeln abstimmen. Denn die große Mehrheit der Stadträte ist für eine weitere Entwicklung des Predigers. An den beiden Kronleuchtern jedoch scheiden sich die Geister. Der Antrag für die 60 000 Euro teuren Lampen kommt von der CDU-Fraktion. „Die CDU-Fraktion hält an ihrem Antrag fest“, sagt Fraktionschef Alfred Baumhauer. Und: „Wir freuen uns über die Spendenbereitschaft.“ Zwei Spenden in Höhe von insgesamt 30 000 Euro liegen aktuell vor. Eine kommt von der Firma, die die Kronleuchter herstellt, eine weitere von einer Privatperson. Bliebe es dabei, müsste die Stadt noch 30 000 Euro für die Kronleuchter aufbringen.
„Wir werden dagegen stimmen“, sagt SPD-Sprecherin Sigrid Heusel. Der große Saal des Predigers sei heute schon stimmig. Er sei klar strukturiert und erfülle seinen Zweck. „Dieses Geld kann kann man sinnvoller einsetzen“, sagt Heusel. Die Stadt sei klamm, vieles könne man nicht machen, die SPD-Fraktion sehe „überhaupt keine Notwendigkeit für solche Kronleuchter“.
„Unsere Fraktion wird wahrscheinlich gegen die Kronleuchter stimmen“, sagt Brigitte Abele, Sprecherin der Fraktion B 90 / Die Grünen. Die Fraktion werde anregen, dass die Geldgeber für etwas anderes spenden.
„Wir sind der Auffassung, dass wir die Kronleuchter nicht brauchen“, sagt auch Ullrich Dombrowski, Sprecher der Fraktion Bürgerliste. Sie seien nicht notwendig. Er persönlich vertrete die Meinung, dass sie nicht in den Saal passen. Dombrowski sieht sinnvollere Investitionsmöglichkeiten. Er nennt nicht nur die Fassade des Predigers zum Johannisplatz hin, sondern die Akustik im großen Saal. Hier müssten wir etwas machen, sagt er.
Es gibt in Gmünd Wichtigeres als Kronleuchter, sagt Karin Rauscher (Freie Wähler Frauen). In ihrer Fraktion stimme jede ab, wie sie wolle, sagt Rauscher. Sie persönlich sehe dies nicht so monarchisch, dass „Kronleuchter nur etwas für den Adel“ seien. Der Saal werde aufgewertet, und Kristallverarbeitung gehöre zur Tradition der Stadt.
Möglicherweise stimme die Prioritätensetzung nicht mehr in dieser Stadt, sagt Sebastian Fritz (Die Linke). Dies könne man an den Kronleuchtern festmachen. Fritz erinnert daran, dass die CDU vor wenigen Wochen bei den Haushaltsberatungen 2016 die Zuschüsse für die Jugendkulturinitiative um 50 Prozent auf 10 000 Euro kürzen wollte. Er kritisierte Oberbürgermeister Richard Arnold dafür, wie dieser sich am Mittwoch über den Geschäftsführer des Festivals Europäische Kirchenmusik, Klaus Stemmler, geäußert hatte. Stemmler hatte unlängst gesagt, Kronleuchter könnten Aufführungen stören. Arnold hatte dies so bewertet: Stemmler sei kein Baubürgermeister. Und: „Schuster, bleib bei deinen Leisten.“ Stemmler sei ein verdienstvoller Mensch, sagt dazu Fritz. Ihn so zu denunzieren, sei eine Frage dessen, wie man miteinander umgehe. Zusammenfassend bewertet Fritz die Kronleuchter-Diskussion so: „Dies ist peinlich, wir blamieren uns.“

Was aktuell im Prediger ansteht

Im Prediger sind Klosterkirche, Saal und Teile des Museums saniert worden. Die Kosten für weitere Maßnahmen setzen sich so zusammen:

 338 000 Euro für Brandschutzmaßnahmen,

 261 000 Euro für eine Cateringküche,

 33 000 Euro für feuerhemmende Tür zwischen Kreuzgang und Labor,

 68 000 Euro für einen Souvenirshop,

 250 000 Euro Nebenkosten, darunter Honorare,

 und 60 000 Euro für die Kronleuchter.
Die Fassade zum Johannisplatz hin wird „auf absehbare Zeit“ nicht neu bemalt, sagt Stadtsprecher Markus Herrmann. mil

 

© Gmünder Tagespost 26.07.2016 17:04