Bürger– und Freizeitpark Wetzgau findet kritische Betrachtung

Bild 2Die Initiatoren von Naturschutzverbänden sowie Moderator Stadtrat Sebastian Fritz zeigten sich gestern Abend selbst überwältigt angesichts dieses Bürgerinteresses: In Sachen Nachnutzung des Gartenschaugeländes bei Wetzgau und Zukunft des Taubental-​Stadtwaldes gab es in der „Krone“ schlichtweg keinen freien Stuhl mehr.

Dichtgedrängt saßen im Saal des Gasthofs „Krone“ rund 150 Befürworter und — mehrheitlich — auch Kritiker der Pläne der Stadtverwaltung für die Umwandlung des Himmelsgartens in einen „Freizeit– und Bürgerpark“ beisammen.
Ein Fazit gleich vorneweg: Niemand stellte den schönen Erfolg der Landesgartenschau und ein Ja zum Erhalt eines Landschaftsparks in Abrede. Das Problem: Den Menschen in Wetzgau-​Rehnenhof, Wustenriet und Großdeinbach war im Vorfeld der Gartenschau von den Planern nicht bewusst gemacht worden, dass Stadtverwaltung und Gemeinderat offenbar Größeres im Sinn hatten. OB Richard Arnold spricht von einem „Bürger– und Freizeitpark“ und von einem „Ausflugsziel mit Ausstrahlung in den Stuttgarter Raum“, was da als Nachfolgeinstitution gestaltet werden soll. Markus Herrmann, Rathaus-​Pressesprecher, verdeutlichte auch steuerrechtliche Überlegungen, wonach es ungünstig auch für den Steuerzahler wäre, wenn nun alle Zäune abgebaut und alle Gartenschau-​Liegenschaften dem ursprünglichen Zustand zurück geführt werden würden.
Das wollte in der Bürgerversammlung im Prinzip auch niemand. Es drehte sich in der zwar sachlichen, dennoch leidenschaftlichen Diskussion um die zentrale Frage, ob mit dem Ausrufen eines zukünftigen „Freizeit– und Bürgerparks“ durch den Oberbürgermeister möglicherweise eine Spirale in Gang gekommen sei, um in und bei Wetzgau sowie im Erholungswald Taubental möglichst viele Investoren, Parkplätze, mithin ein noch höheres Verkehrsaufkommen anzusiedeln bzw. auszulösen. Mehrfach machte sich dabei die Wetzgauer Bürgerin Andrea Stegmaier zur Sprecherin der außerparlamentarischen Bürgermeinung, die unter Beifall den gewählten Bürgervertretern vorwarf, ihren „privaten Standpunkt, nicht jedoch die Meinung der Wähler“ zu vertreten. Immer wieder wurde die Freude über die tolle und so unglaublich Landesgartenschau betont. Doch wurde auch in Erinnerung gerufen, dass — hätte man zuvor von den Plänen eines dauerhaften Freizeitparks gewusst — die Motivation und Begeisterung angesichts der Gartenschau-​Planungen ganz anders ausgefallen wäre. Es gab aber auch Wortmeldungen dahingehend: Gerade mit Steuergeldern sei doch so viel Gutes und Schönes investiert worden, das man nun nicht einfach dem Zufall überlassen dürfe. Sonst wäre der Park mit all seinen schönen Einrichtungen wie Wasserspielplatz in ein paar Jahren schlichtweg kaputt.Bild 1
Markus Herrmann von der Stadtverwaltung nannte die Veranstaltung gestern Abend gut und hilfreich, weil sich ja auch Stadtverwaltung und Gemeinderat in einem noch völlig offenen Meinungs– und Entscheidungsprozess befinden. Niemand habe die Absicht einen Rummelplatz mit Achterbahn oder ähnlichen Vergnügungen zu errichten. Herrmann hinterlegte bei den skeptisch gewordenen Bürgern auch die Versprechen: Niemand denke mehr an den Bau einer Rodelbahn im Taubental. Und: Es wird im Landschaftspark mit Ausnahme für Bau einer naturnahen Minigolfanlage keinerlei Investoren mehr geben. Er nannte aber die Absicht der Stadtverwaltung „an drei, vier Wochenenden im Sommer Openair-​Konzerte, Gottesdienste oder Blasmusiktreffen“ auf einer Bühne im Landschaftspark anzubieten. Auch deshalb mache es Sinn, die Umzäunungen stehen zu lassen, allerdings mit stets offenen Toren.
Sowohl für Taubentalwald als auch für Landschaftspark wurde jedoch aus der Versammlung heraus wiederholt die Forderung formuliert: Weg mit den Zäunen und Öffnung aller Wegverbindungen, so wie’s der Oberbürgermeister auch vor der Gartenschau versprochen hatte!
Misstrauen wurde auch den Absichten der Firma Weleda ausgesprochen. Umgehend soll vor allem auch das Gelände dort und der alte Verbindungsweg zwischen Wustenriet und Wetzgau für die Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden.

Rems Zeitung, 30.10.2014