Bestmöglicher Abschluss für Alle

Erhard Korn - Rektor einer Grund- und Werkrealschule und Mitglied der GEW Fachgruppe der Haupt- und Werkrealschule

Auf Einladung des Ortsverbandes der Linken Schwäbisch Gmünd gab es einen weiteren Themenabend in der Gaststätte Neue Welt. Dieses Mal ging es um die Bildungspolitik im Land und der Schulentwicklung in der Stadt Schwäbisch Gmünd.

Die Landesregierung sei nun zwei Jahre im Amt und habe unter anderem im Koalitionsvertrag eine bessere Bildung für Alle festgeschrieben. So führte Sebastian Fritz in das Thema ein. Leider sei davon wenig umgesetzt worden, da alles der sogenannten Schuldenbremse unterliege und daher wichtige Reformen nicht adäquat umgesetzt werden könnten. Als Einstieg in die Diskussion über Umsetzung und Schwerpunkte der angedachten Bildungsreformen stand als erstes fest, 11600 Lehrerstellen zu streichen. „Einen Reformprozess mit dieser Ankündigung initiieren zu wollen gleicht einer Illusion. Selbstverständlich wissen wir alle um die demografische Entwicklung, aber wenn man die Versprechen um Ausbau der Ganztagesschulen, Verbesserung der Qualität in den Ganztagesschulen, Inklusion und so weiter wirklich umsetzen wolle, dann kann dies sicherlich nicht mit weniger Personal geschehen“, so Sebastian Fritz. Im übrigen hat die SPD in ihrem Wahlprogramm zur anstehenden Bundestagswahl erneut ein Versprechen abgegeben, die Ganztagesschulen an den Grundschulen flächendeckend einzuführen. Dies würde nach aktuellen Berechnungen allein ca. 10000 Stellen in Baden Württemberg bedeuten.

Der Hauptreferent des Abends, der Rektor einer Grund- und Werkrealschule und Mitglied der GEW Fachgruppe der Haupt- und Werkrealschule Erhard Korn wies dann gleich zu Beginn seines Referates darauf hin, dass die Bildung schon in der KITA beginnt. Daher sei es umso wichtiger, dass dieser Bereich verbindlichen Zielen unterliegt. Leider sei derzeit zu beobachten, dass durch die Nichterfüllung des Rechtsanspruches auf einen Betreuungsplatz in vielen Kommunen, auch die Einführung des Orientierungsplanes in Gefahr sei.

Bei der Entwicklung in der weiterführenden Schule sei es ganz wichtig, dass jetzt endlich klare Vorgaben von Seiten des Landes aber auch der Kommunen gemacht werden. Die Gemeinschaftsschule müsse dringend kommen um der sozialen Ausgrenzung etwas entgegen zu setzen. „An vielen Hauptschulen und Werkrealschulen kann man schon seit längerem beobachten, dass es Lernumgebungen gibt, die nicht mehr zum Lernen anregen, sondern eher davon abhalten. Daher ist es wichtig, dass die Gemeinschaftsschule eine Chance für alle bietet um sich an den besten zu orientieren und damit allen eine Möglichkeit zum Erreichen des bestmöglichen Abschlusses zu gewährleisten“, so Erhard Korn. Klar sei aber auch, dass dies nicht mit weniger Personal zu leisten sei. Die Gemeinschaftsschule kann als Schultyp nur funktionieren, wenn es dann für alle ein ausreichendes Lernangebot gebe.

Kritisch sehe er die Haltung vieler Realschulkollegen. Diese haben noch immer die Hoffnung, dass der Kelch der Ganztagesschule und die Einführung einer Gemeinschaftsschule an ihnen vorbei gehe. Doch dies birgt die große Gefahr, dass auch die Realschule zur Hauptschule bzw. Werkrealschule wird und damit der Eindruck einer Restschule entsteht. „Ich möchte den Realschulen dringend raten jetzt zu reagieren um mit einer Konzeption für einen großen Gemeinschaftsschulstandort möglichst eine Oberschule drauf zu setzen und dann dieses heterogene Lernumfeld anbieten zu können“, so Erhard Korn. Dafür seien aber sogenannte Entwicklungsbrücken wichtig, da es für die Kollegen an der Realschule möglicherweise eine große Hemmschwelle darstellt zum einen eine Ganztagesschule und gleichzeitig eine Gemeinschaftsschule zu konzipieren wie dies noch aktuell vom Kultusministerium vorgesehen ist. Hier sei der Bildungsminister Herr Stoch aufgerufen nochmals zu korrigieren.

Weiteres Anliegen war das Thema des Abschulens. Erhard Korn wies darauf hin, dass dies dazu führe, dass die Schüler mit Problemen und einem gewissen Frustpotenzial nach unten durchgereicht werden. Er ist klarer Befürworter des Abschaffens dieser Regelung um nicht die Gemeinschaftsschule dem Eindruck auszusetzen sie sei eine Restschule. Leider blieb es bei dem Vorstoß von Kultusminister Stoch nur bei einer Ankündigung. Konkrete Vorschläge wie dies umzusetzen sei sind bislang noch keine erfolgt.

In der anschließenden Diskussion ging es dann vor allen Dingen um die Entwicklung in Schwäbisch Gmünd. Die anwesenden waren sich einig, dass neben der Friedensschule im Rehnenhof als ersten Gemeinschaftsschulstandort noch weitere folgen müssten. Denn die neuesten Zahlen belegen einmal mehr die geringe Akzeptanz der Haupt- und Werkrealschulen und geben daher Anlass auch für die Realschulen zu Handeln. „Wir sehen die Stadtverwaltung in der Pflicht nicht länger zuzuwarten, sondern jetzt zu handeln wo es noch die Zeit dafür gibt. Vor allen Dingen vor dem Hintergrund der Schulstandorte, denn wir sind aufgrund der Bausubstanz gezwungen, in die Standorte die zu erhalten und in die Jahre gekommen sind, zu investieren“, so der Stadtrat Sebastian Fritz. Dies untermauerte auch der Rektor der Uhlandschule Bettringen nochmals: „Solange wir die sozial benachteiligten Kinder an einer Schule haben, können wir die Probleme nicht lösen“, so Bernd Schlecker und plädierte damit einmal mehr für die Gemeinschaftsschule.