Bürger wollen Charakter des Erholungswalds und Naturraums Taubental vor weiterem Rummel bewahren

04. November 2014  Gemeinderat, Presse, Redaktion, Sebastian Fritz

Nicht nur die von der Stadt formulierte Zukunft des Landschaftsparks (Himmelsgarten) als Festivalgelände und Freizeitpark sorgt für kritische Betrachtung in der Bürgerschaft (wir berichteten), sondern die Besorgnis auch zum Thema Taubentalwald (Himmelsleiter) ist groß.

Dies zeigte sich bei der inoffiziellen Bürgerversammlung, zu der Naturschutzverbände und ortsansässige Kommunalpolitiker in den völlig überfüllten Saal des Gasthofs „Krone“ eingeladen hatten. Mehrheitlicher Tenor unter den rund 150 Bürgern: Im Norden Gmünds ist die Bevölkerung doch sehr überrascht, dass die Stadtverwaltung entgegen früherer Aussage sozusagen ein Gartenschaugelände auf Dauer etablieren möchte. Dies vor allem bezugnehmend auf eine offenbar bleibende Einzäunung der Liegenschaften auf viele Jahre hinaus mit Abschneiden angestammter Wegverbindungen für Spaziergänger, aber auch für Schulkinder und Friedhofsbesucher.
Ein großes Anliegen der Wustenrieter Bürger: Sofortige Wiedereröffnung des Asphaltssträßchen entlang der Weleda-​Gärten. Dies sei, so wurde wiederholt betont, vom Oberbürgermeister bei mehreren Bürgerversammlungen und Sitzungen im Vorfeld der Gartenschau auch klar versprochen worden,
Rathaus-​Vertreter Markus Herrmann konnte trotz gezielter Nachfrage zu Plänen und Besitzverhältnissen noch keine Aussage darüber treffen, was die Firma Weleda nun mit ihrem Himmelsgarten-​Anteil vorhabe. Die Gespräche und Überlegungen hierüber seien im Gang, jedoch noch nicht abgeschlossen,
„Keiner von uns ist heute hier als Bruddler erschienen, um die tolle Landesgartenschau in Misskredit zu bringen“, betonte Moderator und Stadtrat Sebastian Fritz aus Wetzgau. Doch es gebe Formulierungen der Stadtverwaltung, die Sorge bereiten. So sei im „Prozess 2020“ sogar davon die Rede, dass die Besucherfrequenz im Taubental gar erhöht werden solle. Sein Eindruck sei vielmehr der, dass „wir Gmünder das Taubental lieben, auch ohne Freizeitpark-​Atmosphäre“. Ein Riesenbeifall stimmte dieser zentralen Aussage zu.
Andreas Mooslehner, Regionalgeschäftsführer des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) unterstrich: „Wir Naturschützer haben für die Gartenschau niemals die Käseglocke über das Taubental gestellt. Vielmehr habe man konstruktiv und gerne mitgearbeitet, um die Menschen im Taubental an das Thema Wald und Natur heranzuführen.“ Der BUND danke alle Bürgern, die sich erfolgreich gegen die ursprünglichen Investoren-​Pläne für Einrichtung einer Rodelbahn gestemmt hätten. Mit einer solchen Einrichtung wäre die Schmerzgrenze für den Wald überschritten gewesen. Weiterhin möge man achtsam sein, damit dort im Zwang des Erhalts eines Landschaftsparks kein „Fass für Investoren“ aufgemacht werde.
Professor Dr. Dieter Rodi, Vorstandsmitglied des Gmünder Naturkundevereins, beschrieb gleichfalls die gelungene Landesgartenschau mit den dort geschaffenen Einrichtungen, um vor allem auch Kinder und Jugendliche in den Wald zu locken, um ihnen dort die lebenswichtige Funktion des Waldes und die Zusammenhänge der Natur vor Augen zu führen. Aber daraus dürfe nie und nimmer ein Rummelplatz erwachsen. Rodis aktueller Apell: „In einem Wald haben auf keinen Fall Zäune etwas zu suchen!“
Das Taubental alleine ist Reichtum und Attraktion
