Aufkleber für Parksünder

Viele Fahrradfahrer und Fußgänger kennen das: in der Gmünder Innenstadt müssen sie sich auf Fußwegen an abgestellten Autos vorbeizwängen. Für einen Rollstuhlfahrer oder Eltern mit Kinderwagen zuweilen ein Ding der Unmöglichkeit. Auch Radfahrer weichen in besonders engen Fällen auf die Straße aus.

„Das Unrechtsbewusstsein beim Thema Falschparken ist bei vielen Autofahrern definitiv nur eingeschränkt vorhanden“, sagte Dr. Joachim Bläse, Erster Bürgermeister Schwäbisch Gmünds. Mit der Aktion „#woparkstdudenn?“ wolle die Stadt zum Umdenken regen. Am Donnerstag verteilte Bläse zusammen mit Stadträten Aufklebzettel an falschparkende Autos in der Gmünder Innenstadt. Die Sticker zierte der Name der Aktion. Diese ist Teil der „Tu’s aus Liebe“– Kampagne, die die Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommune mit Mitgliedskommunen zum Thema Verkehrssicherheit umsetzt. „Mit den Denkzetteln wollen wir uns abseits von Bußgeldern und Ermahnungen dem Thema auf freundliche Weise nähern“, erläuterte Thomas Kaiser vom Arbeitskreis Mobilität und Verkehr. Wenn Fahrradfahrer wegen Falschparkern vom Gehweg auf die Straße ausweichen müssten, dann erzeuge das eine Gefahrensituation für alle Verkehrsteilnehmer.

Die Gruppe startete ihren Stadtrundgang am Rathaus. An der Ecke Fuggerei und Brandstatt fanden sie den ersten Übeltäter. Ein Auto parkte in einem verkehrsberuhigten Bereich. Der Besitzer darf sich jetzt über eine Windschutzscheibe mit einigen Haftnotizzetteln freuen. Da kein Vertreter der Polizei oder des Ordnungsamts dabei war, wurden die Parksünder von einer Bußgeldanzeige verschont. Thomas Kaiser achtete bei allen Autos darauf, dass nicht Ausnahmegenehmigungen für Anwohner oder Behindertenausweise den Wagen kennzeichneten.

Am Parkplatz an der Klösterlestraße/Kapuzinergasse konnte die Gruppe sehen, welche Folgen Falschparken haben kann. Weil ein Auto keinen Platz mehr gefunden hatte, stellte der Besitzer es in der Einfahrt des Parkplatzes ab. Ein Getränkelaster, der seine Waren abladen wollte, konnte nicht auf den Parkplatz und musste auf der Straße parken. Stau inklusive.

Parksünder meist Anwohner

„Die meisten Falschparker haben ein Gmünder Kennzeichnen“, bemerkte Kaiser während des Rundgangs. Auch Autos, die Parkgenehmigungen für Anwohner ausliegen hatten, aber an der falschen Stelle parkten, wurden von der Gruppe gekennzeichnet. Vor der Sparda-Bank standen gleich zwei Autos im Halteverbot. Einer der Autobesitzer war nicht begeistert, als er aus der Bank herauskam und die Aufkleber auf seinem Auto entdeckte. „Die Aktion ist lächerlich. Hier parkt jeder Kunde vor der Bank“, sagte er. „Wenn jemand hier langfristig parkt, verstehe ich den Unmut. Aber wir wollen alle nur schnell Geld holen. Sollen wir dafür einen Kilometer weit weg parken?“ Er forderte ein Kurzparkschild an der Bank. „Wer aus dem Auto aussteigt, der parkt“, war die Antwort von Kaiser. Nach rund einer Stunde hatten die Freiwilligen rund 15 Autos beklebt. „Für einen heißen Donnerstagnachmittag nicht schlecht“, sagte Bläse und hofft, dass die einmalige Aktion für einen Denkanstoß bei einigen Autofahrern sorgt.

Infos zur Aktion gibts online auf www.agfk-bw.de.

© Gmünder Tagespost 07.06.2018 23:03