Bettringer Verkehrskonzept kommt

SCHWÄBISCH GMÜND (hs). Der Bau- und Umweltausschuss des Gemeinderats sag- te gestern in einer Vorberatung zwar „ja“ zur geplanten Erweiterung des Industrie- gebiets Gügling. Doch wird die Zustim- mung an die Erwartung verknüpft, dass die Stadtverwaltung zeitnah ein Ver- kehrskonzept für Bettringen entwickelt.

Dieser aktuell größte Industriepark in Ostwürttemberg umfasst derzeit eine Fläche von 95 Hektar und soll im Nordos- ten um weitere 14 Hektar wachsen. 60 Firmen und rund 4000 Menschen arbeiten auf dem Gügling. Allein der in Waldstet- ten beheimatete und international enga- gierte Küchenhersteller Leicht will im neuen Abschnitt „Gügling Nord III“ eine Fläche von 80 000 Quadratmeter erwer- ben, um dort eine 40 000 Quadratmeter große Produktionshalle zu errichten. Auch der geplante Umzug der Firma Gat- ter von der Mutlanger Straße muss be- rücksichtigt werden.

Die Bettringer Ortsvorsteherin und Stadträtin Brigitte Weiß (CDU) erklärte, dass der Ortschaftsrat zu seiner Verant- wortung um Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen am Wirtschaftsstand-

ort Schwäbisch Gmünd stehe. Doch zu- nehmend habe die Bettringer Bevölke- rung unter der wachsenden Belastung insbesondere durch den Lkw-Verkehr zu leiden. Daher erfolge die Bettringer Zu- stimmung nur unter Bedingung besseren verkehrslenkenden Maßnahmen rund um das Industriegebiet.

Stadtrat Konrad Sorg (SPD) zeigte sich in seiner ausführlichen Betrachtung in- nerlich sehr zwiegespalten. Er erinnerte sich an seine Jugend, als der Gügling noch reines Acker- und Weideland war. Es sei schier unglaublich, wie nur in einem Menschenleben ein solch riesige Fläche zugebaut worden sei und nun weiter wer- de. Auch Konrad Sorg bedauerte das Feh- len eines wirkungsvollen Verkehrskon- zepts. Längst überfällig sei eine bessere Anbindung des Industriegebiet an den Öffentlichen Personennahverkehr. Men- schen, die dort arbeiten und auf den Bus angewiesen seien, müssten gar kilometer- lange Fußmärsche unternehmen, um in Oberbettringen zu Bushaltestellen zu ge- langen. Nur ganz wenige direkte Verbin- dungen gebe es. Dieses Anliegen wurde auch von den anderen Fraktionsspre-

chern unterstrichen. Stadtrat Karl Miller (Grüne) drängte auf eine ökologische Ge- staltung mit konsequenten Dachbegrü- nungen der Industriegebäude. Stadträtin Susanne Lutz (Bürgerliste) forderte statt eines Bettringer Verkehrskonzepts eine ganzheitliche Betrachtung der Probleme und Lösungsmöglichkeiten für die ganze Stadt. Es dürfe doch nicht seine, dass Gmünd nun den Einhorntunnel habe, je- doch die Verkehrsteilnehmer weiterhin mehr im Stau stehen als fahren. Stadträ- tin Karin Rauscher (FWF) drängt auf ei- nen Direktanschluss des Gügling an die neue Ortsumfahrung Bargau. Nicht erst nach der nächsten Gügling-Planung, son- dern schon jetzt über Verkehrsalternati- ven nachdenken, so erwartet auch Stadt- rat Sebastian Fritz. Und dazu gehöre auch das Thema Radwege. Stadtrat El- mar Hägele (Grüne) schlug einen Zusam- menschluss von Gügling-Firmen vor, mit der Zielsetzung Bus-Werksverkehre ein- zurichten. Bei 4000 Menschen dort sollten doch auch die ÖPNV-Anbieter ein verlo- ckendes Potenzial an Kunden erkennen. OB Arnold versprach: Ein Verkehrskon- zept werde in Angriff genommen.

Rems Zeitung, 08.03.2018