„Aus einem Unort wird jetzt geordnete Situation“

SCHWÄBISCH GMÜND (hs). Für die endgültige Entscheidung in Sachen Gastronomie Bebauung auf dem Zeiselberg, die am 30. Januar im Gemeinderat gefasst werden soll, zeichnet sich eine Mehrheit ab. Dies wurde gestern bei der Vorberatung über den Durchführungsvertrag mitsamt Bebauungsplan deutlich.

Noch am Vorabend hatte die Bürgerinitiative Zeiselberg mit einer Lichterdemo gegen die, wie sie meint, „XXL-Bebauung“ protestiert. Bürgermeister Dr. Joachim Bläse betonte nun gestern gegenüber den Stadträten des Bau- und Umweltausschusses:
„Es ist gut, wenn wir jetzt endlich einen Knopf dranmachen.“ Beim Neujahrsempfang sei doch zu spüren gewesen, wie sehr man sich in Schwäbisch Gmünd darauf freue, erneut Gastgeber einer Gartenschau sein zu dürfen. Wie der St. Salvator für das Kirchliche sei, so sei der Zeiselberg für das Gesellschaftliche ein wichtiger Eckstein. Er, Bläse, wolle nicht erneut zum Ursprung des Verfahrens und der Diskussion zurückgehen und aufklären, wer wann mit wem alles über dieses Projekt geredet habe. Es habe jedoch im
Zuge des Bebauungsplanverfahrens eine sorgfältige Abwägung der Einwände gegeben. „Wir tragen hier eine Gesamtverantwortung für die Stadt“, so sprach sich Bläse für das Projekt aus. Baubürgermeister Julius Mihm erinnerte, dass „wir bei diesem Bauwerk mit
allem runtergegangen sind“, um den Interessen der Anwohner und Kritiker zu berücksichtigen. Was die Planung nun letzten Endes beinhalte sei ein Betriebstyp dieser Gastronomie, die den wirtschaftlichen Mindesanforderung entspreche, um zu vermeiden, dass diese Investition eine Fehlgeburt werde. Erneut ging Mihm auf zwei Hauptkritikpunkte aus der wiederholten öffentlichen Auslegung und Anhörung ein: Fehlende Stellplätze und Angst vor Lärmbelästigungen. Wenn man den Betrieb des
beliebten Paulaner-Gasthauses auf dem Marktplatz und mitten in der AltstadtFußgängerzone betrachte, käme doch auch niemand auf die Idee, nach dort fehlenden Autostellplätzen zu fragen. Und als es schon mal in den letzten Sommern
den Biergartenbetrieb auf dem Zeiselberg mit manchmal 300 und mehr Besuchern gab, sei dies seines Wissens völlig ohne Beschwerden geblieben. Zuvor sei der Zeiselberg ein Unort mit nächtlichen Gelagen und Geschrei gewesen. Nunmehr aber werde dieser Ort, den er der Altstadt zurechne, nicht nur aus dem Dornröschenschlag geholt, sondern „wir stellen jetzt eine geordnete Situation her“. Dies müsste doch auch im Interesse der Anwohner sein. Stadtrat Christof Preiß (CDU) ergänzte, dass die Anwohner über das Fehlen eines Parkplatzes froh sein müssten, weil solcher erfahrungsgemäß Verkehrs- und
anderen Lärm vor allen in den Nachtstunden verursache.
Die Stadträte Karl Miller (Bündnis90/Die Grünen) und Sebastian Fritz (Die Linke) widersprachen den Darstellungen der Bürgermeister Bläse und Mihm und bedauerten, dass auf die Einwände im Rahmen des jüngsten Auslegungs- und Anhörungsverfahrens überhaupt nicht eingegangen worden sei. Damit kündigten die Fraktionen im Gegensatz zu den anderen eine weiterhin ablehnende Haltung an. Stadträtin Karin Rauscher
(FWF) erkundigte sich, ob es neben dem Lärmschutzgutachten auch die Fragen
nach Geruchsbelästigungen und die Gewährleistung des Winterdienstes untersucht worden seien. Bürgermeister Bläse reagierte erstaunt: Dies doch nicht die erste Gastwirtschaft, die in Gmünd gebaut und betrieben werde.

Stadtrat Albert Scherrenbacher fuhr aus der Haut. Eingehend wurden die Themen Lärmschutzgutachten und Sitzplatzzahlen für das Gasthaus debattiert. Stadtrat Ulrich
Dombrowski (BL) betonte: Das Schallgutachten belege doch ganz klar, dass die
Werte deutlich unter den zulässigen Grenzen bleiben. Lediglich bei einem Anwohner werde dies um ein einziges Dezibel überschritten. Er wundere sich, denn der Verkehrslärm der nahen Straßen sei doch weitaus schlimmer. Der Biergartenbetrieb schließt um 22 Uhr, es gibt laut Richtlinien jedoch Ausnahmen für zehn Sonderereignisse im Jahr. Der fest- und gastronomieerfahrene Stadtrat Albert Scherrenbacher (CDU) fuhr aus der Haut: Im Gasthaus und Biergarten „Stadtwirt“ seines Sohnes seien es an schönen Sommerabenden 400, manchmal 500 Besucher. Nur ein einziges Mal habe es in neun Jahren eine Beschwerde gewesen. Und dann schränke man sich halt kurzerhand ein und schließe die Fenster. Ihm sei die ganze Diskussion um die Zeiselberg-Gastronomie rätselhaft.
Es handle sich offenbar um Leute, die grundsätzlich gar nichts wollen. „Wir sollten doch froh sein, dass es noch Deutsche gibt, die Mut haben, in eine solche Gastronomie zu investieren“, rief Scherrenbacher unter Beifall aus. Die Verwirrung um die vorgeschriebenen Sitzplatzzahlen des Zeiselberg-Gasthauses wollten nicht enden. Stadträtin Sigrid Heusel (SPD) bat um klare Aufklärung. „Denn wir wollen ganz einfach wissen, über was wir abstimmen.“
Vorgerechnet wurden 90, eventuell weitere 24 auf einer Terrasse plus 150 im offenen Biergarten. Dr. Joachim Bläse wurde nach weiteren Nachfragen immer ungeduldiger, versuchte darzustellen, dass das Ganze ja auch wetterabhängig sei und kein Wirt es verhindern kann, dass seine Gäste bei sonnigem Winterwetter statt im Gasthaus plötzlich gerne auf der Terrasse sitzen.
Bürgermeister Dr. Joachim Bläse sprach zwei Einladungen an die Stadträte aus. Erstens zum Nachzählen der Stühle bei Zeiselberg-Fertigstellung. Und zweitens zu einem informativen Umtrunk in Schützenhaus nach Lindach, wo Vergleichbares bestens funktioniere.

Copyright Rems Zeitung, 17.01.2019