Den idealen Baum für den Klimawandel gibt es nicht

Der Klimawandel bedeutet für den Wald eine neue Ära. Das sagt Jens-Olaf Weiher, Chef der Forstbehörde im Landratsamt. Zusammen mit Kollegen erklärt er am Freitagnachmittag Stadträten – auch die neu gewählten Mitglieder sind eingeladen – aktuelle Entwicklungen im Gmünder Stadtwald und Hospitalwald. Im Rotenbachtal führt sie der Weg vorbei am Limes in unterschiedliche Höhen. Und zu unterschiedlichen Pflegezuständen.

Jens-Olaf Weiher lässt die Gemeinderäte schätzen. Eine satte Buche steht dort am Steilhang. Viele tippen auf 80 Jahre und haben damit recht. Gleich daneben ein dünnes Buchenexemplar. Könnte halb so alt sein, meinen manche Räte. Der Baum ist aber gleich alt, kann sich aber gegen den mächtigen Nachbarn nicht durchsetzen, zieht ganz enge Baumringe, das Wachstum ist eher kärglich. „Irgendwann wird sich der Baum nicht mehr halten können“, sagt der Forstchef. Im Urwald würde er später umkippen, im bewirtschafteten Wald wird dort und an vielen anderen Stellen eingegriffen.

Dabei erlebt der Forst eine Umstrukturierung. Noch in den Nachkriegsjahrzehnten wurden Flächen abgeholzt und neu aufgeforstet. „Keine billige Maßnahme“, weiß Weiher. Das kostet je Hektar bis zu 15 000 Euro. Heute heißt das Schlagwort „Dauerwald“. Der wird behutsam genutzt, erhält sich selbst. Er zeigt ein Beispiel in Halbhöhenlage. Ein gesunder Baum, eine mächtige Douglasie mit 80 Zentimeter dickem Stamm, wird gefällt. Die Krone liegt unweit am Boden. Darüber eine mächtige Lücke, die das Sonnenlicht auf den Waldboden lässt. Dort haben sich längst junge Bäume etabliert. Sie wurden nicht gepflanzt, sondern kommen aus Samen des Standorts. Dort ist erst mal Platz für viele kleine Bäume, die um Licht, Wasser und Nahrung kämpfen.

Heute ist die Esche zu 100 Prozent befallen.

Jens-Olaf Weiher,
Forstchef

Stadtrat Sebastian Fritz fragt nach Bäumen, die bei schwierigeren Klimasituationen überleben können. Für Jens-Olaf Weiher „eine schwierige Frage, weil nicht alle Probleme vorhersehbar sind“. Noch vor zehn Jahren habe die Esche als sehr widerstandsfähig gegolten. Bis der Pilz aus Fernost in den Gmünder Wäldern angekommen ist. „Heute ist die Esche zu 100 Prozent befallen“, sagt er. Man hoffe, dass zehn Prozent der Bäume den Pilz überdauern. Eiche und Ahorn seien Bäume, die vorübergehend mit weniger Wasser auskommen könnten. Eine wirkliche Vorhersage sei aber schwierig. Deshalb schätzt der Fachmann die Mischung der Baumarten in den Wäldern, weil dadurch etwa bei Krankheiten immer nur ein Teil betroffen seien.

© Gmünder Tagespost 05.07.2019 19:12