Bürgerversammlung und 1500 Protestunterschriften gegen Freizeitpark-​Befürchtungen bei Wetzgau und Wustenriet

Auf riesengroßes Interesse ist gestern Abend in der Friedensturnhalle im Stadtteil Rehnenhof-​Wetzgau die Bürgerversammlung zum Thema Nachnutzung des Gartenschaugeländes gestoßen. Darüber freuten sich in ihrer Begrüßung Oberbürgermeister Richard Arnold und Ortsvorsteher Hannes Weiß ausdrücklich.

Beide gaben ihrer Erwartung Ausdruck, dass die unterschiedlichen Ansichten zum Thema gewiss noch „seriös und einvernehmlich“ (OB Arnold) aufeinander zubewegt werden können. Richard Arnold meinte abschließend auch mit Blick auf die Initiative „Bürgerpark“, die am gleichen Abend 1500 Protestunterschriften übergab: „Ich glaube, wir sind gar nicht so weit voneinander entfernt.“ Im Verlaufe des Abends mit Vorträgen der Gartenschau-​Macher und Stadtmarketing-​Strategen sah das anders aus. Mit den meisten Beifall fand die ruhige Wortmeldung eines Anliegers am Himmelsgarten, der dringend darum bat, im betroffenen Stadtteil mit mehr Respekt aufeinander zuzugehen. Den offenkundig wird ein Riss, der durch die Bevölkerung geht. Der Anwohner zeigte Verständnis für alle Bürger im Stadtteil, die sich über die zukünftigen Veranstaltungen freuen. Doch viele gingen hernach heim in ihre ruhigen Wohnstraße, während die Menschen direkt am Himmelsgarten den gesamten Rummel auf Dauer und Drumherum ertragen müssten. Die Protestunterschriften richten sich gegen Freizeitparkcharakter, Festival– und Openair-​Nutzung und überzogene Toursitikwerbung. Verwiesen wird auch auf die ungelöste Verkehrsproblematik.

Gartenschau-​Geschäftsführer Karl-​Eugen Ebertshäuser brachte sich immer wieder ausgleichend mit seinen Erfahrungen aus anderen Gartenschau-​Städten ein, wo sich stets solche Meinungsfindungsprozesse entwickelt hätten. Deswegen dürfe keine Rede davon, dass die Bürger nun aufs Kreuz gelegt worden seien, weil der Himmelsgarten als Familien– und Bürgerpark weiter betrieben werde. Und vor allem: Es müsse nicht damit gerechnet werden, dass zukünftig der gleiche Besucheransturm einsetze wie während der Gartenschau. Erfahrungsgemäß sei mit allenfalls 1000 Parkbesucher pro Wochenende zu rechnen.
Aufgebracht warf eine Bürger ein, dass die Stadtverwaltung bis heute den Sinn der Unterschriftensammlung nicht verstanden habe: Niemand wolle einen Rückbau des Gartenschaugeländes, doch was störe und ärgere sei, dass da der Himmelsgarten mitsamt der Natur des Taubentals als Marketing-​Konzept für den Tourismus und als Openair– und Festivalgelände beschrieben werde. Das sei vorher so nicht ausgemacht, vom Oberbürgermeister den Wetzgauern und Wustenrietern auch ganz anders versprochen worden.
Emotional erklärte eine junge Bürgerin: „Wetzgau war vor der Gartenschau doch nur ein Kaff!“ Es sei an der Zeit, dass mit der vorliegenden Freizeit– und Bürgerpark-​Planung vor allem auch für die junge Generation etwas getan werde. Sie fordert dazu auf, alle unter 30 mögen sich von ihren Plätzen erheben. Dieses Unterscheidung zwischen den Generationen wirkte nicht gut. Etliche ältere Bürger fühlten angegriffen. Viele erzählten auch, dass sie gerne in den Stadtteil gezogen seien, jedoch nun enttäuscht seien, was auch mit dem bislang ruhigen und intakten Erholungswald mit Wegebaumaßnahmen und Zäunen passiert sei.
Auf der anderen seite stellten sich alle anwesenden Ortschaftsräte und auch weitere Bürger hinter die Planungen mitsamt Marketing-​Strategie. „Wir Wetzgauer wandern doch auch gerne an Wochenenden mit hunderten anderen Ausflüglern beispielsweise durchs Wental ohne dass da jemand sagt, wir seien nicht erwünscht, weil wir dort die Natur stören!“ Auch dieser Einwurf fand in der vollen Halle viel Beifall.
Heftig kritisiert wurden auch Kommunikation und Wortwahl des Oberbürgermeister. Richard Arnold gestand ein, dass er gewiss nicht fehlerfrei sei. Auch habe er dazu gelernt. Ihm sei das Ausmaß der Belastungen der Anwohner während der Gartenschau nicht bewusst gewesen.

Rems Zeitung, 20.01.2015