Das alles ist Wald

24. Oktober 2017  Gemeinderat, Presse, Redaktion

Das Taubental ist als Erholungswald ausgewiesen. Doch damit ist es Wasserspeicher und Holzproduzent, Natur und Freizeitbereich gleichzeitig. Diese Diskrepanz zeigte Jens-Olaf Weiher, Leiter der Gmünder Fortstaußenstelle, am Montag Abend beim Workshop „Waldwirtschaft“ im Stadtgarten auf. Er stellte dar, wie das mit dem Wald eigentlich funktioniert und wie die Forstwirtschaft, aber auch jeder Waldbesucher in den Forst eingreift.

Mitglieder der Bürgerinitiative Taubental hatten diesen Info-Abend angeregt. Der Leiter des Kreis-Forstdezernats, Johann Reck, erläuterte, dass der Ostalbkreis mit ungefähr 60 000 Hektar Wald eines der waldreichsten Kreisgebiete in Baden-Württemberg ist. Die Stadt Gmünd sei mit rund 1500 Hektar Waldbesitz ein sehr großer Waldbesitzer, führte Bürgermeister Dr. Joachim Bläse auf die städtische Ebene. Und etwa 110 Hektar davon umfasst das Taubental.

Jens-Olaf Weiher erklärte den neun Zuhörern, was der Wald alles leiste: Wasserspeicher, Frischluftproduzent, Holzhersteller, Lebensraum für zahlreiche Tiere, aber auch Erholungsraum für den Menschen. Das Waldgesetz stelle die Schutzfunktion des öffentlichen Waldes gleichrangig neben die Nutz- und die Erholungsfunktion. Weiher führte zu den alten Eichenbeständen am Lindenfirst, zum Wetzgauer Bach, der von Gartenpflanzen beeinträchtigt werde. Ein Großteil des Taubentals sei durch Forstwirtschaft, durch das Anpflanzen von Bäumen, in seine heutige Form gebracht worden. Darstellungen aus früheren Jahrhunderten zeigten, dass weite Bereiche wie zum Beispiel der Lindenfirst noch kahl waren.

Weiher erläuterte auch, wie die Forstwirtschaft die Zusammensetzung des Waldes verändere: Die Fichten machten inzwischen nur noch rund ein Viertel des Baumbestandes aus, über die Hälfte der Bäume im Taubental seien Laubbäume. Über die Hälfte der Waldesucher, so Johann Reck, wolle keinen Urwald antreffen, sondern einen „gepflegten“ Wald.

Etwas ganz Besonders landesweit.

Forstdezernent Johann Reck
über das Taubental

Zuhörerin Andrea Pietschmann kritisierte, dass die Pläne für den Bau einer Sommerrodelbahn 2013 doch gar nicht mit den städtischen Zielen für die Waldbewirtschaftung vereinbar gewesen wären. BUND-Regionalgeschäftsführer Andreas Mooslehner wies darauf hin, dass auch im Taubental deutlich weniger Vogelarten als früher vorkommen. Und Albert Bader erinnerte an die Vorschrift, dass Bauaktivitäten 30 Meter Abstand zum Wald einhalten müssten.

Ein Hektar umfasst 100 mal 100 Meter.

Eine Vor-Ort-Information bietet Jens-Olaf Weiher am Samstag, 28. Oktober, bei einer Waldbegehung. Treffpunkt für alle Interessierten ist um zehn Uhr am Parkplatz Taubental.

© Gmünder Tagespost 23.10.2017 22:17