Das war eine „knallharte Fehlentscheidung“

Schwäbisch Gmünd. Gmünds Stadträte haben am Mittwoch signalisiert, dass sie die Schulsozialarbeit an der Grundschule auf dem Hardt auf eine 75-Prozent-Stelle aufstocken und mit je einer halben Stelle Schulsozialarbeit an den drei Gmünder Gymnasien einrichten wollen.

Ausgangspunkt für Schulsozialarbeit seien Brennpunktschulen gewesen, sagte der Leiter des Amtes für Bildung und Sport, Klaus Arnholdt. Heute jedoch habe sich Schulsozialarbeit etabliert und sei Teil eines Profils. An den drei Gymnasien – Hans-Baldung-Gymnasium, Parler-Gymnasium und Scheffold-Gymnasium – gebe es Schulsozialarbeit zum ersten Mal. Die Herausforderungen dort seien andere. Zum Beispiel gehe es um Leistungsdruck. Durch die zusätzlichen Stellen entstünden im Jahr Mehrkosten in Höhe von 90 000 Euro, der städtische Anteil betrage 40 000 Euro.

Gabriel Baum (B 90 / Die Grünen) begrüßte die Schulsozialarbeit, wies jedoch darauf hin, dass diese „das Problem nicht löst“. An der Grundschule auf dem Hardt hätten 95 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund, während es an den Gymnasien einen Schnitt von zehn Prozent gebe. Dies berge einen „gewissen Sprengstoff“.

Den „Sprengstoff“ wollte Bürgermeister Dr. Joachim Bläse so nicht stehen lassen. Gebe es an einer Schule Schulsozialarbeit, heiße dies nicht, dass die Schule schlecht sei. Wie Schulsozialarbeit angenommen werde, fragte daraufhin Wolfgang Greil (SPD). „Gut“, sagte dazu Arnholdt und begründete dies damit, dass Schulsozialarbeit „niederschwellig“ sei, weil Schulsozialarbeiter keine Noten geben.

Mit Baum einig war Christian Baron (CDU): Schulsozialarbeit löse das Problem nicht. Er sah als Quellen für mehr Schulsozialarbeit zum einen „familiäre Schwierigkeiten“, zum anderen den „Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung“. Der Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung ermöglicht Eltern, ohne die Lehrer der Grundschule zu entscheiden, welche weiterführende Schule ihr Kind besucht. Das war „ein Riesenfehler“, sagte Baron.

Das muss man auch mal korrigieren.

OB Richard Arnold zum Wegfall der verbindlichen Grundschulemfpehlung

Während Brigitte Abele (Bürgerliste) und Karin Rauscher (Freie Wähler Frauen) die Bedeutung der Schulsozialarbeit unterstrichen, betonte Sebastian Fritz auch deren „präventiven Charakter“. Dass der Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung Folgen haben werde, sei klar gewesen, sagte Fritz. Allerdings: So dramatisch, wie dies im Gemeinderat teilweise dargestellt werde, sei dies nicht.

Früher seien vielleicht sechs Kinder aus einer Grundschulklasse aufs Gymnasium gegangen, heute hingegen „fast alle“, sagte Bläse. Dies seien einfach neue Herausforderungen. Ganz klar positionierte sich Oberbürgermeister Richard Arnold: Auch er hält den Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung für einen Fehler. Dieser verursache Kosten für die Kommunen und ginge zudem zu Lasten der Kinder. Das müsse man einfach einmal so festhalten. „Das war eine knallharte Fehlentscheidung, und das muss man auch mal korrigieren“, sagte Arnold. Und fügte hinzu: „Wir tendieren dazu, die Schulen, mit dem, was sie leisten sollen, zu überfordern.“

Schulsozialarbeit gibt es in Gmünd bereits an der Mozartschule in Hussenhofen (eineinhalb Stellen), an der Schiller-Realschule im Verbund (drei Stellen), an der Klösterleschule (eine Stelle), an der Friedensschule (eineinhalb Stellen) und an der Adalbert-Stifter-Realschule (eine Stelle).

© Gmünder Tagespost 07.03.2018 21:02