Walter Beck vertrat die Position des NABU (Naturschutzbund Deutschland): Vor 20 Jahren sei er nach Schwäbisch Gmünd gekommen und habe sofort diesen extrem stadtnahen Taubentalwald mit seinem Reichtum an Pflanzen und Tieren ebenso ins Herz geschlossen wie alle Gmünder. „Man muss weit reisen, um eine Stadt zu finden, die einen solchen Reichtum aufweisen kann.“ Keine Frage, die Gartenschau GmbH habe für die 166 Tage einen tollen Job gemacht, wobei der Naturschutz im Taubental gerne auch an die „Schmerzgrenze“ gegangen sei, mit dem erfreulichen Effekt, dass bei vielen Besuchern das Interesse für die Belange des Waldes geweckt worden sei. Nun aber, so Beck, sei die Gartenschau vorbei und dringend müssten nun Zäune und Querwege wieder zurück gebaut werden.
Klaus Wacker, Obmann für die Biotophege der Kreisjägervereinigung, forderte ebenso wie seine Vorredner einen schnellen Abbau der Zaun– und Sperranlagen im Taubental. Jagdlich müsse leider festgestellt werden, dass das Taubental „tot ist“. Dem Idealismus und der persönlichen Verbundenheit des Jagdpächter sei es zu verdanken, dass die Pflege und Hege dort dennoch nicht aufgeben worden sei. Auch er bat, nicht noch mehr Rummel in den Wald zu bringen.
Die Interessen der Fahrradfahrer vertrat Wolfgang Kleinrath aus Großdeinbach: Gmünd nenne sich zwar gerne Hochburg der Fahrradkultur, doch im Bereich Taubental und Landschaftspark seien kurze und gute Wegverbindungen einfach abgezäunt und verschwunden.
Rathaus-​Sprecher Markus Herrmann, der voll des Lobes über die spontan organiserte Bürgerversammlung war („Es gibt noch keine Entscheidungen, wir befinden uns ja auch erst noch auf dem Weg zu Entscheidungen.“) hinterlegte das Versprechen: „Selbstverständlich werden alle Zäune im Taubentalwald abgebaut.“ Es sei aber vorgesehen, die Zaunanlagen am Taubentalrand auf die andere Seite des dortigen Rundwegs zu legen. Denn wiederholt beschrieb er unter Hinweis auf Gründe der Sicherheit und des Steuerrechts, dass der angedachte „Bürger– und Familienpark“ zumindest jetzt noch eingefriedet bleiben müsse, wobei die Tore — mit Ausnahme von Sonderveranstaltungen — geöffnet bleiben werden. Herrmann verdeutlichte, dass der Stadt durch einen günstigen Vorsteuerabzug für die Gartenschau-​Investitionen enorm Geld spare. Beachtliche Nachzahlung drohten, würde die Stadt diesen Weg von heute auf morgen nicht mehr gehen. Das gleiche Problem betreffe auch das Erdenreich in der Stadt. Auf eine konkrete Schadenssumme wollte sich der Stadt-​Sprecher nicht festlegen, appellierte jedoch wiederholt, dass die Bürger diese Schritte vertrauensvoll mitgehen sollten. Die Stadt benötige Zeit, um mit den Finanzbehörden entsprechend zu verhandeln. Seine zentrale Aussage und Befürchtung aber auch: „Würden wir alles aufmachen, uns nicht mehr um die Parks kümmern und alles nur dem Zufall überlassen, dann werde schon in wenigen Jahren gewiss alles verlottert und kaputt sein, was wir mit vielen Millionen Euro an Schönem und Nützlichem geschaffen haben.“ Auch für diese Aussage gab es viel Beifall. Siegfried Lautner, Vorsitzender des Freundeskreises Himmelsstürmer, stellte sich genau hinter diese Position und warnte die Kritiker, die Gartenschau und den Landschaftspark schlecht zu reden. Das wurde von den Angesprochenen mit Protest und Hinweisen quittiert, dass dies doch niemals irgendjemand im Stadtteil im Sinn habe. Die Gartenschau sei eine super Sache gewesen.
Aber die Bürger in Wetzgau seien verunsichert und dürften die Frage stellen, ob sie nun auf Dauer mit Staus, rücksichtslos geparkten Autos und Lärmbelästigungen bis tief in die Nacht zu rechnen hätten, zumal auch von einem Fest– oder Festivalplatz die Rede sei. Immer wieder auch die Anmerkung: Vor der Gartenschau sei von Stadtverwaltung und Stadträten lediglich von einem nachhaltig gestalteten Landschaftspark für die Bürger gesprochen worden, niemals jedoch von einem Familien– und Freizeitparks und gar eines Festivalgeländes. dazu die Aussage der Stadtverwaltung, dass dies alles für Menschen aus dem weiten Umkreis und vor allem aus dem Großraum Stuttgart beworben und bespielt werden soll.

Rems Zeitung, 4.11.2014