Bleibt Petersweg am Rehnenhof?

OB: Bei Entscheidungen über Straßenumbenennung immer Anwohner einbeziehen

Der Bezirksbeirat Rehnenhof/Wetzgau entscheidet am Freitag, ob der Name Petersweg auf dem Rehnenhof erhalten bleibt. Dafür haben sich die Anwohner ausgesprochen. Neu in der Diskussion ist der Straßenname Richard-Bullinger-Straße im Schießtal. OB Arnold betonte am Mittwoch im Gemeinderat, dass er bei Entscheidungen über Straßennamen immer die Anlieger einbeziehen wird.

Schwäbisch Gmünd. Ausgangssituation beim Petersweg war die Empfehlung des Arbeitskreises Erinnerungskultur, diesen umzubenennen. „Carl Peters hatte im 19. Jahrhundert als Kolonialbeamter die Bevölkerung in Deutsch-Ostafrika brutal unterdrückt und wurde dafür verurteilt“, heißt es in der Vorlage der Stadt. 1937 sei er durch einen Erlass Adolf Hitlers rehabilitiert worden. Im Dritten Reich seien viele Plätze und Straßen nach ihm benannt worden, so auch auf dem Rehnenhof. Der Bezirksbeirat diskutierte dies im Februar und entschied, dass der Namensgeber Carl Peters keinesfalls für den Petersweg beibehalten werden könne. Und dass die Anwohner an einer Entscheidung beteiligt werden sollen. Dazu wurden zwei Möglichkeiten geboten:

der Straße einen völlig neuen Namen zu geben

den Namen Petersweg zu behalten, ihm aber mit dem Namen eine andere Persönlichkeit zuzuordnen, nämlich den schlesischen Maler und Lehrer Hans Peters.

Von 37 angeschriebenen Anwohnern antworteten 30. Von diesen sprachen sich 23 Anwohner dafür aus, den Namen Petersweg zu erhalten und ihn dem schlesischen Maler und Lehrer Peters zuzuordnen. Dieser neue Namensgeber soll durch eine Zusatztafel am Straßenschild bekannt gemacht werden. Endgültig entscheiden der Bezirksbeirat und der Gemeinderat. Dieser beschäftigte sich am Mittwoch mit einem weiteren Straßennamen. Sebastian Fritz (Die Linke) fragte die Stadtverwaltung, wie diese mit dem Namen Richard-Bullinger-Straße umgehen wolle. Bullinger sei ein hoher Angestellter im Reichsluftfahrtministerium gewesen, zuständig für die Koordinierung der kriegswichtigen Produktion im Luftfahrtsbereich, sagte Fritz. Er sei auch zuständig gewesen für die Verlagerung von Industrieanlagen ins Hinterland, etwa nach Gmünd. Dafür sei er von Stadtverwaltung mit Ehrungen überschüttet und mit der Benennung der Richard-Bullinger-Straße geehrt worden.

OB Arnold antwortete grundsätzlicher: Es gebe zu den Straßennamen mehrere Anfragen. Diese seien Thema im Arbeitskreis Erinnerungskultur. Er wolle den Punkt von Fritz aufnehmen. Der OB betonte dabei, dass er bei allen derartigen Anfragen „alle Anlieger einbeziehen“ werde. Stadtsprecher Markus Herrmann machte auf GT-Anfrage deutlich, dass der Aufwand für eine Straßenumbenennung unterschiedlich sei. Im Falle der Richard-Bullinger-Straße sei die ZFLS betroffen. „Das ist ein richtiger Einschnitt, das verursacht richtig Kosten“, sagte Herrmann.

Auch die Schwäbisch Gmünder Jusos melden sich zu Wort. Sie sprechen sich gegen den Namen „Petersweg“ aus. Peters sei ein „Rassist und Menschenschinder“ gewesen, erklären sie. Die Jusos wünschen sich eine ausführliche Diskussion über Straßennamen. mil

© Gmünder Tagespost 04.05.2012