Die Rente ist sicher – nur die Höhe nicht

06. Dezember 2018  Presse, Redaktion

Es war eine angeregte Diskussion am Dienstagabend in der VHS. Ging es doch um die Rente. „Die Rente ist sicher?!“ Seit Norbert Blüm häufig gehörte geflügelte Worte. Allein, es fehlt vielen der Glaube. Teilnehmer an der Podiumsdiskussion waren die Bundestagsabgeordneten Peter Weiß (CDU) und Christian Lange (SPD), der Landtagsabgeordnete Jochen Haußmann (FDP), Peter Yay Müller sprach für Die Linke, und die Ansichten der Katholische Arbeitnehmer-Bewegung KAB stellte Peter Niedergesäss vor. Moderiert wurde von Dieter Lehmann, Amt für Familie und Soziales.

Fragen aus dem Publikum sollten die Politiker beantworten, die besonders die mit der Rente einhergehende Altersarmut thematisierten. Wurde die Rente doch seit den 1980er-Jahren mehrmals gesenkt, von anfänglich 57 Prozent auf aktuelle 48 Prozent, abgekoppelt von der Lohnentwicklung. Angeblich wegen demografischer Probleme unbezahlbar geworden. Eine weitere Absenkung sei nicht vorgesehen, so die Politiker.

Weniger Lohn, weniger Rente

Mit ihrer Rente nicht einverstanden war Sigrid Wahl, 45 Berufsjahre als Krankenschwester, auch in der Pflege tätig. Sie bemängelte die ihr zustehende Rente. „Wird das besser? Oder bleibt es so?“, wandte sie sich ans Podium. „Grundsätzlich behandelt die Rente alle gleich“, stellte Weiß klar, „das hängt von der Einzahlung ab“. An diesem Grundsatz wolle niemand rütteln. Jetzt sei allerdings klar, dass wenig Lohn auch wenig Rente heiße. Also müsse man in manchen Berufen wohl besser bezahlen.

Für Dorothea Ziegler, Sonderschullehrerin, ist die Rente „eigentlich kein Thema“. Denn sie werde Pension beziehen. Aber sie stelle sich schon die Frage, wie die Elternzeit rententechnisch bezahlt werde. Als privilegiert betrachte sie sich – aber ob das im Alter ausreiche? Lange stellte dazu vor, dass der Staat mittelfristig gewaltige Lasten tragen müsse. Ziel sei, bis 2045 kein weiteres Absinken zuzulassen. „Das ist unser Wunsch“, erklärt er.

Dass die Leistungen der Mütter monetär schwer einschätzbar seien, erklärte Haußmann. Und das sei vom Beitragszahler mit zu finanzieren. „Jetzt aber müssen schon große Zuschüsse gezahlt werden“, meinte er. Die Demografie erfordere eben andere Modelle. „Über die staatliche Rente schaffen wir das nicht“, so Haußmann. Da müsse man ehrlich sein – die Rente sei zwar sicher, nur die Höhe eben nicht. Dass Erziehungsarbeit eine größere Wertschätzung erfahren müsse, sagte Yay Müller. Es sei ein Armutszeugnis dieser reichen Gesellschaft, dass sich da nichts tue. Die Riesterrente weise da in die richtige Richtung, bemerkte Lange – allerdings müsse jetzt die staatliche Rente stabilisiert werden. Dass für Kinder durchaus etwas getan werde, meinte Weiß: „Früher gab es da nix, erst seit 1986 wird das berücksichtigt.“ Und dafür werde aufgestockt.

Das Problem alleinerziehender Mütter stellte Lehmann vor. Mit mehreren Kindern sei häufig Armut programmiert. Da brauche es unbedingt Regelungen. „Das sind soziale Probleme, die die Rentenversicherung nicht lösen kann“, erklärte dazu Weiß. Aber, so ein Einwand aus dem Publikum: „Wir erziehen die Kinder, die später Rente einzahlen.“

Das „Cappuccino-Modell“

Das katholische „Cappuccino“-Modell für die Rente stellte Niedergesäss vor. Drei Schichten seien vorgesehen. Schicht eins mit einem Sockelbetrag, der aktuell über dem Hartz-IV-Satz liege, Schicht zwei aus der Erwerbstätigen-Versicherung. Schicht drei – das Sahnehäubchen – entstamme dann betrieblicher und privater Vorsorge. Ein Vorschlag, der beim Publikum viel Zustimmung fand.

© Gmünder Tagespost 05.12.2018 21:46