Die Provokation einer notwendigen Diskussion

18. Oktober 2013  Gemeinderat, Presse, Redaktion

Gmünds Gemeinderat wird am Mittwoch einen Ortschaftsrat für Wetzgau / Rehnenhof beschließen. Das ist in Ordnung. Denn die Bürger in Wetzgau und auf dem Rehnenhof dürfen nicht anders behandelt werden wie die Bürger anderer Stadtteile. Darüber sind sich fast alle Stadträte einig. Einzig Konrad Widmann (FW / FDP) sprach von „Rückfall in die Kleinstaaterei“ und „Kirchturmsdenken“.

Den zweiten Antrag der Stadtverwaltung dagegen, einen Innenstadtausschuss einzurichten, sehen mehrere Stadträte kritisch. Dieser Ausschuss soll die Anliegen der Menschen der Innenstadtbezirke vertreten. Die Mehrheit der Stadträte will jedoch zunächst mehr Infos haben über die Kompetenzen dieses Ausschusses. Die Fraktion der Grünen und die beiden Linke-Stadträte dagegen gehen einen großen Schritt weiter. Sie beantragen statt eines Ausschusses für die Innenstadt einen Bezirksbeirat ab 2014 und einen Ortschaftsrat ab 2019. Dieser Antrag ist eine logische Konsequenz der aktuellen Entwicklung: Wenn Wetzgau / Rehnenhof einen Ortschaftsrat erhält, steht dies den tausenden Bewohnern der Innenstadt auch zu. Was aber, wenn diese Diskussion weiter geht? Überspitzt: Wenn Zimmern einen eigenen Ortschaftsrat will? Kleindeinbach einen Bezirksbeirat? Radelstetten einen Teilortsausschuss? Dann wird das Anliegen des Grünen-Linke-Antrags sichtbar. Es ist die Provokation einer Diskussion: Wie viele Stadtteile und Stadtteilbüros will diese Stadt noch? Führt dieser Weg zu einer Identifikation der Gmünder mit Gmünd? Sehen sie das Wohl der gesamten Stadt? Oder nur das ihres Stadtteils? Um den Kirchturm? Diese Diskussion ist in Gmünd dringend nötig und darf auch die unechte Teil-ortswahl, die den Stadtteilen Sitze im Gemeinderat sichert, nicht aussparen. Michael Länge

 

© Gmünder Tagespost 18.10.2013