„Dem Spuk wird ein Ende bereitet“

Wie erwartet, gab es am Mittwoch im Gemeinderat einen endgültigen Abgesang oder auch Nachruf auf die Überlegungen der Stadtverwaltung, unter Beteiligung eines privaten Investors und Betreibers den Bau eines Freizeit-, Fitness- und Wellness-Bades an der Nepperbergstraße anzustreben. Das Ausschreibungsverfahren dazu wurde offiziell aufgehoben. Das Thema hatte seit 2017 die Kommunalpolitik beschäftigt und auch in der Bevölkerung heiße Diskussionen ausgelöst, bis hin zu einem Bürgerbegehren gegen das Projekt.A ufatmen bei Grünen-Fraktionschef Gabriel Baum: „Dem Spuk wird ein Ende bereitet.“ Er sei froh darüber, dass die Stadtverwaltung auf die Diskussionen und Argumente auch aus der Bürgerschaft eingegangen sei. Insolvenzen von privaten Spaßbädern hätten in jüngster Zeit gezeigt, welche Last dann an der jeweiligen Kommune hängen bleibe. Ähnlich äußerte sich auch Sebastian Fritz (Die Linke): Die Verwaltung müsse diesem Veto der Bürgerschaft dankbar sein. Es habe sich um ein „Traumschloss“ gehandelt, das der Stadt unkalkulierbare Risiken beschert hätte. Sein Appell: „Zukünftig bitte die Finger von solchen Projekten lassen.“

Sigrid Heusel (SPD) meinte, dass es gut gewesen sei, es versucht zu haben. Doch es habe sich gezeigt: Das Projekt sei einfach nicht umsetzbar. Bitter sei dies für den Schwimmverein, weil dessen Hoffnungen auf 50-Meter-Bahnen für Training und Wettkämpfe nun erneut enttäuscht worden sei. Das Wichtigste sei jedoch, dass Gmünd mit den nun zur Verfügung stehenden Sanierungs-Fördermitteln eine Hallenbad-Grundversorgung erhalten bleibe. „Es wäre schön gewesen, doch wir müssen jetzt kleinere Brötchen backen“, urteilte Karin Rauscher (FWF). Brigitte Abele (BL) bedauerte das Scheitern der Pläne sehr. Sie gab zu bedenken, dass eine solche Sport-, Freizeit- und Wellnessanlage noch bestens für einen Urlaub daheim unter Vermeidung von klimaschädlichen Fernreisen gewesen wäre. Letztendlich war der Beschluss für Aufhebung des Ausschreibungs- und Wettbewerbsverfahrens einstimmig. Als Trost erinnerte OB Richard Arnold einerseits auf die nun anstehende Ertüchtigung des bestehenden Gmünder Hallenbads und auch an die eingeleiteten Bemühungen für Renaturierung und Reaktivierung des Schießtalsees. Das bringe doch auch eine deutliche und vor allem naturnahe Vergrößerung der Wasserflächen für Sport- und Freizeitaktivitäten. Zur finalen Entscheidung stand am Mittwoch im Gemeinderat auch das fast 100 Punkte umfassende Paket der nicht-haushaltswirksamen Anträge an. Es ist nicht mehr vollständig, weil im Rahmen der Vorberatungen im Haushaltsausschuss vor allem die Fraktionen Die Linke sowie Bündnis90/Die Grünen die Zustimmung zu etlichen Antworten der Stadtverwaltung verweigerten. Etliche Anträge an den Bau- und Umweltausschuss verwiesen Hauptbegründung: Die Verwaltung habe nur unkonkrete Antworten geliefert. Es ging hierbei vor allem um konkrete Anträge in den Bereichen Klimaschutz und Flächenverbrauch. Die Themen beziehungsweise Anträge sind daher an den Bau- und Umweltausschuss verwiesen worden, um sie dort ausführlich zu erörtern. Auch gab es erneut eine Diskussion zu einem fraktionsübergreifenden Antrag: Stadträte fordern eine verstärkte Beteiligung der Innenstadt-Bürgerschaft an kommunalpolitischen Prozessen. Beantragt wurde ein Innenstadtrat mit ähnlichen Befugnissen wie Ortschaftsräte in den Stadtteilen. Bürgermeister Christian Baron will nun nach dem erneuten Drängen der Fraktionen nach der Sommerpause ein Konzept dazu vorlegen.

Copyright Rems Zeitung, 08.07.2021