„Bitte erst den Ortschaftsrat befragen“

Die Suche nach Lösungen für eine verbesserte Verkehrsanbindung des wachsenden Industriegebiets Gügling wird die Kommunalpolitik weiterhin beschäftigen. Das wurde am Mittwoch im Gemeinderat deutlich. Hierzu wurde die Idee der Umwidmung der Route nach Zimmern in eine Anliegerstraße als Antrag in den Raum gestellt.
SCHWÄBISCH GMÜND (hs). Anlass für die erneute Debatte war die Entscheidung über den Bau einer neuen Verbindungsstraße des Industriegebiets in seinem östlichen Bereich an die Ortsumfahrung Bargau. Diese Verknüpfung gibt es zwar schon, doch ist sie sehr schmal und nur für Pkw geeignet. Nun soll im Rahmen der geplanten Erweiterung des Gewerbe- und Industriegebiets in seinem nordöstlichen Sektor die Lise-Meitner-Straße verlängert und eine auch für den Schwerlastverkehr geeignete Zufahrt zur Bargauer Ortsumgehung münden. Die Trassenvariante, die sich weitgehend an das alte Verbindungssträßchen anschmiegt, fand die mehrheitliche Zustimmung des Gemeinderats. Rund sechs Millionen Euro will die Stadt investieren, verbunden mit der Hoffnung auf Zuschüsse.
Doch zuvor gab es eine rege Aussprache. Fraktionsvorsitzender Gabriel Baum (Grüne) bekräftigte die Forderung nach einer ganzheitlichen Betrachtung der Auswirkungen dieser Maßnahme mittels einer Verkehrsanalyse. Die Erfahrung zeige doch, dass neue Straßen immer neuen Verkehr anziehen. Die Verwaltung sagte die Analyse zu.
Indirekt wandte sich Stadtrat Johannes Zengerle (SPD) an den zukünftigen Landrat des Ostalbkreises und Noch- Bürgermeister Dr. Joachim Bläse: Eigentlich habe die geplante Straße Bedeutung für die gesamte Region, so dass diese doch als Kreisstraße klassifiziert und als solche auch finanziert werden sollte.
Dringend, so Johannes Zengerle weiter, brauche der Gügling auch Verbesserungen bei der Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr.
Das war auch das Anliegen von zwei Anträgen der Fraktion Die Linke, die überraschend als Ergänzung der Beschlussvorlage eingebracht wurde: Paralell zu der Straßenbaumaßnahme müsse, so eine zentrale Forderung, ein umfassendes Mobilitätkonzept für den Gügling erarbeitet werden, das den ÖPNV ebenso umschließe wie ein gutes Radwegenetz. Auch die Geschäftsleitungen und die Arbeitnehmervertretungen der auf dem Gügling ansässigen Unternehmen und natürlich der Ortschaftsrat sollten einbezogen werden. Fraktionschef Sebastian Fritz schilderte, dass es da offenbar noch einen erheblichen Nachholbedarf gebe.
Interkommunales Verkehrskonzept mit der Nachbarstadt Heubach?
Auch verwies Fritz auf die erhebliche Verkehrsbelastung und Gefahrensituation der Anwohner im Stadtteil Zimmern, weil die kleine Verbindungsstraße nach Bargau rege von Autofahrern in und aus Richtung Gügling genutzt werde. Daher fordere Die Linke Stadtverwaltung und Gemeinderat dazu auf, eine Umwidmung der Straße zwischen Zimmern und Gügling zur Anliegerstraße zu prüfen, diese also für den Pendlerverkehr zu sperren, denn es sei mit einer weiteren Zunahme der Belastung zu rechnen.
OB Richard Arnold bremste jedoch und warnte vor einer voreiligen Entscheidungen. Die sei so weitreichend, dass bitte zunächst einmal der Ortschaftsrat Hussenhofen befragt werden sollte. Denn die Straßensperrung in Zimmern würde zwangsläufig zu einer Mehrbelastung im Hauptort Hussenhofen führen. Das gehöre zu einer ehrlichen Betrachtung. Zweifellos sei Zimmern ein Juwel mit einem tollen bürgerschaftlichem Engagement. Auch meinte der Oberbürgermeister, dass es dringend erforderlich sei, mit der Stadt Heubach einen Schulterschluss bezüglich des Wunsches nach baldigem Bau der geplanten Nordumfahrung der Rosensteinstadt zu vollziehen.
Die Entwicklung eines interkommunalen Verkehrskonzeptes sei im zusammen mit der Landesstraße bei Bargau und der Anbindung des Industriegebiets Gügling in Richtung Osten und Remstal naheliegend.

 

Copyright, Rems Zeitung 3.7.2020