Baugebiet für „Reiche“ ist umstritten

Schwäbisch Gmünd. Die Pläne für acht neue Bauplätze geben am Mittwochabend im Bau- und Umweltausschuss den Anstoß für eine Grundsatzdiskussion über Klimaschutz, Flächenverbrauch und sozialen Wohnungsbau. Konkret geht es um den Entwurf für den Bebauungsplan „Wohnen am Vogelhof“. Die Stadtverwaltung plant, 2020 an der Vogelhofstraße acht Bauplätze auf 8000 Quadratmetern Fläche zu verkaufen, wie Stadtplanungsamtsleiter Gerhard Hackner erklärt. Bereits vor zwei Jahren hatte die Stadtverwaltung den vom Gemeinderat beschlossenen Entwurf für den Bebauungsplan für dieses Gebiet öffentlich gemacht. Die Anregungen von Nachbarn, vom Regierungspräsidium und anderen Stellen hat die Stadt mittlerweile eingearbeitet. So sieht der neue Entwurf etwa Wendeplatten statt Stichstraßen vor. Damit die kalte Luft dort durchfließen kann, sei eine lockere Bebauung geplant, sagt Hackner. In den acht Häusern dürfen jeweils maximal zwei Wohneinheiten entstehen. In den oberen zwei Reihen am Hang sind Flachdächer vorgeschrieben, in den unteren zwei Reihen Satteldächer.

Viel Fläche für wenig Leute

Die Grünen-Fraktion habe die Pläne 2017 abgelehnt und lehne sie heute ab, sagt Grünen-Stadtrat Karl Miller. Er kritisiert, dass das Baugebiet „mitten in der Landschaft“ entstehen soll. In einem Areal, das im Flächennutzungsplan für Landwirtschaft vorgesehen ist. Dies müsste geändert werden. Und davon profitierten letztlich nur sehr wenige.

SPD-Stadtrat Tim-Luka Schwab erkundigt sich, ob dort auch sozialer Wohnungsbau möglich wäre. Und erhält ein klares Nein von Baubürgermeister Julius Mihm: Die Erschließung der Bauplätze in dieser Hanglage wäre „viel zu teuer“. Er plädiert: „Wir brauchen Wohnbauplätze für Reiche.“ Denn „eine solide Einkommensteuereinnahme fehlt uns“. Auf der anderen Seite lebten in Gmünd im Vergleich zu anderen Orten im Ostalbkreis bereits überdurchschnittlich viele Menschen, die Sozialleistungen erhalten. Offenbar gebe es hier also „genügend“ Wohnungsangebote für sozial schlechter gestellte Bürger.

Das sei nun ein Baugebiet, in dem es für die Stadt darum gehe, Geld zu verdienen, ergänzt Finanzbürgermeister Dr. Joachim Bläse und appelliert: „Wir wären dankbar, wenn Sie uns helfen, den Vogelhof zu entwickeln.“ Alles andere würde ihn „echt in Not bringen“, sagt Joachim Bläse, denn das Geld sei bereits im Etat eingeplant. Und die Flächen dafür habe die Stadt bereits vor ein paar Jahren gekauft.

„Bitte denken Sie auch mal wirtschaftlich“, appelliert Dr. Peter Vatheuer (FDP/FW) an die anderen Stadträte: „Gmünd ist auf einkommensstarke Menschen angewiesen.“ Die Nachfrage auch nach solch exklusiven Bauplätzen sei da, sagt CDU-Stadtrat David Sopp. Schwäbisch Gmünd brauche Angebote für beide Seiten – im sozialen Wohnungsbau wie auch für Bürger mit viel Einkommen. Bürgerliste-Stadtrat Ullrich Dombrowski stimmt dem zu.

CDU-Stadtrat Martin Bläse fragt, ob nun jedes Mal eine Grundsatzdiskussion über Flächenverbrauch entsteht, wenn es um neue Bauplätze geht – wie bereits bei den Plänen für die Erweiterung des Gmünder Felds in Herlikofen. In Zeiten des Klimawandels sei jede einzelne Entscheidung wichtig, plädiert Linken-Rat Professor Dr. Andreas Benk für diese Diskussionen, auch wenn es „mühsam“ ist. Er freue sich auf 20. November, wenn der Beschluss über den Planentwurf im Gemeinderat ansteht, sagt Joachim Bläse abschließend.

© Gmünder Tagespost 13.11.2019 22:29