Baumfällungen trotz Veto von OB und Baumkommission

Irgendwie scheint der Überblick verloren zu gehen, wie viele Bäume derzeit in der Großbaustelle Schwäbisch Gmünd gefällt und wie viele neu gepflanzt werden. Dasstädtische Gartenbauamt hat allein 12 000 Bäume zu betreuen – da kann mancher abhanden kommen.

SCHWÄBISCH GMÜND (rw). So, wie es am Donnerstag letzter Woche geschehen ist, dem letzten Tag vor Beginn der Vegetationsperiode, rief es den Zorn von Mitgliedern der Baumkommission hervor. Die Stadträtin Eva-​Maria Hack (Frauen) sowie die Stadträte Sebastian Fritz (Linke) und Karl Miller (Grüne) fühlen sich übergangen. Sie hatten nach einer Besichtigung am 19. Februar ihr Veto gegen das Fällen zweier etwa 50-​jähriger Laubbäume an der Südmauer des Leonhardsfriedhof eingelegt. Zum Niederlegen zweier Linden, die näher an der Straße standen und dort den früheren Parkplatz säumten, der jetzt als Abstellfläche für die B 29-​Baustelle genutzt wird, hatten sie ihr Plazet gegeben. Jetzt sind alle vier weg. Im Zuge der Landesgartenschau soll die Fläche zwischen Leonhardskirche und Herrgottsruhkapelle neu gestaltet werden. Pikant: gegen die Baumfällung am Leonhardsfriedhof hatte auch OB Richard Arnold sein Veto eingelegt – er informierte die Räte am Donnerstag, dass die Bäume weg seien.

„Wir sind nicht generell gegen Fällungen“, betonen die Räte. Wenn es um schlüssige Gestaltung, kranke oder nicht wertvolle Bäume sowie um Sicherheitsaspekte gehe, stimme man zu. „Aber wir sind auch diejenigen, die den Ärger von Bürgern aushalten und das rechtfertigen müssen.“ Die Mitglieder der Baumkommission fühlen sich neuerlich übergangen und vor vollendete Tatsachen gestellt.

Im Falle der Bäume am Friedhof hätte man auch den umgebenden Pflasterbelag erhalten können, sagt Eva Hack. Gartenbauamts-​Chef August Ströbele habe aber auf dem künftigen „Platzcharakter“ beharrt. Sebastian Fritz: „Es gab die Zusage nochmals Rücksprache mit uns zu halten. Das ist nicht geschehen.“

Gegen eine weitere Baumfällung, beabsichtigt vom Gartenbauamt, haben die Räte ebenfalls ihr Veto eingelegt. Die wohl 80-​jährige, bereits stark gestutzte Linde links vom Kreuz am Fünfknopfturm sei krank. „Wenn man die nochmals schneidet, sieht das furchtbar aus.“ Eva Hack fordert, den Baum dieses Jahr jedenfalls noch stehen zu lassen, dann sehe man, wie er sich entwickle und ob er es noch über die Landesgartenschau schafft.

Kritisiert werden auch Grabarbeiten ohne Rücksicht aufs Wurzelwerk. Am Fünfknopfturm sei dies ebenso geschehen wie an den Bäumen im Graben. Karl Miller: „Wir haben das x-​Mal angemahnt. Wir haben so viele geschädigte Bäume, dann wollen wir die schönen großen nicht auch noch verlieren.“ Der Gartenbauamtsleiter sagt, er habe das Veto weitergegeben. Zur ausführenden Firma ist es anscheinend nicht durchgedrungen. Wieder mal eine Kommunikationspanne?

Rems Zeitung, Schwäbisch Gmünd | Dienstag, 05. März 2013