Baugebiete in der Beschleunigung

Auf der einen Seite steht der Wunsch von jungen Familien nach einem eigenen Heim, auf der anderen, Flächen zu schonen. Dazwischen bewegt sich die Diskussion im Gmünder Gemeinderat über die Entwicklung von neuen Wohnbauplätzen. Am Mittwochabend geht es konkret um zwei geplante Baugebiete:

Das Gebiet Hopfengarten: Am Ortsausgang von Hussenhofen Richtung Herlikofen plant die Stadt, sechs Bauplätze auf einer 6000-Quadratmeter-Fläche zu erschließen, die bisher im Flächennutzungsplan für Landwirtschaft vorgesehen ist. Die Straße „Am Hopfengarten“ ist damals so angelegt worden, dass das Baugebiet mühelos abgerundet werden kann, hat Planungsamtsleiter Gerhard Hackner den Stadträten bei der Vorberatung im Bau- und Umweltausschuss erläutert. Vertreter der Fraktionen Grüne, SPD, Linke und Bürgerliste regten an, dort mehr Menschen unterzubringen und fragten, ob auch Mehrfamilienhäuser möglich wären.

Im Gemeinderat beantragt die Linke-Fraktion nun konkret, die sogenannte Bruttowohndichte in dem Gebiet zu erhöhen, also die Anzahl der Menschen, die auf einem Hektar Fläche leben. Der Regionalverband Ostwürttemberg lege für Schwäbisch Gmünd eine mittlere Wohndichte von 60 Einwohnern pro Hektar fest. Der vorliegende Bebauungsplan jedoch lasse lediglich eine Bruttowohndichte von 22 bis maximal 44 Einwohnern pro Hektar zu. Nehme man das ganze Gebiet mit dem Bereich „Am Katzenbuckel“, liege die Dichte bei 74 Einwohnern pro Hektar, entgegnet Gerhard Hackner.

Ein zweiter Antrag der Linken bezieht sich darauf, dass die Stadt den Bebauungsplan im beschleunigten Verfahren durchziehen will. Die Linke-Fraktion fürchtet, dass damit ökologische Belange nicht ausreichend berücksichtigt werden. Dem schließt sich Grünen-Stadtrat Karl Miller an: „Wir brauchen einen ökologischen Ausgleich und eine vertiefte naturschutzrechtliche Bewertung“, fordert er, „dafür sollten wir uns wirklich Zeit nehmen“.

Oberbürgermeister Richard Arnold sagt dies zu, plädiert aber dennoch für das beschleunigte Verfahren, „damit wir zu Potte kommen“. Er wolle die jungen Familien nicht enttäuschen, die auf einen Bauplatz warteten. „Die Welt hört nicht an den Stadtgrenzen von Gmünd auf“, sagt das Stadtoberhaupt, der den Bauplatzinteressenten nicht sagen will: „Ihr müsst jetzt nach Iggingen oder nach Mutlangen.“

Hussenhofen braucht Bauplätze für die eigene Bevölkerung, betont Ortsvorsteher Josef Heißenberger. Der Ortschaftsrat sei einstimmig für das Baugebiet. „Wenn wir jetzt den Beschluss des Ortschaftsrates ignorieren, brauchen wir den Ortschaftsrat nicht mehr“, sagt CDU-Stadtrat Christoph Preiß dazu.

Die Welt hört nicht an den Stadtgrenzen von Gmünd auf.

Richard Arnold, Oberbürgermeister

Richard Arnold schlägt dem Gemeinderat vor, nun den Aufstellungsbeschluss zu fassen und verspricht, alle Details vor der Aufstellung des Entwurfs für das Baugebiet mit den Fraktionen abzustimmen. Diese Zusage müsse gelten, betont SPD-Fraktionschefin Sigrid Heusel. Angesichts von 250 Interessenten sei das Gebiet sehr sinnvoll, stimmt auch BL-Sprecher Ullrich Dombrowski zu.

FWF-Rätin Dr. Constance Schwarzkopf-Streit spricht sich an dieser Stelle für eine maßvolle Bebauung, nicht für Mehrfamilienhäuser aus. Doch um Fragen wie diese soll es erst im nächsten Schritt gehen. Einstimmig ist der Rat für dieses Vorgehen.

Das Gebiet Wohnen am Vogelhof: Bei den Plänen für acht neue Bauplätze mit je ein bis zwei Wohneinheiten auf 8000 Quadratmetern Fläche am Vogelhof geht es um dieselben Fragen wie beim Hopfengarten. Auch auf einen Antrag der Linke-Fraktion hin. Der Oberbürgermeister sagt auch hier Ausgleichsmaßnahmen im Sinne der Ökologie und eine Prüfung nach dem Naturschutzrecht zu – trotz des beschleunigten Verfahrens. Dieses Verfahren biete der Stadt „die beste Rechtsposition“, ergänzt Baubürgermeister Julius Mihm. Das sei wichtig in Zeiten, in denen Investoren von Nachbarn „ausgepresst“ würden und etwa Entschleunigungsgeld zahlen müssten.

Mehrere Stadträte hatten schon bei der Vorberatung angekündigt, dieses Baugebiet für „Reiche“ nicht zu unterstützen. Die Mehrheit des Gemeinderats sprach sich nun jedoch dafür aus – bei 13 Gegenstimmen und einer Enthaltung aus den Fraktionen Grüne und Linke.

© Gmünder Tagespost 20.11.2019 22:43