Die Straßennamen bleiben

Franz-Konrad-Straße, Richard-Bullinger-Straße und Hindenburgplatz werden nicht umbenannt. Dies entschied am Mittwoch der Gemeinderat. Die drei Namen und ihre Namensgeber werden durch Zusatzinformationen erklärt. Dies gilt auch für den Petersweg auf dem Rehnenhof.

michael länge

Schwäbisch Gmünd. Die drei Namen nicht zu ändern, sondern sie zu erklären, dies hatte die Verwaltung vorgeschlagen. Erklären will sie auch den nach dem Unterdrücker Carl Peters benannten Petersweg auf dem Rehnenhof. Zudem will sie eine Studie über „Verwaltung im Nationalsozialismus am Beispiel der Stadtverwaltung Gmünd“ in Auftrag geben.
Die Umbenennung hatten die Fraktionen SPD und Die Linke beantragt. Die SPD sei für die wissenschaftliche Studie, sagte Hans-Jürgen Westhauser (SPD). Auch hielt er den Ratsbeschluss von 2012, den Namensgeber des Peterswegs auf dem Rehnenhof zu verändern, vom Unterdrücker Carl Peters zum schlesischen Malers Hans Peters, für „unglücklich“. Über den Vorschlag der Verwaltung jedoch, die Straßen nicht umzubenennen und sie stattdessen zu erläutern, wolle die SPD noch nicht abstimmen. „So weit sind wir noch nicht“, sagte Westhauser. Er skizzierte Franz Konrad als Opportunist und als Oberbürgermeister, für den es 1934 gegolten habe, hinter dem Führer zu stehen. Dass der Gemeinderat 1963 entschieden habe, eine Straße nach Franz Konrad zu benennen, erklärte Westhauser mit Gleichgültigkeit und fehlender Trauer der damaligen Stadträte gegenüber den Verbrechen der Nazi-Zeit.
Sebastian Fritz (Die Linke) begrüßte den SPD-Vorschlag, erst über die Straßennamen zu entscheiden, wenn mehr Wissen über die Namensgeber vorliege. Er behielt sich jedoch vor, über den „Maximalantrag“, Umbenennung ja oder nein, abzustimmen. „Wollen wir weiterhin aktive Unterstützer eines menschenverachtenden Systems ehren oder diese Ehrung beenden“, fragte Fritz.
„Die Umbenennung wäre die bequemste Variante“, sagte hingegen Christian Baron (CDU). Bei Franz Konrad gehe es heute darum, ob die Entscheidung von 1963 noch aufrecht erhalten werden könne. Dabei sei er kein Verteidiger von Franz Konrad. Auch gehe es nicht darum, „ob wir den Nationalsozialismus gut finden“. Sondern es gehe darum, ob man eine Person auf NSDAP-Mitgliedschaft oder eine andere Aktivität reduzieren könne. Theodor Heuss, Kurt Georg Kiesinger, Hans-Dietrich Genscher, sie alle seien NSDAP-Mitglied gewesen, sagte Baron. Über Franz Konrad gebe es nur Mutmaßungen, Spekulationen. Deshalb sei die Sachlage für eine Umbenennung „schlicht zu dünn“.
„Der bequemste Weg ist der, die Straßen nicht umzubenennen“, sagte Susanne Lutz (B 90 / Grüne). Nur eine erklärende Tafel sei zu wenig. Die Grünen schlugen vor, die Straßen umzubenennen und den bisherigen Namen auf einer Tafel zu erklären.
„Wir dürfen uns nicht die Deutungshoheit anmaßen“, sagte Ullrich Dombrowski (FW /FDP). Auch folgende Generationen müssten sich mit Tätern und Opfern auseinandersetzen, sprach er sich für Erhalt und Erläuterung der Straßennamen aus. Dombrowski regte an, die Straßenschilder so zu gestalten: ein weißer Namenszug auf schwarzem Hintergrund. „Eine Umbenennung befreit nicht von der Bewältigung der Vergangenheit“, sagte Karin Rauscher (FWF).

Erläuternde Tafel erklärt Geschichte des Peterswegs
Cynthia Schneider (Die Linke) nannte den Erhalt der Namen „Kuschelkurs“, „mutig“ hingegen eine Umbenennung. Brigitte Abele (Grüne) schlug Widerstandskämpfer als neue Namensgeber vor. Daniela Maschka-Dengler (SPD) erinnerte, dass Franz Konrad 1948 von der Gmündern zum OB gewählt wurde, die amerikanische Militärregierung dies jedoch abgelehnt hatte. „Wir hätten heute die Möglichkeit, den unsäglichen Beschluss von 1963 zu revidieren“, sagte Michael Gseller (SPD).
Die Stadträte stimmten für Erhalt und Erklärung der Namen – mit 26 Ja-Stimmen von CDU, FW/FDP und FWF, mit 17 Nein-Stimmen von SPD, Grünen und Linken und Enthaltungen von Wolfgang Greil (SPD) und Gerhard Bucher (SPD).

Mutiger Weg

Gmünds Stadträte sind in der Frage der Straßennamen näher beieinander als viele meinen. Sie eint das Ziel, die Verbrechen und das Leid des Nationalsozialismus nicht zu verdrängen, nicht zu vergessen.
Was sie unterscheidet, ist der Weg. Dieser Weg hängt stark davon ab, welche Bedeutung Straßennamen für den einzelnen Betrachter haben. Der eine sieht in einem Straßennamen eine Ehrung des Namensgebers, eines Vorbildes. Eine Sichtweise, der vermutlich die Mehrheit der Bürger folgen wird. Der andere hingegen sieht, dass der Namensgeber einer Straße zu früherer Zeit geehrt worden ist, er heute jedoch kein Vorbild mehr sein kann, der Straßenname dafür jedoch Aufklärung, Erinnerung, Mahnung.
Gmünds Räte haben sich am Mittwoch mehrheitlich dafür entschieden, Franz-Konrad-Straße, Richard-Bullinger-Straße und Hindenburgplatz zu erhalten. Um aufzuklären, zu erinnern, zu mahnen. Diesen Weg wollte Gmünd schon bei der Maria-Kahle-Schule gehen. Dies gelang nicht. Die Stadträte konnten sich damals nicht auf einen erläuternden Text verständigen. Beim Kriegerdenkmal am unteren Marktplatz hingegen gelang dies. Nun werden die Stadträte dies bei Franz Konrad, Richard Bullinger und Paul von Hindenburg versuchen. Dies ist ein schwieriges Unterfangen. Gerade deshalb aber ist dies nicht der bequemere Weg. Sondern der unbequemere. Und nicht zuletzt der mutigere. Michael Länge

© Gmünder Tagespost 01.07.2015 21:54:25