Buhrufe und Applaus für Petry

07. März 2016  Gemeinderat, Presse, Redaktion

Wütende Proteste gegen die Alternative für Deutschland (AfD) in Gmünd, aber auch großer Zuspruch. Nach Polizeiangaben demonstrierten am Samstag etwa 500 Menschen gegen die Partei. Ebenso viele besuchten die Wahlkampfveranstaltung mit der Bundesvorsitzenden Dr. Frauke Petry.

Schwäbisch Gmünd. Draußen vor der Großsporthalle. In der Mörikestraße ist kein Durchkommen. Dutzende uniformierte Beamte, zahlreiche Polizeifahrzeuge und etwa 500 Demonstranten säumen den Platz vor der Halle. Die AfD-Gegner sind ausgestattet mit Trillerpfeifen und Tröten. Sie tragen Plakate mit Slogans wie „Blau ist das neue Braun“, „Rassismus ist keine Alternative“, „Gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus“ und „Kein Platz für Hetzer“. Zu der Demo hatte der DGB Ostwürttemberg aufgerufen. Über 30 verschiedene Verbände, Organisationen und Parteien folgten. Die Grünen, die Linke, die SPD, der Arbeitskreis Asyl, die Aids-Hilfe, die Lila Diva Lesbengruppe, das Regenbogencafé für schwule Männer, die Pressehütte Mutlangen, die katholische und evangelische Kirche und etliche weitere.
„Es ist hochnotwendig, dass wir Flagge zeigen und der AfD entgegentreten“, ruft SPD-Landtagskandidat Klaus Maier den Demonstranten zu. Die AfD sei menschenverachtend, antifeministisch, homophob, gegen Mindestlohn und Pressefreiheit – und somit ganz bestimmt „keine Alternative“, betonen Maier und weitere Redner wieder und wieder. „Frauke Petry und ihre Partei sind in Gmünd und auch sonst wo nicht erwünscht“, sagt IG Metall-Bevollmächtigter Roland Hamm. Tosender Applaus.
Während die Menschen vor der Halle demonstrieren, läuft im Inneren die AfD-Veranstaltung. Beide Gruppen werden von der Polizei getrennt.
So etwas, sagt Christl Cutter, habe sie noch nie erlebt. Die 70-Jährige wollte Frauke Petry am Samstag in der Großsporthalle hören, sich informieren. Der Sicherheitsbeauftragte jedoch ließ sie nicht in die Halle. Er habe ihr keinen Grund genannt, sagt sie der GT. „Ich brauche Ihnen dies nicht sagen“, sagt der Mann der GT. Wie Cutter ergeht es Funda und Eda Parlak. Auch sie dürfen nicht in die Halle.
Frauke Petry spricht beim Besuch in Gmünd über den Euro und Europa, über Presse, Familie und Kinder und über Einwanderung und Asyl. Sie sei froh, wenn Presse da sei, sagt Petry. Wenn Presse berichtet und nicht kommentiert. Damit „sich der Bürger selbst ein Bild machen kann“, sagt Petry. Die AfD ist für Petry wie ein „Fieberthermometer“, das zeigt, „wo’s nicht mehr läuft“. Ein Beispiel ist für sie der Euro. Der sei „bereits wirtschaftlich tot“. Es sei möglich, den Euro „gesteuert aufzulösen“, widerspricht sie einem Zuhörer. Über die Europäische Union brauche es die Diskussion, „welches Europa wir wollen“. Die AfD würde da „mit einem weißen Blatt neu anfangen“. Es brauche „kein EU-Parlament“. Es gebe nationale Parlamente, deren Entscheidungen auf europäischer Ebene umgesetzt würden. Deutschland brauche mehr Kinder, sagt Petry. Dies führe zu einem anderen Verhalten. Denn „Kinder zwingen uns, über den eigenen Lebenshorizont hinauszudenken“. Ein „gesundes nationales Selbstbewusstsein“ sei Voraussetzung, um innen und außen verantwortungsbewusst zu handeln, sagt Petry. Deutschland habe zwischen 1933 und 1945 Schuld auf sich geladen. Die Verantwortung daraus, für den Rechtsstaat einzutreten, sei riesengroß. Halte man es für selbstverständlich, sein Land zu lieben, müsse man auch über Einwanderung und Asyl reden. „Das Asylrecht wird missbraucht, um Einwanderung zu betreiben“, sagt Petry. Kurzfristig müsse dafür gesorgt werden, dass die Grenzen kontrolliert würden.
Viele Zuhörer rümpfen während des Vortrags die Nase. In der Halle habe es einen Buttersäureanschlag gegeben, sagt AfD-Landtagskandidat Jan-Hendrik Czada. Es sei peinlich, was manche Leute bei solchen Veranstaltungen bringen.
„Keine nennenswerten Störungen“, fasst Polizeisprecher Bernhard Kohn am Abend zusammen. Drei Platzverweise wegen Pöbelei habe es gegeben. In der Nacht zum Samstag musste die Polizei im Umfeld der Sporthalle aktiv werden. „Wir haben mehrere Plakate abhängen müssen“, sagt Kohn. Auf diesen war ein Bild Adolf Hitlers und der Parteiname der AfD zu sehen. „Offensichtlich keine Werbeplakate“, so der Polizeisprecher. Die Plakataktion werde nun bewertet, gegebenenfalls Ermittlungen eingeleitet.
Funda und Eda Parlak hörten Petry übrigens doch noch. Manuel Frey von der AfD verschaffte ihnen Zugang. Er wolle nicht, dass jemand draußen bleiben müsse, sagt er der GT. Christl Cutter jedoch wollte nicht mehr. Nachdem sie gefragt hatte: „Ist das Demokratie?“