Das Deyhle-Areal und kein Ende

Bildschirmfoto 2016-04-27 um 22.09.56Die Stadt wird der Schorndorfer Schatz-Gruppe ihr Baugesuch fürs Deyhle-Areal genehmigen. Damit hat das Unternehmen grünes Licht für 33 Wohnungen für zehn Millionen Euro. Gleichzeitig legt es die Stadt in die Hände von Schatz, auf 15 Wohnungen zu verzichten und dem Besitzer des Hotels „Einhorn“ eine Erweiterung zu ermöglichen.

Schwäbisch Gmünd. Die Bebauung des Areals der früheren Silberwarenfabrik Deyhle unter dem Königsturm wird in Gmünd seit Jahrzehnten diskutiert. Anfang Juni hatte es den Anschein, dass ein Knopf an die Debatte kommt.

Der Gemeinderat genehmigte einen Bebauungsplan für das Areal. Auf dessen Basis reichte die Schorndorfer Schatz projectbau GmbH ein Baugesuch ein. Dieses beinhaltet 33 Wohnungen, Schatz will etwa zehn Millionen Euro für diese investieren. Allerdings gab es gegen den Bebauungsplan Einwendungen. Die Besitzer des Hotels „Einhorn“, Dr. Constanze Schwarzkopf-Streit und Dieter Streit, erhoben diese. Zu massiv sei der Komplex, war ihre Kernkritik. Die „Einhorn“-Besitzer und Schatz schlossen sich danach kurz und präsentierten eine neue Idee: Das Hotel „Einhorn“ übernimmt den Teil des Areals, der sich von der Rinderbacher Gasse zur Imhofstraße hinzieht und baut dort eine Erweiterung, ein Familien- und Jugendhotel. Dieses soll 2,30 Meter niedriger werden und sich an die Häuser der Umgebung anpassen. Anstatt eines Satteldachs ist ein Walmdach geplant, formal angelehnt an die Marktplatzbebauung. Zudem soll es eine Dachterrasse bekommen. Das Hotel könnte so seine Kapazitäten erweitern. Zurzeit gibt es dort 32 Betten. Im Neubau, der durch einen Übergang verbunden werden soll, entstehen etwa 140 Betten. Das Hotel wäre also mit etwa 170 Betten am Marktplatz vertreten.
Diese Pläne stellten die Hotel-Besitzer dem Bauausschuss vergangene Woche vor. Am Mittwoch nahmen die Fraktionen dazu Stellung. Diese neuen Überlegungen bergen „Sprengstoff“, sagte Celestino Piazza (CDU). Nach vier bis fünf Jahren sei nun mit Schatz alles in trockenen Tüchern, nun komme die neue Idee. Der CDU-Fraktion sei wichtig, dass „die Stadt schadlos bleibt“. Wohnen habe Vorrang. Wenn das Hotel erweitert werde, müsse es ein Familien- und Jugendhotel sein. „Wenn wir den Paradigmenwechsel überhaupt vornehmen, müssen mindestens 75 Prozent des Gemeinderates dafür sein“, sagte Piazza.
Ein Familien- und Jugendhotel habe Charme, sagte Sigrid Heusel (SPD), betonte jedoch den „Abwägungsprozess“. Auch Heusel war wichtig, dass „Ansprüche an die Stadt ausgeschlossen werden können“. Sie setzte zudem auf einen Mehrwert, der für das Areal mit der Bebauung neben einer Dokumentationsstätte jüdischer Geschichte Gmünds in der Imhofstraße 9 entstehe. Heusel war wichtig, nicht „hopplahopp“ entscheiden zu müssen, sondern Zeit zu haben.
Die Grünen seien sich in der Bewertung noch nicht einig, sagte Karl Miller. Primär wollten sie Wohnen, jedoch qualitätsvolles Wohnen. Dabei seien sie sich nicht sicher, ob dies an dieser Stelle möglich ist. Weil neue Ideen neue Planungsmöglichkeiten eröffnen, seien sie letztlich „offen“ für neue Entwicklungen.
Ganz anders die Bürgerliste: Gebe der Gemeinderat die Absichtserklärung für eine neue Entwicklung ab, öffne er die Büchse der Pandora, sagte Ullrich Dombrowski. Der Gemeinderat wisse nicht einmal, wie die neue Planung aussehe. Zudem wies Dombrowski auf Verkehrsprobleme durch ein Hotel mit 170 Betten hin. Eine „Chance“ hingegen sah Karin Rauscher (FWF) in einem neuen Abwägungsprozess. Beim Hotel im Remspark habe der Gemeinderat in Bezug auf Höhe und Parkplätze nicht gezuckt, bei dem kleinen Familienbetrieb werde ein anderes Maß angelegt, kritisierte Rauscher. Offen zu sein und die Planung nach dem Sommer nochmal anzuschauen, dafür sprach sich Sebastian Fritz (Die Linke) aus. Darauf wird es nun hinauslaufen. Denn sollte sich Schatz entscheiden, die Besitzer des „Einhorn“-Hotels in Boot zu holen und nicht, wie aktuell geplant, 33 Wohnungen zu bauen, so wird der Gemeinderat dies Ende September erneut diskutieren.

© Gmünder Tagespost 27.07.2016 21:32