Die Bonuskarte für Geringverdiener kommt

Schwäbisch Gmünd. Für Geringverdiener in Schwäbisch Gmünd gibt’s ab 2019 eine Bonuskarte. Sie ersetzt den bisherigen Tafelladenausweis. Darauf einigten sich die Mitglieder des Sozialausschusses des Gmünder Gemeinderats am Mittwoch einstimmig. „Das ist eine gute Sache für Menschen mit kleinem Geldbeutel“, lobte Karin Rauscher (FWF) diese Entscheidung.

Mit der Bonuskarte, die einer herkömmlichen Scheckkarte ähnelt, erhalten Gmünder mit geringem Einkommen ab 2019 verschiedene Ermäßigungen. Zum Beispiel auf Veranstaltungen des Kulturbüros oder der Touristik und Marketing GmbH. Ebenso auf Kleidung in einem der Second-Hand-Shops des Deutschen Roten Kreuzes. Zudem berechtigt die Bonuskarte ihren Inhaber zum Einkauf im Gmünder Tafelladen.

Damit nicht genug: „Weitere Leistungen und Angebote können und sollen folgen“, erklärte Dieter Lehmann, Leiter des Amts für Familie und Soziales. Auch sei die Bonuskarte nicht alleine auf die Stadt Schwäbisch Gmünd beschränkt, so Lehmann weiter. Es sei denkbar, dass sich auch andere Kommunen mit eigenen Leistungen daran beteiligen.

Welche Angebote es im Einzelnen gibt, soll den Karteninhabern mittels Flyer mitgeteilt werden, die gleichzeitig mit der Bonuskarte ausgehändigt werden. Auch im Internet sollen die einzelnen Vergünstigungen aufgeführt werden.

Doch wer bekommtüberhaupt eine Bonuskarte? „All jene, die über wenig Geld verfügen“, sagte Lehmann. Dazu gehörten nicht nur Obdachlose, erklärte Hans-Peter Reuter, Leiter der Obdachlosenbehörde. Sondern zum Beispiel auch eine fünfköpfige Familie, deren monatliches Einkommen bei etwa 3000 Euro netto liege. Ebenso Rentner, deren Rente eine bestimmte Einkommensgrenze nicht übersteige.

Ausgabestellen der Bonuskarte sind das Amt für Familie und Soziales sowie der Gmünder Tafelladen. Grundsätzlich habe die Bonuskarte „eine Gültigkeit von einem halben Jahr“, erklärte Lehmann. Dies sei den Bescheinigungen des Jobcenters geschuldet, die ebenfalls alle sechs Monate neu erstellt werden.

Für Stadtrat Sebastian Fritz (Die Linke) ist die neue Bonuskarte angesichts steigender (Alters-)Armut zwar ebenfalls „eine tolle Sache“, doch müsste das Angebot auch auf den öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) ausgeweitet werden. „Es muss ja nicht gleich ganz umsonst sein, sondern könnte eventuell nur einen Euro kosten“, schlug Fritz als Kompromiss vor.

Eine ähnliche Meinung vertritt Heidi Preibisch (Bürgerliste). Auf ihre Nachfrage hin erklärte Bürgermeister Dr. Joachim Bläse, dass ein ÖPNV-Angebot als Leistung der Bonuskarte „zu teuer“ sei. Gespräche mit dem Stadtbus hätten ergeben, das damit ein hoher Verwaltungs- und Kostenaufwand für die Stadt verbunden wäre. Allerdings versicherte der Bürgermeister, dass er das Thema im Kreistag noch einmal ansprechen wolle. Zumal ein solches ÖPNV-Angebot auch im Zusammenhang mit der Gmünder Wohnraumoffensive gesehen werden müsse. Denn in der Kernstadt sei bezahlbarer Wohnraum knapp – und „jemand, der kaum Geld hat und/oder kein Auto besitzt, zieht nicht freiwillig aufs Land“, erklärte Reuter das bestehende Problem.

© Gmünder Tagespost 05.12.2018 20:54