Das Pflaster soll befahrbar sein

15. September 2011  Presse, Redaktion

Heike Probst und der Stadtrat der Linken Peter Müller

Rollstuhlfahrerin testet Bodenbelags-Muster für Stadtumbau / Auch für Senioren wichtig

Vor der Landesgartenschau wird Gmünd umgebaut wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Voraussichtlich auf über 25 000 Quadratmetern der Innenstadt wird ein neuer Belag aufgebracht. Bei der Auswahl solle die Stadt auch an die Belange von Rollstuhlfahrern und Senioren denken, regt Heike Probst an. Die Rollstuhlfahrerin hat die zur Auswahl stehenden Beläge in der Ledergasse getestet.

Wolfgang Fischer

Schwäbisch Gmünd. Anlass für den Test war ein Besuch auf der Gartenschau in Horb, den Heike Probst und ihr Mann Markus vor kurzem machten. Dort, so Markus Probst, seien viele Wege im Gartenschau-Gelände „ganz schlimm“: Tiefer Kies oder breite Längsrillen zwischen Belagsplatten – das seien Hindernisse, die nicht nur Rollstuhlfahrern enorm zu schaffen machen, sondern auch Menschen mit Rollator und selbst mit Kinderwagen. Sogar Leute mit Fahrrad hätten ihre Probleme gehabt. „Das soll in Gmünd besser werden“, sagten sich die Probsts, als sie erfuhren, dass im Rahmen des großen Stadtumbaus weite Teile der Innenstadt einen neuen Bodenbelag bekommen sollen (siehe Artikel „Wie sieht Gmünds neuer Boden aus?“ in der GT vom 7. September, nachzulesen unter www.gmuender-tagespost.de).

Das Ehepaar aus Lorch ist oft in der Gmünder Innenstadt unterwegs. Heike Probst, die wegen der Nervenkrankheit Ataxie im Rollstuhl sitzt, urteilt: „Ganz gut, aber manches könnte besser sein.“ Und ihr Mann Markus ergänzt: „Schorndorf ist schlimmer.“ Die Hauptprobleme seien zu unebene Belagsteine und zu breite Fugen zwischen den Steinen. Markus Probst: „Da sind die Rollstuhlfahrer nach zehn Minuten fertig – und die Schieber auch.“

Dass die Stadt Muster der möglichen Beläge in der Ledergasse zur Begutachtung für alle Interessierten ausgelegt hat, finden die Probsts positiv. Und beim Probefahren mit dem Rollstuhl stellen sie auch fest, dass unter den Mustern einige sind, die Senioren oder Behinderten entgegenkommen. Sie appellieren an die Stadträte, sich bei der Auswahl auch deren Belange bewusst zu machen. Das sagte Linke-Stadtrat Peter Müller, der zu der „Testfahrt“ dazu kam, zu.

Ihre Beurteilung signalisierten die Probsts auch mit Zetteln mit gehobenen oder gesenkten Daumen, die sie auf die jeweiligen Beläge legten. Auch kleine Pflastersteine können geeignet sein, wenn ihre Oberfläche flach ist und sie eng verlegt sind. Generell jedoch sieht das Ehepaar größere Belagselemente lieber. Durchaus zu akzeptieren seien einreihige Pflasterreihen, die größere Belagssteine immer wieder unterbrechen. Ein Hindernis dagegen sind Bordsteine – selbst abgesenkte, wie Markus Probst aus Erfahrung sagt. Immerhin würden künftig auch immer mehr Senioren in Innenstädten leben. Heike Probst, die auch Mitglied im Vorstand der Deutschen Heredo-Ataxie-Gesellschaft ist, will ihre Eindrücke von der „Testfahrt“ der Stadtverwaltung mitteilen.

© Gmünder Tagespost 12.09.2011