Bei kleinem Geld gibt’s Nachlass

Sebastian FritzDie Elternbeiträge für die Kinderbetreuung werden mit Beginn des neuen Schuljahres leicht steigen. Nicht für alle, denn die Stadt will finanziell schwächer gestellten Familien unter die Arme geifen. Unter 3100 Euro Bruttofamilieneinkommen sind Nachlässe möglich.

Kuno Staudenmaier

Schwäbisch Gmünd. In der gemeinsamen Sitzung des Verwaltungsausschusses und des Sozialausschusses signalisierten alle Fraktionen Zustimmung. Der Gemeinderat muss den neuen Gebühren noch zustimmen. Außerdem präsentierte die Verwaltung die aktualisierte Bedarfsplanung für Kindergärten und Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren.
Die Beitragsstaffelung, so informierten Bürgermeister Dr. Joachim Bläse und Thilo Störzer vom Amt für Bildung und Sport, richtet sich nicht nur nach der Zahl der Kinder in den Familien, sondern vor allem nach dem ausgewählten Angebot. Allein für die Regelgruppe für Kinder von Drei bis Sechs gibt es vier Preise. Je nach Familiengröße zwischen 108 und 17 Euro. Kinder unter Drei zahlen in einer altersgemischten Gruppe bis zu 216 Euro. Der Höchstbeitrag wird für Kinder unter Drei in einer Krippe fällig, wenn bis zu 10,5 Stunden am Tag gebucht werden, nämlich 542 Euro im Monat.
Die Beiträge der Eltern finanzieren aber die Einrichtungen in Schwäbisch Gmünd bei weitem nicht. 60 Prozent der Kosten trägt die Stadt, 26 Prozent kommen vom Land über den Finanzausgleich und nur 14 Prozent von den Kindergartengebühren. Daran ändert die jetzt vorgesehene Erhöhung nichts, entsprechend steigen die Ausgaben. Außerdem ist die Stadt gehalten, die Gebühren in Krippengruppen schrittweise auf 100 Prozent der von den Kirchen und kommunalen Landesverbänden vorgeschlagenen Tarife anzuheben. Im Jahr 2015/2016 liegt man bei 87 Prozent der Empfehlungen. Ziel ist es, den Elternanteil an den Kosten für die Kinderbetreuung bis 2018/2019 auf 20 Prozent anzuheben.
Zur weiteren Unterstützung der Familien schlägt die Verwaltung einkommensabhängige Gebührensenkungen für Krippengruppen und Ganztagsbetreuung vor. Das soll dann nicht nur für die unter städtischer Regie laufenden Kindergärten in Schwäbisch Gmünd gelten, sondern auch für die kirchlichen Träger. Der Aufwand für die Kinderbetreuung – die Stadt trägt dabei 8,9 Millionen Euro – sei eine Investition in die Zukunft der Familien, meinte Marianne Barthle (CDU). Trotz angestrengter Finanzlage sei das zu unterstützen. Hans-Jürgen Westhauser begrüßte die soziale Staffelung, deren Berechnung aber schwierig und vielleicht nicht immer gerecht sei. Zustimmung kam auch aus den Fraktionen Grüne (Gabriel Baum), FW/FDP (Werner Nußbaum), FW Frauen (Karin Rauscher) und Linke (Sebastian Fritz).

Mehr U3-Plätze als gefordert
Beim Kindergartenbedarfsplan verwies Störzer auf das breite Angebot der Stadt. So sei man mit 425 Plätzen im U3-Bereich besser versorgt als es der Gesetzgeber vorschreibe. In einer Reihe von Einrichtungen stehen im laufenden Jahr Veränderungen an. So wird der Kindergarten St. Maria in der Weststadt zum Schuljahresende geschlossen, in der „Villa Holder“ in Großdeinbach entsteht eine Kooperationsgruppe mit der „Reha-Südwest“. Im Oktober schließt der Kindergarten St. Hedwig, dafür eröffnet das Kinderhaus am See.
„Begrüßenswert“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Alfred Baumhauer zu dem vielfältigen Angebot für Kinder bis zum Schulanfang. Im städtischen Haushalt sei das zur zentralen Aufgabe geworden. „Und wenn wir nicht die kirchlichen Träger hätten, wäre unser Beitrag schon auf über zehn Millionen angewachsen.“ Deshalb müsse man die Kosten im Auge behalten, auch vor dem Hintergrund, dass es nach den Tarifverhandlungen einen deutlichen Zuschlag für Erzieherinnen und Erzieher geben werde. Die SPD-Fraktionschefin Sigrid Heusel lobte die Anstrengungen der Stadt auf diesem Gebiet. Vor 15 Jahren habe es in ganz Schwäbisch Gmünd gerade mal zehn U3-Plätze gegeben, jetzt seien es 425. Sie gab aber zu bedenken, dass diese U3-Angebote nicht ganz gleichmäßig verteilt seien, etwas zu wenige in der Innenstadt, ein größeres Angebot in Stadtteilen. „Gut gemanagt“, meinte Grünen-Sprecher Gabriel Baum und Werner Nußbaum hatte ein lobendes Wort für das Engagement der Stadt in Straßdorf. Ein Bildungshaus Straßdorf ist nicht vom Tisch, aber wohl erst nach 2020 ein Thema, das sagte Joachim Bläse auf eine Anfrage von Karin Rauscher (FW Frauen). So lange bleibt der Kindergarten Emerland in Betrieb. Sebastian Fritz lobte die Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher und regte an, die Forderungen der Gewerkschaft Verdi zu unterstützen.